ZEIT, Januar 2000

Isch se schwarz
Beulleurs statt Brôt: Wie ein brésilien in Senegal international gans normal Silvester feiert
von Ze do Rock

In Dakar, Senegal, faingt der 31. decembre gans normal an. Vormittags nur ein raubversuch. Martin der tirolais, meine Princesse, die allemande, und ich der bresilien ybersideln grade in ein andres hotel, da kommt einer von links und bitet ein armband an, einer von rechts eine Sonnenbrille und gleichzeitig will ein dritter wissen wo wir herkommen und wie wir heissen. Man nennt Dakar das Paris von Afrique, und wenn schon kein Eifelturm dann zumindest sovil criminalité. Von verkeufern umzingelt werden wir zwar stendig, aber die 3 harn verdechtig wenig anzubiten. Wir sind alarmées und lassen sie nich an unsere taschen.
Varum grade Dakar? Tja, ich vollte verend der Jartausendvende nich friren, sondern hemdsermelig spaziren. Also varen Europe und sonstige nordpolnae kontinente ausgeschlossen. Asiatiques und australiens ham vom feiern keine anung, in Sudamerique var ich als bresilien schon zu oft. In Schwarzafrique gibt es noch ein pair weisse fleken fyr meine laindercollection. So kann ich den l. l. 00 mit meim 110. land, Senegal, feiern.
Alle leute in Dakar, la capitale, parlent francais, sowol die negres wie die blancs. Und francais koennen vir dôch. Leider stellen vir hier fest, das das fest vegen Ramadan nich so richtig mit vollem vapeur celebré vird. 80 % der senegalais sind musulmans. Koennen sie disen Ramadan nich exceptionellement fairschiben? Odaire ein monat lang zum Christenturn conveter? Danach koennen sie ja zuryck zum Islam, venn sie unbedingt meinen. Goût, die einheimischen behaupten trotzdem felsenfest, das es ein fest zou silfesta gibt, veil der Ramadan om 12 our nachts nix zou melden hat. Ja ound vie celebrez ir denn? Mit danser, vas sonst. Ja, so sind sie, die africains. Danser zoum carneval, danser zou ostern, danser zou weinachten ound in der zwischenzeit dansent sie auch ound jammern dann, das sie nich imstande sind, spitzentechnologie zou produire. Dabei moecht ich in der nacht zoum neuen millennium spitzentechnologiefeuerverk erleben. Die africains teilen mienne fascination für die magic nummero 2000 uberhaupt nich, fur sie commt da forn nix anders als ein gevoenliches neues jar.
Normalerveise essen vir cain mittagessen, âbère heute ist nich normalerveise. Vir gen chez Loutcha, vo's eine 30-seitige speise-carte gibt, mit specialités aoûs Brésil, Mexique, USA und 20 andre lainder, sauercroût inclusive. Aoûf dem veg dorthin verden vir vider umzingel. Ploetzlich vollent sie fulèn, aoûs velchem stoffe unsere hosen sind. Vir fairteilen ein pair fousstrittes, schimpfen laoût und sie gèn vidère.
Orn 17 hour commên Isolde, die allemande, und Sami, der zairois, rnit dem schnellbôt aus Garnbie. Aouf dem veg zoum afen verden vir ein drittes male umcingelt, dismâle châffen sie's, dem Martin sein passport zou claoûn. Da vird der tirolais âbère boese und hôlt ien sich zouruc.
Dâs schnèllebôt est zwar schnèlle, âbère venn es 2 stondes zou spait losfairt, comt es halte 2 stondes zou spait Anne. Da nutst alle schnèlligcait nix, venn sie aoûf eine kafkaeske bureaucratie steusst. Alle gépec-stucs verden auf ein 100 qm-areal fairteilt, ountersoucht, ound dann vird der eigentumère musam in dère menchenmenge airmittelt. Im schnitt comt alle 12 minutes ein passager raoûs. Venn unsere freunds zou den letzten passagers géheurènn, verden sie bei disem tempot die millennium-passage in disem gefangenen-depot fairbringen und airst nach 4800 minutes, das heisst am 3. janvier 2000 frei-commên. Draoûssen est es total obscure, und eine moite taxi-chauffeurs prugelent sich om die raire passagers. Vir quitter den afen om 21 heures mit eim schlêchten gévissen. Im hôtel est der plaisir umso greusseur, Isolde und Sami sind schôn gemutlisch installées. Im bot var cain place mère, desvegen sind sie mit dem bus gecommen. Dort var zwar aouch cain place mère, âbère dâ est es nich nour normal sondern die be- dingoung dâs air losfairt.
Normalement fairlangent die chauffeurs de taxi 10 marc für eine fart ins centre-ville. Yets mousse unser zairois arbeiten. Sami est zwar im Senegal genaoûseaux ein auslaindeur vie in Allemagne, âbère daire chauffeur veiss das nisch und fairlangt fur die fart eine marc. Dann commên vir angérante.
Le dinner est international vie le neue millennium sein soll: 2 allemandes, 1 tirolaiss, 1 zairois und ein brésilien gên in Senegal zoum corean. Das essen est goût, vir verden nisch aoûsgeraoûbt und draoûssen heurt man nix. Om 23 heures vird es doch noch laoût in le centre. Vir begeben uns zour Place de l'Independance und nisch nour vir: die ganse population de Dakar rennt chône hin. Dort vird es noch laoûtair und bountair. Die menchenmasse beveegt sisch fil und pleutslisch, om den crachêrs und den in l'horizontale losgélassenen feuervercs zou entcom. Irgendvie est dâ eine zimlisch bedrôlische atmosphaire. Es chaoût eer aoûs vie in Belgrad vairend dere NATO-visite. Venn dâ eine panique aoûsbricht, bleibt nisch fil ubric.
Alseau dôch file beulleurs statt brôt. Les allemands caufent venigere beulleurs om la monnaie stattdessen nach Afrique zou chic, âbère les africains caufent mit dise geld cain brôt sondern beulleurs.
Ya goût, Dakar est nisch rischtic Afrique, âbère beulleurs sind auch nisch rischtic brôt. Seit une stonde chône cnallt es heftic, âbère nisch cheune, veil privé. Om mitternuit commên dann les statliches feuvercs, und das est doch impressionant, obvôl nisch seaux bombastic vie fairmoutlisch in Paris ôdère New York.
Comic: bis eute hâm vir gedâcht, es gibt cain feuverc âbère fil danse, yets est es le contraire: fil feuverc und cain danse. Caines umârmes, caines ausflippes, cain Champagne. Dagegen hâm les allemands une menge temperament. Om 0:16 heures trift une raquete unseren ami Martin, und zwâr nour cnâp neben (2 cm) l'epicentre von Seine hintertel. Isch chetse dâs es une raquete privée var.
Seau seau. Seaux sit le neue millennium aoûs. Caine magnetbân, caine fligende autos ôdere alles per tastedruc, chône nisch im Goldenen Ouest, geschweige denn in Afrique. Stattdessen fil lairme und le gerouch pénétrant nach chisse-pulver. Venn isch misch dâ seau umschaoû, mousse isch chône sagen, isch se schwarz fur Afrique. Es gibt zwâr une laser-spectacle und musique fom band, âbère rischtic goûte atmosphaire est es nisch. Filaicht felen dôch les getrencs?
Om l heure vollen vir endlisch le nouveau jar begiessen. Mit bière, vail der africain Champagne seau goût est vie die africaine Rolex. Danâch gên les dames schlafen und vir mainner zin doursch la nite-life fon Dakar. Unsere gemeinsame sprache est allemand, obvol vir alle 3 in Allemagne génaoûseaux auslaindeurs sind vie hier.
Les discoteques sint maissig besoucht, drinnen sitsênt meistens dames d'animation. Gedansé vird chône, âere nour fon les dames d'animation. Vir bleiben nisch lânge, veil la bière sauteur est, saux das vir les dames caine bière spendiren coennen. Vaer aoûch anti-africain, hier erneren les fraus les mainners und non le contraire.
Om 6:30 heures est alles fini. Vir nem un taxi und Sami discute mit le chauffeur. Air meint, venn mân 9 stondes fur les 200 kilometres fon Gambie nach Dakar braûcht, veil les routes seau catastrophales und police-fairseuchr sont, dann Cannes le gouvernement nisch goût sein. Le zairois, daire inzwichaine bavarois mit links Cannes, behauptet felsenfest, dâs aoûs disem continent nix vird, venigstens nisch in den nexte 20 yars. Isch bin nisch d'accord. In diser nâcht hab isch zoum ersten mâle un mullvagen in Schwarzafrique géséen. Venn das cain goûtes omen est.
Zuruc im hôtel, nem isch une Aspirine, leg misch hin und die sache mit dem yartausend est gégéssen.

Ze do Rock is vor langer zeit in Brasilien geboren, hat nix studiert und zuletzt das buch "Ufo in der Küche" (Gustav Kiepenheuer) veröffentlicht und lebt noch heute, meistens in Mynchen
aus der ZEIT, Januar 2000
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Neue Zürcher Zeitung 25.03.2000
Wahr ist nur das gesprochene Wort
Erfahrungen mit senegalesischer Grammatik von Ania Faas (Text) und André Lützen (Bilder)

Wortarten. Ein ehemaliges Luxushotel, abrupt verlassen wie von Flüchtenden, schlafend zwischen zwei tosenden Schnellstrassen, die sich um den Paradiesgarten herum kreuzen. Kein Autofahrer nimmt Notiz von dem Gebäude. Die bröckelnde Majestät ist auf einer anstrengenden Fahrt nicht beachtenswerter als die Airport-Landebahn, die Maggi-Reklametafeln oder die meterlangen und tückisch tiefen Schlaglöcher der Nationalstraße zwischen Dakar und der Provinz. Im Swimmingpool betreiben hagere Bäume explosives Blühen, als würden es stündlich mehr rote und giftgelbe Kelche, die sich tief auf die türkisfarbenen Fliesen neigen. In den früheren «Gesellschaftsräumen» hat man alles stehen und liegen gelassen, wie es in den sechziger Jahren war. Sandverschüttete Gläser und Tassen, verrotteter Stoff, an der Wand neben dem Türrahmen bleiche Bilder von stolzen Mohren in Kellner-Livree. Amadou liebt diesen Ort. Mehr noch, er ist sein Zuhause. Zuhause ist da, wo die Familie nicht ist. Denn hier, wo es nach Abgasen stinkt und die Trockenheit Vergangenes konserviert, muss keiner lächeln oder reden, der nicht will. Schlaksig steigt Amadou über die zerbrochene Holztür in die Disco ein und hängt seine zwei Meter lichte Höhe über die Lehne eines grünen Klubsessels. Zwei, drei Freunde werden kommen, wenn überhaupt. Jedenfalls weniger als die drei Dutzend Angehörigen zu Hause, Vater, Mütter, Geschwister. Die besten Ideen hat er hier gehabt, den Titel für ein Lied zum Beispiel, «Ku weet xam sa bop - Wenn du nachdenken willst, musst du allein sein». Selbst im Halbdunkel leuchtet der Schöpferstolz aus seinen Augen. - Lamin hat sich angeschlichen wie eine Katze und springt ihm, unter Andeutung diffuser Kung-Fu-Schritte, direkt in den Nacken. «Ça va? Ça va bien? Cool, mon frère?» Drohend rollt sein R, er lässt sich in den Nachbarsitz fallen und hebt das Cellulaire ans Ohr. «Ecoute, morgen wird das nichts mit unserem Treffen. Bei uns ist heute abend Taufe, glaube kaum, dass ich vor nachmittags auf den Beinen bin.» Nachdem er die Aus-Taste gedrückt hat, macht Lamin ein zuckersüßes, breitmäuliges Gesicht und flüstert mit Fistelstimme: «Und schöne Grüße an Amadou, ja?» Amadou boxt ihn in den Bauch, und beide brechen in ein Lachen aus, das Tote zum Leben erwecken könnte. Amadou und Lamin warten auf bessere Zeiten und fühlen sich derweil ganz wohl. Bis Mitte Dreissig ist es nicht mehr weit, sie sind bereits auf dem Weg ins hohe Alter, zwei Musiker ohne Instrumente, oder, wie Amadou es gerne ausdrückt: «Je ne suis qu'un individu de bonne volonté.» Die Zukunft lebt im Grand-Hotel, weit weg von allen Menschen, die lächeln und reden und ihr Leben in fremde Hände geben.

Aussagen. Dunkel. Lockend. Jenseits. Roots, der Himmel, Tam-tam. In diesem großen, nach links ausgebeulten Kontinent liegt Senegal mit seinen Flussgrenzen zu Mauretanien, Mali, Guinea und Guinea-Bissau ganz außen, genau gegenüber der Karibik. Von hier aus wurden Sklaven verschifft, von hier kam der erste schwarze Literaturnobelpreisträger, hier begann die Karriere von Youssou N'dour. Fünf Sprachen, eine Religion, Reste von europäischer culture. Französisch Amtssprache und Pflichtfach ab sechs Jahren, die Bettler können recht gut «Bonjour, Kleenex!» sagen und «Donne moi de l'argent!» Regenzeit von Mai bis September, ansonsten Malaria, Analphabeten, Inflation. Historiker, wenn sie einen Regierungswechsel verzeichnet haben, schließen ihre Bücher wieder für ein paar Jahrzehnte. Nennenswerte Kriege gab es in letzter Zeit nicht. - In durchschnittlicher Sprechgeschwindigkeit würde man für diese einhundertacht Wörter etwa fünfzig Sekunden brauchen. Knapp eine Minute für die Skyline, an der Amadous Traumschiff vor Anker liegt. «La chaîne, c'est l'éducation, l'islam, la société. Was du tun solltest, tun andere für dich. Propheten, Scharlatane oder eben Politiker.» Er öffnet die Augen und lacht. «Wenn was schief geht, sagen wir ‹Graw - c'est pas grave› und lassen uns in das Leben nach dem Tod treiben. Grave . . . »

Privatgespräche. Zu Hause serviert Amadou noch einen Tee. Der dritte Aufguss ist ausgetrunken, es wird Abend, aber der Besuch klebt seit Stunden am Sofa fest. Niemals würde der Gastgeber zeigen, dass er ihn gerne los wäre, sich räuspern etwa oder Arbeit vorschützen. «Il te fait chier, mais tu ne dis rien. Sonst heißt es, du bist ja wie die Toubabs geworden, wie die Weißen. Und ein schlimmeres Schimpfwort gibt es nicht.» Statt dessen lädt er mit freundlicher Geste zum Abendessen ein. Im Haus herrscht gereizte Stimmung, denn vor ein paar Tagen hat der Vater eine neue Frau mitgebracht. Vater: «Setz dich, ich muss mit dir reden.» Mutter: «Ich höre.»Vater: «Ich will eine neue Frau nehmen.» Mutter: «Was? Noch eine Frau? Was willst du mit ihr?» Vater: «Sie kann dir im Haushalt helfen. Das tut deiner Stellung keinen Abbruch. Du nimmst trotzdem denselben Platz in meinem Herzen ein.» Mutter: «Hattest du mir nicht versprochen, dass du niemals eine neue Frau nehmen wirst?» Vater: «Ach, vergiss es. Das war die Armut, die mich solche Dummheiten sagen ließ. Wenn ich eine Frau dazunehme, Cica, so ist das nur zu deinem Besten.»
     Cica kocht das Empfangsdiner für die Neue, drei Tage lang. Der Besucher schaut sie mitleidig an. «Graw. C'est pas grave», strahlt Cica. Der Vater arbeitet im Ministerium. Kurz vor Beginn des Wahlkampfs scheint der Präsidentenpalast noch staubfreier als sonst. Am Gittertor steht ein roter Turban mit Schärpe und blauen Pluderhosen. Er merkt selbst, dass sein Gewehr weitaus beeindruckender ist als sein französischer Wortschatz, und lächelt, auf das unscheinbare Wachhäuschen weisend, fast schüchtern. Dort werden zwei Uniformierte mit hängenden Schultern für das Neinsagen bezahlt. Keiner hat schärfere Augen und ein selektiveres Gehör als sie. Warten. An der Treppe hält ein Händler auf meterlangen Tischen wenige Zeitungen und viele Illustrierte bereit. Zögert ein Käufer bei der Auswahl der Lektüre, bietet ihm der Weißgekleidete grinsend ein Pornoblättchen an. «Made in Senegal», verspricht er und schlägt dem tiefschwarzen Titel-Pinup zur Bekräftigung seine Gebetsperlen auf den eingeölten Hintern.
Vaters Bürosessel riecht noch nach Fabrik. Der Anzug kann nicht älter sein als das Möbel. Kein Fussel, keine Falte. Sorgfältig legt er, ganz Funktionär, die Fingerspitzen beider Hände aneinander. «Uns geht es um harte Arbeit, Arbeit für den Fortschritt. Hier glaubt niemand an Zauberei.» Zum Abschied erhebt er sich, der Anzug verfängt sich an der Armlehne, und so gibt der verrutschte hellblaue Button-down-Kragen ein Stück schwarzes Lederband frei. Fetische zieht man niemals aus, das bringt Unglück.
     Die Mutter ist verrückt geworden. Seit Tagen spricht sie kein Wort mehr. Wenn sie alleine ist, singt sie, zusammengekauert vor dem Waschbecken. Seit Tagen kann Amadou nicht ins Hotel. Seine Sehnsucht verschwindet beim Putzen. Er nimmt den grauen Lappen, einen Eimer, geht ins Bad, wischt den Boden, zieht sich einen Pullover über, putzt dann den Flur vor dem Hof, das Handy ans Ohr geklemmt. «Wir sehen uns heute abend, Inschallah, ich kann jetzt nicht weg.»

Bedeutung. Brackwasser spiegelt die Sterne wider. Der Griot, ein professioneller Erzähler, braucht die ganze Nacht zum Singen. Eine Nacht für: Geburt, Tod, etwas dazwischen. Die Geschichte des Kindes, das getauft werden soll, des Mannes, der gestorben ist, des Helden, der siegen will, der Mutter, die dem Wahn verfallen ist. Die Geschichte der Väter, der Großväter, ihrer Vorfahren, der ganzen Familie. Große Ereignisse, Zeiten, zu denen Gutenberg den Buchdruck noch nicht erfunden und die Weißen weder Afrika noch Amerika entdeckt hatten. Den Text hat der Griot im Kopf. Sein Vater hat ihn ihm beigebracht, und er spricht ihn nur gegen Bezahlung, begleitet von Trommeln und Saiteninstrumenten.
Amadou ist dabei unbemerkt ein großer schwarzbrauner Käfer ins Hosenbein geklettert. Erst als sich das harte Insekt unter dem Stoff am Knie entlang seinen Weg bahnt, fährt ihm der heiße Schreck durch den Körper, er springt auf, sein Herz rast, wie besessen hüpft er durch den klebrigen Sand, um das Tier abzuschütteln. Es drückt sich fester in die Haut seines Beins, er zieht die Hose bis übers Knie hoch, packt den Panzer so knapp wie möglich mit den Fingerspitzen und schleudert ihn hoch in das gleissende Licht der nackten Glühbirnen, die an einem Draht quer über den Platz hängen. Im Gegenlicht verdichten sich kleine Fliegen zu bedrohlichen Wolken, spatzengroße Heuschrecken torkeln irritiert gegen die halbnackten Menschenkörper, die einander umkreisen und anspringen und wieder zurückweichen. Die Dunkelheit verschluckt Schwarz und lässt Weiß leuchten: Ein verzweigter Fluss von Milch, der an einem Rücken herunterrinnt, ein helles Tuch, das wie eine willkürliche Grenze im Gelände liegt, Plastikplanen im Rücken der Zuschauer, die den Platz begrenzen. Nach oben verdrehte Augen. In der Nacht lässt sich der Tanz nur mühsam entziffern. Gesichter und Körper tauchen schemenhaft in den Lichtkegeln auf und blitzartig wieder unter. Bellend, grell, monoton singt der Griot sein langes Lied. Die hohen Trommeln sind so laut, dass man sie unter den Füßen spürt.
     Griots sind teuer, Griots lügen nie, Griots trinken Blut. Sie heiraten nur Frauen aus Griot-Familien, sie kennen kein Tabu und keine Scham. Grundsätzlich laden sie sich selbst ein. Griot ist ein Beruf, und «Griot» ist ein Schimpfwort wie «Schmarotzer». Ohne die Griots hielten Historiker nur rätselhafte Bruchstücke in den Händen. Der Mann aber, der von ihnen heimgesucht wird, muss vielleicht Haus und Hof verkaufen, um ihre Forderungen zu erfüllen. «Allah est grand, mais l'Afrique, c'est complexe.» Der Griot kennt alle Geheimnisse, und nur er darf sie offenbaren. Er spricht aus, was andere denken. Er zeigt dem verlorenen Individuum, woher es kommt und wohin es geht.

Übersetzung. Amadou muss seine Mutter ins Krankenhaus bringen. Aus dem Dorf in die Stadt. Mit dem Taxi nach Fann, einem Stadtteil von Dakar, in dem die Reichen leben, die Studenten und die Irren. Über die Place de l'Indépendance, quer durch den Sandaga-Markt, auf den vertikal kreuzenden Boulevard. Im Café Paris verbellt ein Dackel jeden, der dunkle Haut hat. Sobald die Sonne aufgeht, sondert die tosende, heiße, schmutzige Metropole eine schwarzweiße Mischung ab, ein hauptstädtisches Sekret. Secret? Das Geheimnis von Dakar erneuert sich täglich aus einer endlosen Reihe von Widersprüchen. Schwarze Limousinen kreuzen die Route. Polizisten machen der Delegation den Weg frei. Hinter den getönten Scheiben sitzen kichernde Chinesen. Staatsbesuch bei Abdou Diouf, dem «Mann aus dem Volke». Noch ist er Präsident. Die Wahlen, die nicht er gewinnen wird, stehen erst bevor. In den vergangenen 19 Jahren, unter seiner Regierung, hat die Republik den Übergang aus einer Drittwelt-Gesellschaft in eine moderne Nation geschafft. Sagt Diouf auf einer Konferenz. Er ist ein Mann der Versöhnung, er ist Muslim, seine Frau Christin, er bringt diese Dinge unter einen Hut. Schwieriger schon sei die Vermittlung zwischen der Elite, die sich an Europa orientiert, und dem Volk, sagt sein Pressesprecher später. Bei «Elite» kreist seine Rechte über dem Kopf, wie um einen Heiligenschein zu markieren, bei «Volk» streckt er den Arm aus, die Handflächen nach unten.
     An Fann erinnert sich Amadou nur ungern. Wenn er dort vor den Toren des Hospitals im Cybercafé saß und wartete, schaute er sich Kataloge an. Turnschuhe von Nike, Adidas oder Camper waren doppelt so teuer wie in Paris. Importware, die die Studenten an den Füßen trugen. Wenn er einem von ihnen die Schuhe klauen würde, jetzt, ihn niederschlagen und die Treter von den Füßen reißen, dann hätte der schon morgen wieder dieselben an. Also los - pourquoi pas? Alles dreht sich ums Geld. Der Bettler, der jeden Morgen durch die schwebende Glastür kam, hatte keine Hände. Die Arme waren unterhalb der Ellbogen nur noch spitz zulaufende Stümpfe, wo sollte man die Münzen also ablegen? Ein 100-CFA-Stück passte genau auf den äußersten flachen Knorpel, den er dann, in der Vertikale, über seine Brusttasche balancierte. Mit dem anderen Arm kickte er die Beute hinein. Nie sah man, wie er das Geld wieder herausholte. Sein Lächeln war bezaubernd. Er trug ein T-Shirt mit der Aufschrift: «No job, no girl, no money.»
     Fann ist ein Krankenhaus mitten in der Stadt. Manchmal kommen die Irren selbst nach Fann. Die Psychotischen allerdings werden von ihrer Familie gebracht, denn sie sehen nicht ein, was an ihnen krank sein soll. Oft reisen sie von weither an, aus entlegenen Dörfern oder den Nachbarländern, meist in Begleitung eines Verwandten, der während der gesamten Behandlung bei ihnen bleibt. «Chaque homme est le gardien de son frère», heißt es auf einer Tafel am Eingang. Das Krankenhausgelände erstreckt sich in die Ferne wie eine Savanne. Ziegen mit braun-weißen Batikmustern knabbern an verstaubten Sträuchern. Weite Flächen, auf denen hohes Gras wächst, Abfall liegt herum, am Wegesrand Männer, die im Sitzen pinkeln. Die spitzen Knie schräg auswärts gedreht, das Hemd hängt hinten aus dem Hosenbund in den Staub. Auf diese Weise braucht man keinen begrenzenden Baum und keine Mauer, jeder kann zusehen, wie das abgeschlagene Wasser im trockenen Boden versickert. Nach einigem Schütteln aus der Hüfte wird der Reissverschluss, noch in der Hocke, wieder zugezogen. Die verstreuten Buschhütten sehen gemütlich aus, die Steinhäuser dazwischen eher wie Vollzugsanstalten. Schmale Fenster über Augenhöhe, schwache Neonröhren, gelbliche Kacheln, Gitter, Linoleumböden. - Ein ohrenbetäubendes Brüllen, ein unmenschliches Fiepen, ein verzweifeltes Röcheln erhebt sich draußen auf dem Flur, für zwei, drei Minuten, dann wieder Stille. Docteur Seck verzieht keine Miene. Der kleine Metallriegel ist von innen vor seine Bürotür geschoben, durch die blumenbedruckten Vorhänge fällt mehr Hitze als Licht. Amadou schaut sich zaghaft nach dem rätselhaften Lärm um, wagt aber nicht, die Ausführungen des Arztes zu unterbrechen.
     Wenn jemand den Weg hierher findet, hat die traditionelle Heilkunst versagt. Vielleicht war der guérisseur des Dorfes nicht gut genug. Vielleicht passt die Krankheit auch nicht in eines der vier Grundmuster, aus denen die Volksheilkunde ihre Methoden abgeleitet hat: Entweder ist der Kranke von Dschinns besessen. Das kann passieren, wenn man das Haus beispielsweise um die Mittagszeit verlässt, zu der die Dschinns überall lauern. Wilde Geister sind das, im Gegensatz zu den (zweitens) Geistern der Vorfahren, die im Haus arbeiten und nachts erscheinen. Oder es handelt sich um Maraboutage. Ein Feind könnte zu einem Marabout gegangen sein, ein Nachbar, der dir Böses will. Il vous maraboute pour vous faire malade. Schlimmer ist die vierte Variante, der Kannibalismus. «Manche Menschen haben die Macht, dich sterben zu lassen, und wenn du wiederauferstanden bist, fressen sie dich. Manchmal können sie dich nicht verschlingen, also machen sie dich krank.» Amadou glaubt, dass die neue Frau seine Mutter verzaubert hat. Seine Beine hat er unter dem Holzstuhl verschränkt, er lauscht, den Blick starr ins Halbdunkel gerichtet.
Docteur Seck hat Medikamente gegeben. Jeden Mittwoch soll Cica jetzt am «Pinth» teilnehmen: Auf dem Balkon treffen sich die eingewiesenen Frauen, um mit den Ärzten und Pflegern über ihre Krankheit zu reden. Die Doktoren geben sich hier den Scherzen ihrer Patientinnen preis, es wird viel gelacht. Angeblich hat der Pfleger der Alten bei der Einweisung zugezwinkert, angeblich hat Docteur Seck Tabletten verwechselt. Trotzdem, in der Anstalt ist es besser als draußen, denn dies ist ein Land des Scheins, Hauptsache, die Äußerlichkeiten passen ins Bild. «Hier kann man wenigstens über sich selbst bestimmen, ohne gleich für verrückt erklärt zu werden.»
     Sagen wir es mal so, meint der Vater, das Volk geht zuerst zu den Heilern und dann zum Arzt, die Funktionäre gehen in die Klinik, und wenn die Besserung nach zwei Tagen nicht eintritt, wenden sie sich an den guérisseur. Die Ärzte erklären zuviel. Das macht die Leute misstrauisch. «Toute science véritable doit être un secret.»

Feststellung. Die Mutter wurde zum Ende des Ramadan entlassen. Amadou ist froh, nicht mehr vor Sonnenaufgang aufstehen zu müssen, und die Kleinsten sind geschwächt vom Hunger und von der Schlaflosigkeit. Die kleine Wellblechsiedlung hat sich verändert. Direkt neben den rostbraunen und grauen, buckligen Hütten ist ein weißes Steinhaus herangewachsen. Kurz vor dem Einzug haben die Besitzer Bäume pflanzen lassen, die ein Gärtner auf Linie schneiden muss. Oben flach, die Seiten ein elegantes Oval. Hier wohnen nur vier Menschen? Auf der Straße spielen die Kinder der Armen Fußball mit alten Felgen und wundern sich. Die Väter machen ihrem Zorn zu Hause Luft.
     Amadou kann nicht mehr telefonieren, die Karte ist abgelaufen, er muss ein neues Handy «organisieren». Er besteigt den Car Rapide, den Bus, auf dem in bunter Schrift «Alhamdoulillah» geschrieben steht. Auf halbem Weg hält der Fahrer plötzlich das lose Lenkrad in der Hand, und während er versucht, es wieder auf den Vierkantstahl des Lenkgestänges zu klemmen, schleift der überfüllte Wagen schräg über die sandige Piste. «Mat'la, graw, c'est pas grave.» Reifenquietschen, Lachen, nur die Kinder schreien. Die meisten Männer steigen vor der Moschee aus. Lamin ist da, auch einige Nachbarn. Der aus dem weißen Haus kommt im eigenen Wagen. Vor Gott sind alle gleich. Im kühlen Schatten sieht man womöglich die schöneren Gewänder, aber das Megaphon trifft die hinteren Reihen ebenso hart wie die Knienden unter dem Turm. Die Propheten haben nichts aufgeschrieben. Ihre Lehre ging von Mund zu Mund, von Deutung zu Deutung, und senkt sich nun in schnarrenden, zerstückelten Versen über den rechteckigen Vorhof. Amadou zieht die Schuhe aus, legt seine Matte hin, Schweigen senkt sich über die Menge. Eine kurze, anheimelnde Trance. Der kleine Junge neben ihm spielt hinter dem Rücken mit einem Würfel. Keine Weißen in Sicht. Unter den Worten, die der heilige Sänger auswendig deklamiert, nur schwarze Hände und schwarze gesenkte Augenlider. Alles, was schwarz ist, wird in den Wörterbüchern assoziiert mit finster, schmutzig, traurig oder düster. Schwarzmarkt, schwarze Katze, schwarzer Freitag, Schwarze Magie. Zum Nachdenken hat Amadou viel Zeit. Im Lauf der Jahre ist er zu dem Schluss gekommen, dass, wenn Schwarz das Licht absorbiert, das Schwarze selbst das Licht sein muss.
     Das Gebet endet nach einer Viertelstunde. In den kleinen Grüppchen, die Teppiche rollend und Kleider abstaubend nach draußen drängen, gibt es nur ein Gesprächsthema. Seit der Gründung der «Commission d'observation du croissant lunaire» trat zum erstenmal der Fall auf, dass das Ende des Ramadans an drei verschiedenen Tagen gefeiert wurde. Mohammed sagt, das Fasten endet, wenn drei Glaubensbrüder zugleich den Mond erscheinen sehen. Aber dieses Jahr macht jeder, was er will. Die ersten haben den weißen Schein eben Samstag erblickt, die letzten erst am Montag. So erklärte die Regierung den Montag, als Cica aus dem Krankenhaus kam, zum Feiertag. «Ein unermesslicher Schaden für unser Bruttosozialprodukt», geifert Lamin mit aufgerissenen Augen und Fistelstimme. So, dass nur Amadou ihn hören kann, natürlich. Der schnappt ihm die Zigarette aus der Hand und rennt mit langen Schritten zum Car Rapide. Bettler umlagern den Wagen, schließlich muss heute jeder sein Pflichtopfer an die Armen loswerden, das der Koran vorschreibt.

Dialog. Alleinsein. Das Hotel liegt im rosafarbenen Abend und hält den Atem an, selbst die Straßen scheinen stiller vor diesem kurzen, unvergleichlichen und immer gleichen Sturz der Sonne in die Nacht. Auf dem Gepäckträger des alten Fahrrads balanciert Amadou eine Schale Reis und Fisch. Ein Tuch liegt zum Schutz darüber, aber es duftet unverkennbar nach der Erdnusssauce, die seine Mutter kocht. Die Regeln gebieten, dass alle aus derselben Schüssel essen, aber jeder nur auf seiner Seite. Und dass man den Blick nicht hebt beim Essen. Lamin und Amadou löffeln schweigend, die Augen in die Emailschale gerichtet, deren blaues Blumenmuster sichtbar wird.
     Die Zeit vergeht schnell. Nirgends wird so viel nachgedacht wie im «Volk» unter der herabgesenkten Hand. Nirgends wird so viel geschwiegen und stillgesessen. Was Lärm macht, sind Trommeln und Sänger und Worte aus privilegierten Kehlen. Alle anderen sind friedliche Menschen, die allenfalls die Zeit totschlagen. Amadou erzählt Lamin, dass er sich ein Lied ausgedacht hat. Amadou: «Gestern habe ich mir ein Lied ausgedacht.» Lamin: «Wozu?» Amadou: «Tradition bedeutet nicht mehr als Überlieferung.» Lamin: «Das Showbiz kannst du dir abschminken. Da haben nur Frauen eine Chance.» Amadou: «Eigentlich ein neutraler Begriff.» Lamin: «Das siehst du ja an den Spice Girls. Sehen aus wie Miss Universe, mais chantent comme des casseroles.»

© Neue Zürcher Zeitung ZEITBILDER Samstag, 25.03.2000 Nr.72, S. 119

 

Le Monde 14.4.2000

SENEGAL NACH DEM ENDE DES STAATSSOZIALISMUS
Jetzt sind Mut und Einfallsreichtum gefragt
Anfang April hat Senegals neuer Präsident Abdoulaye Wade sein Amt übernommen. Nachdem die sozialistische "Staatspartei" in dem Schlüsselland des einstigen "Französisch-Afrika" vierzig Jahre lang an der Macht gewesen ist, ging nun ein Wechsel vonstatten, ohne daß die Armee und die mächtigen religiösen Bruderschaften auf den Plan getreten sind. Der neu gewählte Präsident will den Senat abschaffen, das Parlament auflösen und einen "bescheidenen Staat" durchsetzen, der den Gegebenheiten des Landes entspricht. Auch strebt er eine baldige Lösung für die Casamance an, wo ein sezessionistischer Guerillakrieg schwelt. Doch seine Zeit ist knapp bemessen, denn die Erwartungen der Öffentlichkeit sind hoch und wurden in der Vergangenheit vielfach enttäuscht. Wider alle Erwartung sind in Senegal die beiden Durchgänge der Präsidentschaftswahl ohne Zwischenfälle verlaufen, und so kam es in den letzten Wochen zum ersten Mal in der Geschichte des Landes seit der Unabhängigkeit zu einem Machtwechsel. Abdoulaye Wade hat Abdou Diouf abgelöst.

Dabei wird das Land von schlimmen Krisen geschüttelt. Die seit 1960 herrschende sozialistische Partei (der PS), deren Führer zum Teil mehr die persönliche Bereicherung als das Allgemeinwohl im Auge hatten, und eine internationale "Hilfe", die eher auf Abhängigkeit als auf Entwicklung abzielte, haben eine regelrechte Auflösung der Gesellschaft bewirkt. Die vom PS durchgepaukte Verfassungsänderung, die ihrem Chef Abdou Diouf unbegrenzte Mandatsverlängerungen ermöglichte, und die Gefahr von Unregelmäßigkeiten, wie sie der Opposition zufolge bei früheren Wahlgängen vorkamen, ließen das Schlimmste befürchten. Manipulationen und Verfälschungen der demokratischen Mechanismen hätten bei den Massen, für die der Wechsel gleichbedeutend mit Hoffnung war, unberechenbare Reaktionen ausgelöst. Vor dieser Hauptsorge traten grundsätzliche Fragen in den Hintergrund, alles drehte sich nur noch darum, wie zuverlässig die Maßnahmen waren, die einen fairen Wahlgang sichern sollten. Um die Tragweite des Wahlsiegs von Abdoulaye Wade zu beurteilen, muß man sich die Ergebnisse des ersten Wahlgangs ansehen, bei dem der damals amtierende Präsident 41,33 Prozent erhielt, die Oppositionskoalition jedoch nur 30,97 Prozent. Anders gesagt, daß Abdou Diouf sich einer Stichwahl gegen Abdoulaye Wade stellen musste, hatte er vor allem der Uneinigkeit seiner eigenen Partei zu verdanken. Die beiden PS-Abweichler Moustapha Niasse (16,76 Prozent) und Djibo Ka (7,09 Prozent) entzogen ihm zusammen fast ein Viertel der Stimmen. Im Übrigen zeigt die Wahl klar, dass die Bevölkerung einerseits Diouf weg haben wollte, andererseits aber auch nicht ganz überzeugt ist von Wades Koalition, deren Glaubwürdigkeit darunter leidet, dass drei ihrer Mitglieder mit dem alten Regime kollaborierten. Deutlich wird auch die Desillusion gegenüber den Marabut-Dynastien, die sich für ihren Geldgeber Abdou Diouf ausgesprochen hatten. Die Niederlage des Präsidenten fällt auf sie zurück.

Konsequenterweise müsste nun Abdoulaye Wade die vom PS dominierte Nationalversammlung auflösen. Eine baldige Neuwahl des Parlaments böte die Gelegenheit, über die Probleme des Landes und entsprechende Lösungsmöglichkeiten zu debattieren. Dies könnte für Senegal eine Übergangsphase einleiten. Dasß der neue Präsident Moustapha Niasse zum Ministerpräsidenten bestellt hat, lässt hoffen, denn dieser einflussreiche Mann genießt den Respekt aller politischen Lager. Eine Exekutive à la française, gebildet aus einem liberalen Präsidenten und einem sozialistischen Ministerpräsidenten, stellt die politische Konstellation dar, mit der sich die Mehrheit der Senegalesen identifizieren könnte. Die Bevölkerung hat sich deutlich für den Wechsel ausgesprochen.

Nun gilt es, die Bilanz der fast zwanzigjährigen Diouf-Ära zu bereinigen. Ein Jahr nach seinem Regierungsantritt (1981) hatte er als Antwort auf den Staatsstreich von Kukoi Samba Sagna ein "Senegambia" improvisiert und die senegalesische Armee in Gambia einmarschieren lassen, um Dawda Jawara wieder an die Macht zu bringen. Dieser verschob allerdings die geplante Vereinigung der beiden Staaten auf den Sankt-Nimmerleins-Tag, nachdem er wieder fest im Sattel saß. Die Erinnerung an die Toten ist immer noch wach. Schmerzhaft in Erinnerung bleiben auch die Massaker, die 1989 in Mauretanien an Senegalesen verübt wurden. Die Senegalesen antworteten mit Repressalien gegenüber den im Lande lebenden Mauretaniern. Der Konflikt ist bis heute ungelöst.

Eine weitere offene Wunde ist der Bürgerkrieg in der Provinz Casamance, in den auch das angrenzende Guinea-Bissau hineingezogen wird. Die senegalesische Wirtschaft war zu lange abhängig vom Erdnussanbau, der die Ackerflächen auslaugt. Auf der Suche nach neuen, nährstoffreicheren Böden wanderten die Wolof-Bauern in die fruchtbare Casamance aus, wo sie den Rhythmus der traditionellen Anbauweisen durcheinander brachten und schwere politische Probleme und Spannungen verursachten. Die alteingesessene Bevölkerung fühlt sich ungerecht behandelt.

Der privatwirtschaftliche Sektor befindet sich praktisch ganz in der Hand französischer Firmen (Bolloré, Bouygues, Mimran, France Télécom u.a.). Einige von ihnen nutzten die Abwertung des CFA-Franc um 50 Prozent im Januar 1994, um sich für wenig Geld öffentlichen Besitz in wirtschaftlichen Schlüsselbereichen anzueignen (Wasser, Telekommunikation, Hotellerie). Der Zucker-Monopolist Mimran, der den Zuckeranbau und Zuckerhandel landesweit kontrolliert, erhielt zusätzlich die örtliche Niederlassung der ehemaligen westafrikanischen Bank BIAO (Banque internationale pour l'Afrique occidentale) angeboten. Diese Bank hätte man auch so sanieren können, dass man die Sparguthaben im Lande mobilisiert und im Ausland befindliches Kapital von Landsleuten angelockt hätte.
Zusätzlich zum Verlust ihres Besitzes mussten die Opfer der Abwertung eine Verteuerung der Lebenshaltungskosten hinnehmen. Die schon vorher abschreckenden Darlehenszinsen kletterten in Schwindel erregende Höhen, um dem Preisanstieg entgegenzuwirken, der bei Lebensmitteln und Importwaren um die 60 Prozent lag. Die mit Spekulationsgeldern überschwemmten Niederlassungen der französischen Banken dachten nicht etwa daran, Arbeitskräfte einzustellen. Sie finanzierten lieber mit kurzfristigen Krediten den Import von Verbrauchsgütern.

Seit den Ländern nach der Unabhängigkeit der CFA-Franc als Einheitswährung aufgezwungen wurde, obwohl sie gar nicht mehr in das von Frankreich begründete gemeinsame Marktbündnis eingebunden waren, sitzen die betroffenen Länder in einer tödlichen Falle. Durch den massiven Kapitalabfluss ins ehemalige Mutterland blutet ihre Wirtschaft völlig aus, und die Handelsbeziehungen zwischen den einstigen Kolonien verkümmern.
Die zwischen Frankreich und den Ländern der Franc-Zone ausgehandelten Verträge, mit denen die Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion (Ecomac) sowie die Zentralafrikanische Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft (Cemac) begründet wurden, sind lediglich ein Notbehelf. Eine Wirtschaftsunion mit einer Währungsunion zu beginnen ist das Verkehrteste, was man tun kann. Die fehlende Konvertierbarkeit der CFA-Währungen der beiden Wirtschaftsräume beweist dies überdeutlich. Unter den gegebenen Verhältnissen ist nicht auszuschließen, dass die Entwicklung von Parallelmärkten zu immer neuen Abwertungen des CFA-Franc und irgendwann zu seiner Auflösung führt.

Für die wirtschaftliche Entwicklung ist dieses Klima der Unsicherheit alles andere als günstig, dafür gedeihen Schattenwirtschaft und Spekulation um so prächtiger. Ein wahrer Albtraum ist auch die Verschuldung. Schon 1994 betrug sie 3 678 Milliarden Dollar und entsprach 272,7 Prozent der Exporte und 99,1 Prozent des Bruttosozialprodukts. Die Fischgründe des Landes wurden an die Mitgliedsländer der EU verschachert, die sie ausplünderten, was die Bevölkerung noch mehr verelenden ließ. Hinzu kommt der Skandal einer zum Regierungssystem erhobenen Korruption.

Wird die neue Regierungsmannschaft genug Mut und Einfallsreichtum aufbringen, um diese verfahrene, die Gesellschaft völlig lähmende Situation anzugehen? Für die Problembereiche Casamance, Gambia und Guinea-Bissau gilt gleichermaßen: Die Unsummen, die dieser lange, kostspielige Krieg verschlingt, könnten dazu genutzt werden, die in der Casamance begangenen Ungerechtigkeiten wieder gutzumachen. Zusätzlich könnte der Regierungssitz nach Ziguinchor (Casamance) verlegt werden, wobei Dakar wirtschaftlich die Hauptstadt bliebe. Dies hätte außerdem den Vorteil, dass große Bauvorhaben eine Dynamik der Entwicklung und der wirtschaftlichen Integration erzeugen. Man könnte eine Brücke über den Gambia-Fluss, Straßen, eine Universität bauen. Dieselbe Strategie der Nachfrage-Ankurbelung keynesianischen Typs könnte auch in den übrigen Landesteilen angewandt werden, indem die Pläne für den Cayor-Kanal, die Urwelt-Täler, die "grünen Lungen" usw. reaktiviert werden.

Was die Privatisierungen betrifft, auf die eher der Begriff Liquidation zuträfe, müsste der Staat mit entsprechenden Gesetzen für die Kapitalaufstockung der betroffenen Unternehmen sorgen. Nur Inlands- oder Auslands-Senegalesen sollten als Anteilseigner zeichnen dürfen. Eine solche Maßnahme würde einen Teil des ins Ausland transferierten Kapitals zurückfließen lassen und den Landsleuten eine gewisse Kontrolle der fraglichen Gesellschaften verschaffen. Und von der Westafrikanischen Zentralbank (BCEAO) müsste verlangt werden, dass sie die Handelsbanken durch Direktiven dazu verpflichtet, den kleinen und mittleren Unternehmen mittel- und langfristige Kredite zu gewähren.

Senegal hat sich den Programmen zur Liberalisierung der Wirtschaft gebeugt. Da die Länder des Westens sich nicht an die Vereinbarungen von 1993 zur Öffnung ihrer Märkte für afrikanische Exporte gehalten haben, müsste Senegal gemeinsam mit den anderen Ländern des Kontinents bei der Welthandelsorganisation WTO ein Moratorium aushandeln, das den afrikanischen Markt vor jenen Importen schützt, die seine landwirtschaftliche Lebensmittelproduktion und die Ansätze eigener Industrialisierung zerstören. Vorrangiges Ziel einer energischen Politik und aktiven Diplomatie müssten die wirtschaftliche Integration der Subregion und die Belebung des Handels innerhalb der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (Ecowas) sein.

Heutzutage spricht man vielfach vornehm von Schuldenerlaß, womit Afrika wieder einmal in der Rolle des Bittstellers ist. Man vergisst dabei, dass Schwarzafrika, da es keinen Zugang zu den Kapitalmärkten hat, wie ein Subunternehmer seine Entwicklung an die Institutionen von Bretton Woods ankoppeln musste. Dies wurde nicht honoriert. Bewertungsberichte über die von den multinationalen Banken finanzierten Projekte bestätigen es. Die meisten dieser Projekte erfüllten ihre Zielsetzung nicht. Kredite beruhen auf einer Geldtransaktion zwischen zwei oder mehreren Parteien. Wenn diese Transaktion einer der Parteien zum Nachteil gereicht, kann und soll die geschädigte Partei ein Schiedsgericht anrufen, um Schadenersatz zu erhalten. Senegal ist es sich schuldig, sich zum Anwalt und Protagonisten eines solchen Vorstoßes zu machen, um eine Lösung für das Schuldenproblem zu finden.

Und was ist eigentlich mit der Entschädigung, die der schwarzen Bevölkerung wegen der Sklaverei zusteht? Portugal, Spanien, Frankreich, Holland, England, die USA und Dänemark haben von der Zwangsarbeit der Schwarzen profitiert, und Unternehmen wie Lloyds, NatWest usw. haben dabei riesige Gewinne erzielt. Senegal ist es sich schuldig, an vorderster Stelle den juristischen Entschädigungskampf zu führen, damit die Kinder Afrikas in derselben Weise entschädigt werden wie die Kinder Israels. Mit den einzutreibenden Summen könnte ein panafrikanischer Entwicklungsfonds gegründet werden, dessen vordringliches Ziel darin bestünde, die Armut der schwarzen Gemeinschaft in der Welt auszurotten.

Das zwischen der Europäischen Gemeinschaft und Senegal 1997 vereinbarte Fischerei-Abkommen muß neu ausgehandelt werden. Es bedarf einer Schonzeit, damit sich die Fischbestände wieder regenerieren können. Fangquoten, zu fischende Arten, Kontrollmaßnahmen und die Menge der in Senegal selbst zu verarbeitenden Fänge müssen neu ausgehandelt werden.

Auch die politischen, wirtschaftlichen und militärischen Beziehungen zu Frankreich müssen einer Revision unterzogen werden. Es ist im Prinzip sinnvoll, dass ein Land seine Währung an die seines wichtigsten Handelspartners koppelt, doch die Konstruktion des CFA-Franc widerspricht den Interessen der ehemaligen französischen Kolonien in Afrika. Differenzierte Umtauschkurse müssen die Regel sein. Die Einbehaltung von 65 Prozent der Wechselkursreserven auf Konten der französischen Zentralbank ist ungerechtfertigt. Die Kapitalflucht muß eingedämmt werden. Die französischen Investitionen im Lande müssen den Interessen beider Seiten dienen, und nicht nur den französischen. Im militärischen Bereich muß Frankreich eine Pacht für die Militärbasis in Dakar bezahlen. Die strategische Bedeutung der Basis rechtfertigt dies. Wenn Paris nicht bereit ist, diese Notwendigkeit anzuerkennen, muß Senegal mit anderen Militärmächten der Welt verhandeln, um deren Angebote zu prüfen, und sich danach für das entscheiden, was im Interesse des Landes ist.

Was die Außenpolitik betrifft, so muß Senegal die geschlossenen Botschaften in Südafrika, Brasilien und Moskau wieder öffnen und die zugunsten von Taiwan vernachlässigten Beziehungen zu China reaktivieren.

Das senegalesische Volk ist von Natur aus unternehmerisch, kreativ, innovativ, risikofreudig und geschäftstüchtig. Es sind genau die Eigenschaften, die im Zeitalter der Globalisierung den Nationen zum Wohlstand verhelfen. Doch die Sitten, Machenschaften und Praktiken der vergangenen dreißig Jahre haben diese Qualitäten verdorben. Nötig ist nun ein radikaler Wandel der Politik und der Mentalitäten, damit Senegal der Gefahr der Implosion entgeht und sich regenerieren kann.
Von SANOU M'BAYE (dt. Josef Winiger)

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NZZ 09.06.2000
Schärferer Ton Dakars gegenüber Mauretanien
Wassernutzung nicht der Grund des Zwists?

Die senegalesische Regierung hat ihre Lands-leute in Mauretanien in einem am Mittwochabend veröffentlichten Communiqué zum sofortigen Verlassen des Gastlands aufgefordert. Der Aufruf erfolgte, nachdem eine Reise des Premier-ministers Niasse nach Nouakchott zu Beginn der Woche offensichtlich keine Entspannung im ab-rupt verschlechterten Verhältnis zwischen den beiden Nachbarstaaten herbeigeführt hatte. Mauretanien hatte zuvor alle Senegalesen aufgefordert, das Land innert zweier Wochen zu verlassen, und auch die in Senegal lebenden Mauretanier zur Rückkehr aufgerufen. Laut Agenturberichten folgten bisher weit mehr Senegalesen als Mauretanier den Anweisungen aus Nouakchott.
Dakar hatte seinerseits an die in Senegal lebenden Mauretanier appelliert, ganz normal ihren Geschäften nachzugehen, da sie nichts zu befürchten hätten.
Nach mauretanischen Angaben geht es bei dem Zwist um Pläne Dakars, Wasser aus dem Senegal-Fluss für neue Landwirtschaftsprojekte abzuzweigen, was eine Verletzung von Abkommen über die Flusswassernutzung zwischen Senegal, Mau-retanien mund Mali darstelle. Dakar dagegen erklärte, die drakonischen Massnahmen Nouakchotts seien in Tat und Wahrheit eine Reaktion auf angeblich «feindselige» senegalesische Presseberichte über das mauretanische Regime unter
Präsident Taya. Die private Zeitung «Le Témoin» hatte kürzlich darüber berichtet, der neue Präsident Wade habe seinen mauretanischen Kollegen Taya am Telefon angebrüllt. Im Communiqué Dakars heisst es dazu, die senegalesische Regierung
habe in Nouakchott darzulegen versucht, dass es in Senegal eine freie Presse gebe und dass sie keine Kontrollgewalt über die privaten Medien habe. Die BBC berichtete demgegenüber, Nouakchott sei über regierungsfeindliche Äusse-rungen von schwarzhäutigen Mauretaniern erzürnt, die seit ihrer gewaltsamen Deportation aus
Mauretanien während der ethnisch-nationalistischen Unruhen von 1989 in Senegal lebten. Dakar unterstrich erneut, es verfolge zurzeit keine Pläne, die den Status quo bei der Wassernutzung durch die drei Staaten in Frage stellten.
2000 Neue Zürcher Zeitung Nr.133


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FR 21.8.2000

Minen bei der Mangoernte
Angst herrscht in Senegals Rebellenregion, der Casamance
Von Christoph Link (Ziguinchor)
Eine beklemmende Atmosphäre. Man spricht mit dem Gouverneur, man interviewt den Chefarzt im Krankenhaus, man spricht mit Geschäftsleuten und Geistlichen in der Provinzstadt Ziguinchor. Und alle bitten, nicht namentlich zitiert zu werden. Aber alle sagen das Gleiche: "Es herrscht Krieg in der Casamance."
Die Casamance ist ein Landzipfel am südlichen Ende Senegals, eingeklemmt zwischen Gambia und Guinea-Bissau, ein grünes Territorium mit weitverzweigten Wasserarmen, Reisfeldern und weißen Sandstränden. 800000 Menschen leben hier, vorwiegend christlich-animistische Diola, die sich von der islamischen Bevölkerung im Norden, den Wolof, abheben. Eigentlich ist die "grüne Waldzone" der Casamance ein Touristenziel, doch bis auf wenige spanische Reisegruppen verirren sich kaum noch Fremde ins Land. Vor fünf Jahren verschwanden fünf Franzosen spurlos, seitdem liegt der Tourismus darnieder. Auch die Fischfabriken sind geschlossen, die Märkte in Dakar sind zu weit entfernt.
Es ist ein kalter Krieg, der immer wieder mal in eine heiße Phase tritt. Jeden Monat zählt das Hospital in Ziguinchor im Durchschnitt fünf bis zehn Verwundete. Das jüngste Scharmützel mit tödlichem Ausgang fand Mitte Juli in Babonda, einige Dutzend Kilometer südlich von Ziguinchor, statt: ein Soldat wurde beim Schusswechsel mit Rebellen getötet, mehrere andere verletzt. Für Ausländer, so warnen offizielle Stellen, ist ein Herumfahren in der südlichen Casamance tabu. Einige Dörfer sind verlassen, andere in der Hand der Rebellen, allenfalls nach Nyassia könne man, dort sei starke Truppenpräsenz.
Das Taxi bringt uns von Ziguinchor ins 15 Kilometer entfernte Nyassia. Dort ist unter dem Gewicht eines Lastwagens eine Brücke eingedrückt worden, nur noch Fußgänger können passieren. Im Konvoi mit Schützenpanzern fahren Militärlastwagen zur Reparatur. Nyassia ist eine Soldatenstadt, einige Häuserruinen, Sandbarrikaden, Unter-stände, Kioske. "Seit zwei oder drei Monaten ist es ruhig", sagt ein Soldat. "Nur nachts kommen manchmal die Rebellen ins Dorf, um sich Bier zu holen, dann hören wir Schüsse." Ab 18 Uhr ist die Straße zwischen Ziguinchor und Nyassia verwaist, dann hat die Armee Feierabend. Die Nacht gehört den Rebellen.
Alle sechs Monate werden die Soldaten der Armee der "Zone Süd" ausgewechselt, heißt es, die Ablösung kommt aus dem Norden, es soll keine Verbrüderung mit den Einheimischen in der Casamance stattfinden. Vor drei Jahren noch hat Amnesty International der senegalesischen Armee in der Casamance schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen, das Verschwindenlassen von Personen und extralegale Hinrichtungen. Wie wirkt sich heute die massive Militärpräsenz auf das Zivilleben aus? Besuch beim katholischen Priester von Nyassia, der Mann könnte die Frage vielleicht beantworten. Der Geistliche bittet in sein Wohnzimmer, die Türen stehen offen, er sagt, er wolle eine Landkarte holen, um die Lage zu erklären, er kommt mit einem Zettel zurück, darauf steht handschriftlich: "Ich habe Angst zu sprechen, wegen der Soldaten draußen."
Einer, der keine Angst hat, sitzt im gelbgetünchten Haus des Katholizismus in Ziguinchor unter Arrest: der 72-jährige Pater Augustine Diamacoune. Er gilt als geistiger Vater der Rebellengruppe "Mouvement des Forces Democratiques de Casamance" (MFDC). Vor seiner Haustür lungern ein halbes Dutzend junger Soldaten im Unterhemd und Jogginghose herum, mit ihren Dolchen schälen sie Obst, einige spielen Karten. Um den Pater zu sprechen, sagen sie, brauche man eine Erlaubnis, und die gebe es für Journalisten nicht.
Immerhin per Telefon ist Diamacoune zu erreichen: "Ich sitze hier wie im Gefängnis", sagt der Pater. Seit dem Präsidentenwechsel im März in Dakar habe sich überhaupt nichts geändert. Die MDFC warte immer noch auf direkte Verhandlungen mit Präsident Abdoulaye Wade, der der Casamance eigentlich Priorität einräumen wollte. "Wir sind keine Rebellen, wir sind Patrioten, Nationalisten und Widerständler", sagt der Pfarrer. Die Regierung in Dakar möge ihm ein einziges Dokument der französischen Kolonial Verwaltung zeigen, wonach die Casamance in Senegal integriert worden sei, so etwas gebe es nicht.
Opfer des Krieges sind in einem kleinen Lager am Rande von Ziguinchor zu sehen. Auf Matratzen und in selbstgebauten Rollstühlen sitzen elf junge Minenopfer. Den meisten hat die Explosion ein Bein in Oberschenkelhöhe abgerissen. Am tückischsten ist die Mangoernte. Anfang Juli fuhr ein mit Ernte-helferinnen vollbesetzter Lastwagen in einem Mangohain auf eine Mine, drei Frauen starben, 20 Frauen wurden verletzt.
Seit 1997 hat die Hilfsorganisation Handicap 433 Minenopfer in der Casamance gezählt, die meisten wurden schwer verletzt, 95 starben. "Eine Mine ist nie alleine", sagt Doudou Fall von Handicap, "diese Botschaft versuchen wir den Leuten zu vermitteln." Nach einer Minenexplosion eilten häufig andere Bauern dem Verletzten zur Hilfe, die Folge sei, dass sie selbst auf Minen treten, die in der Nähe liegen. Wer diese tödlichen Fallen gelegt hat, ist umstritten. Pater Senghor behauptet, die MFDC habe 1992 Minen abgeschworen.
Spricht man mit Marktfrauen, Taxifahrern und Ladenbesitzem in Ziguinchor, gewinnt man den Eindruck, dass weder die Separatisten noch die Armee viel Sympathie genießen. "Die Leute warten ungeduldig auf Frieden", sagt Yoro Oumar Diallo, Chef des Radios Ziguinchor. Der Sender versuche, die Menschen "moralisch wieder aufzurichten".
Da die Diola ganz verschiedene Sprachen sprächen, sendet das Radio in mehreren Dialekten: für jeden Stamm ist etwas dabei. Doch die große Konkurrenz seien die Diola-Radios aus Guinea und Guinea-Bissau. Auch dort leben Diola, und dort haben nach Ansicht der senegalesischen Regierung auch die Rebellen der MDFC ihre Rückzugsgebiete.
In den vergangenen Wochen gab es bei Kolda an der Grenze zwischen Senegal und Guinea-Bissau schwere Spannungen. Senegalesiche Dorfbewohner warfen dem Nachbarland vor, es lasse Viehdiebe und Plünderer nach Senegal einsickern, darunter seien "Elemente der MDFC". Zwei Wochen lang wurde die Grenze von Anwohnern blockiert, 40 Lastwagen mit Ziel Guinea-Bissau saßen fest, in Bissau drohte Öl- und Lebensmittelknappheit. Der senegalesische Innenminister musste anreisen, um im Grenzort Sélékenie die Krise mit seinem Amtskollegen aus Guinea-Bissau zu lösen, die Rückgabe gestohlener Güter wurde versprochen, die Grenze wieder geöffnet. Die Casamance hat sich in Dakar wieder einmal Gehör verschafft, mit einer eigenwilligen Aktion.
Frankfurter Rundschau 21.8.2000
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Afrique Souveraine, 08/2000
Gemischte Ehen: Schwarze und Weiße
(Übersetzung: R. Lienemann)

Wer sucht, der findet" sagt die Bibel. Aber der Mensch sucht oft auf falschem Terrain oder in der falschen Richtung. Ergebnis: seine Suche bringen ihn oft in eine noch größere Misere. Eine Hochzeit in Ulm: Peter Nkwameh freut sich an diesem Tag im Sommer1998. Ein Traum wurde Wirklichkeit. Er und Uschi, eine groß gewachsene vollschlanke Deutsche, haben gerade geheiratet. Mehr als 80 Personen sind zur Hochzeit gekommen: es waren Deutsche, Ghanaer, Nigerianer, Gambier, Kongolesen, Angolaner etc. Musik aus Ghana wurde ständig gespielt. Reggae war ebenfalls dabei. Und die Werke von Koffi Olomidé Die Fröhlichkeit war unübersehbar bei diesem Treffen. Selbst der Vater von Schi, der sich zuerst mit aller Kraft der Hochzeit seiner Tochter mit einem "Neger" entgegengestellt hatte, schien erleichtert. Er lachte, unterhielt sich mit den eingeladenen Afrikanern und hatte in einer kleinen Ansprache zu seinem Schwiegersohn gesagt, dass dieser künftig Teil der Familie sei. In einer anderen Ecke erzählt ein Gambier, dass auch er demnächst heiraten werde: "me also, I am going to marry.... Peter is now a happy man. He has no more paper problems... Police won't disturb him again." Glücklich? Das ist jedenfalls nicht das passende Adjektiv, denn das Eheleben von Peter und Uschi hat nur neun Monate gedauert.


Die Liebe hat keine Farbe
Wie der Ghanaer Peter Nkwameh heiraten hunderte von Afrikanern europäische Frauen in der Absicht Aufenthaltspapiere für Europa zu bekommen und so garantierten Zugang zu bestimmten Rechten und sozialen Vorteilen zu erlangen. Andere haben sich auf eine Mischehe eingelassen, um ihre Neigung zum Exotismus zu befriedigen. Was die weißen Frauen angeht, haben einige von ihnen Schwarze geheiratet, weil sie meinen, dass ihre Chancen einen weißen Mann zu bekommen gleich Null sind, sei es dass sie schon älter sind, sei es dass sie an Übergewicht leiden.Im Bewußtsein, dass ihr Heiratswert bei weißen Männern sehr gering ist, versuchen sie der Einsamkeit zu entkommen, indem sie sich exotischen Partnern anbieten, vor allem Afrikanern. Partnern, die darüber hinaus starke sexuelle Kraft mit sich bringen sollen. "Für die weiße Frau ist der Afrikaner nur eine sexuelle Maschine... Bei diesen Frauen geht es in erster Linie um die Sexualität. Das ist es, was sie am meisten zu den Schwarzen zieht", erzählt ein kongolesischer Musiker. Und ein Freund aus Nigeria spricht offen aus, was zahlreiche Schwarze denken und unter sich erzählen: "Einige weiße Frauen können nicht mehr aufhören mit Schwarzen zu schlafen, wenn sie einmal damit begonnen haben. Sie wandern von einem Afrikaner zum nächsten..."

Tatsächlich zeigt die Wirklichkeit, dass diese Ehen im allgemeinen Schiffbruch erleiden. Nur ein winziger Prozentsatz schafft es, die Unterschiede zu managen. Und die Liebe herrschen zu lassen um zwei Seiten eines Schicksals zu werden oder zwei Flügel eines Schicksals. Nach der Meinung der Menschen, die wir befragt hatten, bezieht sich die erste Ursache auf den Kulturkonflikt. Die eine Seite versucht sich als die bessere aufzuspielen, als die Norm und die einzig lebenswerte, während die andere sich dagegen wehrt, um auch ihr "Bürgerrecht" zu wahren. Beispiel: Matondo ist Kongolese, Ehemann von Andrea, einer Deutschen. Matondo hat einen Brief aus Kinshasa erhalten mit dem Inhalt, dass seine Mutter schwer krank ist, sie muss ins Krankenhaus, hat aber kein Geld um sich behandeln zu lassen. Matondo spricht mit Andrea darüber und schlägt vor, etwas Geld vom Haushaltsgeld abzuzweigen und es der Mutter zu schicken. Seine Frau erwidert, dass kein Pfennig für diese Hilfeleistung übrig sei. Der Mann ist unglücklich und kann die egoistische Haltung seiner Frau nicht verstehen... Für Matondo umfasst seine Familie natürlich seine Frau und seine Kinder, aber auch die Eltern, Onkel, Cousins und Cousinen usw., denen man im Notfall zu Hilfe kommen muss. Das zur Schau getragene Unverständnis von Andrea dieser kulturellen Anforderung gegenüber bildet den Grund ständiger Konflikte, die den Hausfrieden zerrütten. Für den Soziologen Jacques Iboundou aus Congo-Brazaville "fällt es vielen Afrikanern schwer, sich von der Großfamilie zu trennen, sich aus dem traditionellen Denkweg zu lösen, weil sie nicht wirklich lange Zeit in Europa zu leben vorhaben. Dies ist nur eine Stufe auf dem Weg zum ökonomischen Erfolg; sie ist gewiss wichtig, aber die Afrikaner beabsichtigen eines Tages zurückzukehren. Konsequenterweise können die Bindungen, die sie hier eingehen, nicht von Dauer sein."

Die exotischen Partner aus Afrika
In Afrika ist der Mann der Chef des Hauses. Es gibt eine Menge Aufgaben, die er nicht machen kann, so wie kochen, Geschirr abwaschen und anderes. Eine normale Angelegenheit, denken viele Afrikaner. Ousman, ein Sudanese, gehört zu ihnen. Obwohl er in Europa lebt, gelingt es ihm nicht sich von bestimmten Angewohnheiten zu trennen, die er im Sudan verinnerlicht hat. Nahezu jeden Tag gibt's Krach in der Beziehung zwischen ihm und seiner Frau Tanja, einer Deutschen. Und einer der Gründe für das tägliche Aneinandergeraten: seine Frau habe die schlechte Angewohnheit ihn aufzufordern zu kochen, sogar wenn Ousman müde ist. "Ich stehe jeden Tag um 4 Uhr morgens auf um arbeiten zu gehen und wenn ich nach Hause zurückkomme, soll ich noch Essen machen. Das ist Sklaverei", beklagt er sich. Antwort von Tanja: "Ousman versteht nichts von der Gleichberechtigung der Geschlechter. Der Arme glaubt, er sei noch in Afrika... Er will sich nicht ändern."

Zum Zusammenstoß der Kulturen kommen noch eine Menge anderer Ursachen hinzu, wie Lügengespinste und die Suche nach persönlichen Vorteilen. Eine weitere Quelle für Spannungen sind die Eltern, Freunde oder Freundinnen, die eine Antipathie gegen die andere Rasse oder Kultur zeigen. Christine Eicher, eine Deutsche, hat ihre Freunde verloren und jeglichen Kontakt zur Familie, weil letztere ihren "schwarzen Mann" nicht mochte. "In den Augen der Familie bin ich ein "Negerflittchen", eine Hure für die Schwarzen." Nun ist alles in Bewegung gesetzt, dass Christine auf den rechten Weg zurückkommt und einen Deutschen heiratet.

Zwei Enden eines Schicksals oder zwei Seiten eines Schicksals
Es gibt aber auch erfolgreiche Ehen. Pedro ist ein Angolaner von 30 Jahren; er ist Ingenieur und lebt in Harmonie mit seiner Frau Christiane. Sie sind beide Christen und sehr aktiv in einer Pfingstgemeinde in Frankfurt. Für Pedro liegt das Geheimnis der Harmonie zwischen ihm und seiner Frau in den selben Werten, die sie teilen. "Zuerst kommt die Liebe; ich habe gelernt meine Frau zu lieben wie meinen eigenen Körper. Dann kommt die Ehrlichkeit und das Verzeihen." Auf solcher Basis hat auch Georges (40) aus Benin mit Caroline ein glückliches Eheleben aufgebaut."Es gibt auch Konflikte in unserer Gemeinschaft, aber wir haben aufrichtig vor Gott die Wahl getroffen zusammenzuleben. Ich liebe Caroline. Sie ist eine Frau voller Ideen. Sie hilft mir weiter zu sehen... Viele Afrikaner haben diese Chance nicht bekommen. Sie leben vielmehr mit Frauen, die sie kaum ermutigen, Frauen, die irgendwie beschränkt sind." Und die schöne Caroline, 33 Jahre, fügt hinzu: "Am Anfang war es nicht leicht, meine Eltern wollten Georges nicht. Aber mit der Zeit haben sie eingesehen, dass wir für einander gemacht sind... Unsere Liebe ist unerschütterlich wie ein Baobab. Neben der Liebe sind es auch die gemeinsamen Projekte, die unsere Ehe stärken. Wir machen fast alles zusammen. Zwei Firmen, die Autos nach Afrika exportieren, haben wir zusammen gegründet und leiten sie zusammen. Ich bin oft mit meinem Mann in Afrika."

Die Ehe ist eine Institution, in der sich Mann und Frau frei und in Liebe zusammenfinden um gemeinsam zu leben. Die Bibel sagt, dass der Mann und auch die Frau ihre Familien verlassen und ein Fleisch werden; eins und eins macht eins, sozusagen. Die Ehe hat die wahre Liebe als Grundlage, absichtslos, im Guten wie im Schlechten. Sie bleibt die Quelle, aus der die Gesellschaft entsteht, und sie garantiert das Überleben der menschlichen Rasse. Die Liebe, Grundlage der Ehe, hat keine Farbe, sie hat kein Alter. Und in ihrem Namen verbinden sich auch die Partner in den gemischten Ehen, die manchmal ihr ganzes Leben in Harmonie verbringen.

N.Kalala und R.Goma
Afrique Souveraine N 4 - 08/2000 S. 6f
http://www.afrique-souveraine.de/so_ar_cu/text_soarcu/soarcu00012.htm
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taz 26.9.2000
Hilfe, wir werden gerettet! Teil 4: Senegal

Seit 1984 befindet sich Senegal in der Strukturanpassung. Das Ergebnis sind laut IWF "fragile Wirtschaft und weit verbreitete Armut"
BERLIN taz Eigentlich müsste Senegal ein IWF-Musterland sein. Das westafrikanische Land befindet sich seit 1984 in Strukturanpassung, länger als die meisten Entwicklungsländer. Die immer neuen Strukturanpassungsprogramme haben im Bewusstsein des Landes inzwischen den Status von Fünfjahresplänen im Sozialismus.
Leider gilt dieser Vergleich auch für den Erfolg dieser Politik. Als der neue Chef des Internationalen Währungsfonds, Horst Köhler, im Juli seinen Antrittsbesuch in der senegalesischen Hauptstadt Dakar machte, erklärte der IWF sich selbstkritisch "besorgt, dass die guten makroökonomischen Leistungen sich noch nicht in einer merkbaren Verbesserung der sozialen Indikatoren und einer Verringerung der Armut niedergeschlagen haben". Dabei hat das Land in 16 Jahren Strukturanpassung ja erst umgerechnet 1,38 Milliarden Mark vom IWF erhalten. Allerdings hat es in derselben Zeit 1,42 Milliarden zurückgezahlt und hat trotzdem mehr Schulden als vorher.
Kein Wunder, dass Senegal jetzt ärmer dasteht als zu Beginn der IWF-Intervention, die an der verkrusteten Vetternwirtschaft der von 1960 bis 2000 herrschenden senegalesischen Sozialisten nichts Grundlegendes änderte. "Die Wirtschaft ist noch immer fragil, und Armut bleibt weit verbreitet", heißt das im jüngsten IWF-Länderbericht zu Senegal vom vergangenen Monat. Wie das zu ändern ist, weiß der IWF auch schon: durch Einführung einer Mehrwertsteuer, Zurückhaltung bei den Gehältern im öffentlichen Dienst, das Ende des Zollschutzes für "ineffiziente heimatliche Produktion" und "verdoppelte Anstrengungen bei Privatisierungen".
Wie das die Armut verringern soll - 58 Prozent der Senegalesen sind laut Regierung mangelernährt -, bleibt das Geheimnis der Geldgeber. Für den neu gewählten Staatspräsidenten Abdoulaye Wade, der mit seinem Wahlsieg im vergangenen März der Herrschaft der senegalesischen Sozialisten ein Ende setzte, sind die Ratschläge der Geldgeber nicht leicht umzusetzen, war er doch im Wahlkampf angetreten, Arbeitsplätze zu schaffen und die hohe Jugendarbeitslosigkeit und das Wuchern verarmter und explosiver Slums am Rande der Hauptstadt Dakar zu beenden. Wade nennt sich selbst einen Liberalen und kritisierte an den 16 Jahren Strukturanpassung vor allem die fehlerhafte und korrupte Umsetzung.
Da die internationalen Geldgeber nun in Afrika ihre soziale Ader in den Vordergrund stellen, haben sie jetzt Senegals Regierung angewiesen, bis Ende 2001 ein umfassendes Armutsbekämpfungsprogramm zu erarbeiten. Wenn es hier "akzeptable Gesamtfortschritte" gebe, dann könne Senegal auch in den Genuss eines umfassenden Schuldenerlasses kommen.
DOMINIC JOHNSON
taz Nr. 6255 vom 26.9.2000, Seite 4, 92 Zeilen (TAZ-Bericht), DOMINIC JOHNSON
http://www.taz.de/pt/2000/09/26/a0085.nf/text

SUD 22.5.2000
Am Strand von Mbour
Die Klagen der Händler

Früh am Morgen oder spät am Abend ist der Strand von Mbour, der zwischen dem Weg der Fischer und dem verfallenen Wharf liegt, äußerst belebt. Man trifft dort Händler mit Waren aller Art.
Die Szene ist pittoresque: schon von weitem dringen unangenehme Gerüche in die Nase, Fischer, die hinausfahren oder zurückkommen versorgen sich mit Lebensmitteln oder mit dem notwendigen logistischen Material. Zahlreiche Fondé-Verkäuferinnen (Soße auf Hirsebasis) und Händler mit Alltagswaren, wie zum Beispiel Verkäufer von Plastikbeuteln, verdienen sich hier ihren Lebensunterhalt. Zumindest wenn man ihnen glaubt, auch wenn sie ihren Umsatz nicht nennen. Sie reden gern über die Zukunft und über die Fertigstellung des Fischerkais.
Banna, 32 Jahre alt, die Kalebasse mit Fondé auf dem Kopf, geht um 6 Uhr morgens zum Strand, sie braucht etwa 30 Minuten, um sich dort einzurichten. Ihren Platz bereitet sie mit hygienischer Umsicht vor und beginnt mit dem Ausfegen ihres Verkaufsbereiches. Vor ihr, um die Kalebasse herum, stehen ungefähr 10 Schalen, daneben ein Eimer mit gesäuerter Milch und ein anderer mit Puderzucker. "Ich komme seit 20 Jahren hierher. Mit 12 bin ich meiner Tante durch das Tefess-Viertel hierher gefolgt. Die Fischer kennen mich gut und vertrauen auf die Qualität meiner Ware. Für mich ist die Sauberkeit äußerst wichtig. Darum muss man sich kümmern. Ich glaube, das ist es, was die Kundschaft herbringt. Sie sehen es selbst", betont sie, "meine Schalen sind ganz sauber", und fährt fort: "Nachdem ein Kunde gegangen ist, wasche ich das Gefäß mit sauberem Wasser. Es kommt vor, dass ich am Ende eines Tages heimkomme mit Einnahmen, die zwischen 3000 und 5000 FF liegen.
Mit meinem Beruf als Fondé-Verkäuferin helfe ich meinem Mann die Tagesausgaben zu bestreiten. Die Einnahmen erlauben es mir auch, einige persönliche Bedürfnisse zu erfüllen. Darüber hinaus sind meine Beziehungen zu den Fischern sehr gut. Wenn ich wegbleibe, leide ich genauso wie meine Kundschaft... Ich komme nur schwer ohne sie aus. Die anderen Frauen, die hier am Strand den gleichen Handel betreiben, haben etwas die gleichen Einnahmen wie ich. Oft geht man nach 9 Uhr los, geht einkaufen und nach Hause um das Mittagessen zu machen."
Während die Fondé-Verkäuferinnen in aller Ruhe ihrer Beschäftigung nachgehen, ist es bei den Gemüsehändlern anders. Badou Ndoye, Vorsitzender der Vereinigung "Battou Tefess", erklärt, dass der Strand eigentlich reserviert ist für Fischer, Fischhändler und die Fisch verarbeitenden Frauen. Alle anderen Händlerinnen haben ihren Platz auf dem Markt.
Auf diesem Ohr ist Marie.F. taub: "Der Strand ist lang genug. Jeder kommt auf seine Kosten. Man fordert uns immer wieder auf, den Standort zu wechseln. Der Fischerstrand war zum großen Teil besetzt von jeder Art Händlern. Jeder sollte für den anderen Verständnis haben. Die Frauen möchten am Strand Gemüse kaufen, wenn sie Fisch besorgt haben. Das enthebt sie der Mühe, auf den Zentralmarkt zu gehen. Wir zahlen jeden Tag die Gebühren. Der Zentralmarkt ist sehr eng, die Stände sind in der Straße. Wenn sie uns von Strand vertreiben, wissen wir nicht wo wir den Verkaufsstand aufstellen können."
Frau F. hat einen Tisch an einem Strandabschnitt, wo die Hausfrau alle Lebensmittel, die sie braucht, finden kann, Zwiebeln, Piment, Pfeffer, Tomaten...
Sie meint, "Mbour ist eine großzügige Stadt. Ich verkaufe am Strand. Ich kann nicht sagen, wieviel ich am Tage verdiene, aber ich ernähre eine Familie von 8 Personen. Die Leute sollen uns am Strand akzeptieren, wir suchen mit keinem Streit, aber unser Abzug vom Strand würde Probleme verursachen. Der Strand kann viele ernähren."
Fischer und Fischhändler beurteilen die Markthändler unterschiedlich. Cheikh Mbacké meint, "die Leute meckern viel. Am Tag, an dem die Verkäufer nicht mehr am Strand sein werden, werden es viele bedauern. Sie gehen aus dem Haus und verbringen den ganzen Tag hier. Viele die hier arbeiten sind an sie gewöhnt. Die Fischkäufer haben keine exakte Arbeitszeit, sie richten sich nach der Ankunft der Fischer, die jeden Moment ankommen können. Was ich jedenfalls beklage, das sind die mit Wasser gefüllten Plastikbeutel, die nach Gebrauch weggeworfen werden. Sie bilden Dreckhaufen und verursachen in kurzer Zeit wirkliche Umweltprobleme."
Samba Niébé Ba

Sud 22.5.2000 Plage de MBOUR Les complaintes des vendeurs

Tôt le matin ou tard dans la soirée, la plage de Mbour sise entre le chantier du quai de pêche et l'ancien wharf en ruines, connaît une intense animation. On y rencontre des vendeurs d'articles en tous genres. Le décor est pittoresque. De loin, des odeurs fétides titillent les narines. Malgré tout, les pêcheurs de retour ou en partance pour la mer s'y livrent à des achats pour leur alimentions ou pour se procurer d'autres matériels nécessaires à leur logistique. Plusieurs vendeuses de "fondé" (bouillie à base de mil) et des commerçants d'objets usuels, à l'instar des vendeurs de sachets en plastique, y gagnent correctement leur vie. Du moins, à les en croire même s'ils ne disent pas leurs chiffres d'affaires, eux, qui aiment à s'interroger sur l'avenir et sur les travaux de finition du quai de pêche.
Agé de 32 ans, la calebasse de fondé sur la tête, Banna débarque à la plage à 6 heures du matin. La mise en place lui prend en moyenne une trentaine de minutes.

Elle s'installe avec toutes les précautions d'hygiène et commence par balayer l'endroit où elle s'installe. Puis, elle asperge de l'eau aux quatre coins de son étal, histoire d'attirer la clientèle. Devant elle, une dizaine de bols autour de sa calebasse, un seau rempli de lait caillé et un autre de sucre en poudre complètent le décor."Je fréquente les lieux depuis 20 ans. A l'âge de 12 ans, je suivais ma tante à travers le quartier de Tefess. Les pêcheurs me connaissent bien et ne doutent pas de la qualité de mon produit. Pour moi, l'hygiène est primordiale. On doit en prendre soin. Je pense que c'est ce qui attire le plus la clientèle. Vous le voyez vous-même, mes bols sont bien nettoyés", fait-elle remarquer. Et de poursuivre : "Après le passage d'un client, je lave le récipient avec de l'eau propre. Il m'arrive de rentrer en fin de journée avec des recettes qui tournent autour de 3 000 à 5000 Frs cfa.

Avec mon métier de vendeuse de fondé ,j'assiste mon mari pour la dépense quotidienne. Le produit de mes ventes me permettent aussi de régler certains de mes besoins personnels. En outre, mes rapports avec les pêcheurs sont excellents. Aussi, quand je m'absente, je souffre en même temps que ma clientèle. . Je me passe d'eux difficilement. Les autres femmes qui font le même commerce le long de la plage font aussi quasiment les mêmes recettes que moi. Souvent, à partir de 9 heures du matin, on décampe pour faire le marché et rentrer à la maison pour préparer le repas de midi".
Si les vendeuses de "fondé" vaquent à leurs occupations en toute quiétude, tel n'est pas le cas des vendeurs de légumes. Badou Ndoye, président de l'association "Battou Tefess", explique la plage est réservée aux pêcheurs, aux femmes transformatrices et aux marchands de poisson. Les autres femmes commerçantes, elles, ont leur place au marché.

M.F. ne l'entend pas de cette oreille : "la plage est assez large. Chacune trouve son compte. On nous demande tout le temps de changer de lieux de vente. Le quai de pêche était occupé en grande partie par les vendeurs d'effets de toutes sortes. Il faut une compréhension des uns et des autres. Les femmes préfèrent acheter des légumes à la plage après s'être approvisionnées en poisson. Cela les dispense de la corvée du marché central. Nous payons la taxe municipale chaque jour. Le marché central est très exigu. Les étals sont dans la rue. Si on nous déguerpit de la plage, on se demande où allons-nous nous installer".

Dame F. tient une table dans un coin de la plage où la ménagère peut trouver toutes les denrées alimentaires (oignons, piments, poivre, tomate...), dont elle a besoin. Selon lui,"Mbour est une ville généreuse. Je fais mon commerce à la plage. Je ne peux pas dire combien je gagne par jour, mais j'entretiens une famille de 8 personnes. Les gens doivent nous accepter sur la plage, on ne fait du tort à personne d'autant plus que notre départ posera beaucoup de problèmes. La plage fait vivre beaucoup de personnes".

Pour leur part, pêcheurs et mareyeurs jugent différemment les marchands. Selon Cheikh Mbacké, "les gens rouspètent beaucoup. Le jour où les vendeurs ne seront plus sur la plage. Certains le regretteront. Ils quittent leur maison et passent toute la journée ici. Beaucoup de personnes qui travaillent ici sont habitués à eux. Les mareyeurs n'ont pas d'heure de travail, ils comptent sur l'arrivée des pêcheurs qui viennent à tout moment. Pour ma part ce que je déplore, ce sont les sachets en plastique remplis d'eau et jetés après usage. Avec les tas d'ordures qu'ils créent, ils vont poser de véritables problèmes d'environnement à court terme".
Samba Niébé BA


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Panafrican News Agency 14.9.2000

La Sénégalaise et le Portable

Assises derrière un car de voyageurs, deux jeunes femmes débattent sans concession et les éclats de voix finissent par attirer l'attention des voyageurs. L'objet de cette chaude empoignade? ... Les performances techniques de leur téléphone portable respectif! Cette scène de la vie dakaroise, pourrait aussi bien avoir pour théâtre Conakry, Abidjan, ou
Bamako ... Ces deux dernières années, la fièvre du portable s'est emparée du Sénégal après avoir englouti d'autres capitales et en attendant de susciter des émules jusque dans les dernières zones de résistance les plus réfractaires du continent.
Que les interférences aient ou non des répercussions sur la santé publique, ne préoccupe guère une clientèle qui ne se fait point prjer pour s'offrir, quel que soit le prix, son premier portable, de préférence le plus léger et le plus miniaturisé.
Sous peu, redoute un célibataire dans son air le plus sérieux, "le portable sera la première preuve d'amour réclamée au prétendant, s'il ne fait partie de la dot exigée des futurs maris".
"Le Sénégalais, plus particulièrement la jeune femme, est littéralement à merci du téléphone portable", soupjrent une journaliste d'une radio privée, ravie de pouvoir joindre, au besoin, connecter en direct, sans la moindre difficulté, la moins accessible de ses sources habituelles.
Elle partage cette satisfaction avec bien des jeunes, désormais libérés des contraintes du téléphone fixe familial qui imposait bien souvent, de passer par les intermédiaires peu désires du cercle familial, pour atteindre l'oreille bien aimée.
"Le portable offre bien plus de liberté, au commerçant de l'import-export ou ä la prostituée qui en a vite fait un véritable outil de travail", explique un de ces nouveaux réparateurs-décodeurs improvisés sur Pack Lambaye, un des poumons de l'informel dakarois.
Les deux Opérateurs concurrents, qui se partagent le juteux marché, auraient respectivement 100.000 et 25.000 abonnés.

A son arrivée au Sénégal dans les années 1990, le portable était considéré comme un simple objet de luxe, hors de prix. Le coût gravitait autour de 300.000 FCFA (700 F CFA=1 dollar des Etats-Unis). Un prix inaccessible à la plupart des Sénégalais.
Aujourd'hui, la publicité et la concurrence aidant, le téléphone portable s'est beaucoup démocratisé. II ne se passe pas un mois sans qu'un opérateur ne propose de nouveaux produits qui tentent encore plus le consommateur. Grâce à la concurrence, les prix ont considérablement baissé. Les moins sophistiques, proposes aujourd'hui selon des formules de package à l'occasion d'opérations commerciales
ponctuelles, gravitent autour de 50.000 FCFA. Outil de travail pour certains, le téléphone portable est devenu aussi objet de frime pour les
femmes. II vient de plus en plus en complément à la toilette de jeunes femmes qui l'emportent partout, le tiennent ostensiblement dans la main laissée libre par le sac qui aurait pourtant pu le contenir avec discrétion.

En somme, le portable est devenu un signe distinctif de la femme "branchée". "Pas un pas sans mon téléphone portable", pourrait être le slogan des inconditionnelles du cellulaire. Se rendre à une cérémonie familiale, un mariage, un baptême et même dans les décès sans
avoir ä la main son téléphone portable, même les femmes d'un certain âge n'y pensent plus. Le résultat est peu accommodant pour certains, déçus qu'il ne soit plus possible de soutenir un entretien avec les femmes au portable. "Le portable sonne tout le temps", fait-on observer.
La police a démantelé récemment plusieurs réseaux de malfaiteurs. II suffit de faire un tour au marche de Colobane, à l'intersection de la gare routière et de l'autoroute, pour se rendre compte de l'essor du trafic de portables, proposes ensuite ä des prix défiant toute concurrence.
II est vrai qu'il se perd de plus en plus de portables dans la capitale et les nombreuses annonces passées à la radio ont rarement les suites escomptées.
Copyright © 2000 Panafrican News Agency septembre 14, 2000 Dakar, Sénégal

 

Die Senegalesin und das Handy

Hinten im Buschtaxi debattieren gnadenlos zwei junge Frauen, und ihre lauten Stimmen ziehen schließlich die Aufmerksamkeit der Mitreisenden auf sich. Der Gegenstand der heftigen Auseinandersetzung ist die jeweilige technische Ausstattung ihrer Handys. Diese Szene aus dem Leben in Dakar könnte auch in Conakry, Abidjan oder Bamako stattfinden.
In den vergangenen zwei Jahren hat das Handyfieber auch von Senegal Besitz ergriffen, nachdem es andere Hauptstädte überfallen hatte und nun wartet auch in den entlegendsten und widerständigsten Ecken des Kontinents Anhänger zu finden.
Ob die Funkwellen Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben oder nicht, beschäftigt eine Klientel kaum, die nicht lange wartet, sich das erste Handy zu gönnen, möglichst das leichteste und kleinste, wie teuer auch immer.
"Bald", befürchtet ein Junggeselle mit ernster Miene, "wird das Handy der erste Liebesbeweis sein, der vom Liebhaber gefordert wird, wenn es nicht Teil der verlangten Mitgift des zukünftigen Gatten ist."
"Die Senegalesen, ganz besonders die jungen Frauen, sind buchstäblich dem Handy ausgeliefert", seufzt die Journalistin eines privaten Radiosenders, "sie freuen sich, teilnehmen zu können und direkte Verbindung zu haben, ohne die geringsten Schwierigkeiten". Sie teilt diese Zufriedenheit mit vielen Jugendlichen, die nun von den Beschränkungen des einzigen Familienanschlusses befreit sind. Dieser verlangte oft die wenig erwünschte Vermittlung durch Familienangehörige, um das Ohr der geliebten Person zu erreichen.
"Das Handy bietet viel mehr Freiheiten für den Import-Export-Kaufmann oder für die Prostituierte, die schnell daraus ein echtes Jobwerkzeug gemacht hat", erklärt einer der neuen Reparatur- und Entschlüsslungs-Anbieter, die sich in Pack Lambaye installiert haben, einem Zentrum des informellen Marktes in Dakar.
Die zwei konkurrierenden Anbieter, die sich den einträglichen Markt teilen, haben 100.000 bzw. 25.000 Abonnenten. Als das Handy in den 90ern in Senegal auftauchte, wurde es zunächst als unerschwingliches Luxusobjekt betrachtet. Die Kosten dafür lagen um 300.000 CFA, ein unerreichbarer Preis für die meisten.
Heute haben Werbung und Konkurrenz dazu beigetragen, das Handy zu "demokratisieren". Es vergeht kein Monat, ohne dass nicht ein Anbieter neue Produkte auf den Markt bringt, die den Verbraucher noch mehr in Versuchung führen.
Dank der Konkurrenz sind die Preise beträchtlich gesunken. Diejenigen der einfachsten Geräte, laut Packungsaufschrift empfohlen für terminsichere Geschäftsabläufe, bewegen sich um 50.000 CFA.
Neben einem Arbeitswerkzeug für die einen, ist das Handy für die Frauen ein Vorzeigeobjekt geworden. Es ergänzt mehr und mehr die Garderobe der jungen Frauen, die es überall mitnehmen, es auffällig in jener Hand tragen, die nicht die Tasche hält, in der es auch, ungesehen, hätte getragen werden können.
Kurz, das Handy ist ein Kennzeichen der jungen Frau, die "in" ist. "Kein Schritt ohne mein Handy", könnte das Motto der bedingungslosen Handyisten sein. Zu einer Familienfeier gehen, einer Hochzeit, einer Taufe oder sogar zu einem Begräbnis ohne sein Handy bei der Hand zu haben, daran denken selbst die reiferen Frauen nicht.
Das Ergebnis ist für jene weniger angenehm, die enttäuscht darüber sind, dass es nicht mehr möglich ist, eine Unterhaltung mit Handy-Frauen zu führen. "Das Handy klingelt ständig", lässt sich beobachten. -
Die Polizei hat kürzlich mehrere Diebes- und Hehlergruppen auffliegen lassen. Es reicht, eine Runde auf dem Markt von Colobane zu drehen, an der Kreuzung von Busbahnhof und Autobahn, um sich über den schwunghaften Handyhandel zu informieren, dessen Preise jeden Konkurrenten misstrauisch machen.
Es stimmt, dass mehr und mehr Handys in der Hauptstadt verschwinden und die zahlreichen Verlustmeldungen im Radio selten die erhofften Folgen haben...               
dt. R.Lienemann

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"Sopi" - Der Einfluss der senegalesischen Medien auf die Präsidentschaftswahl 2000
von Frank Wittmann (http://pages.unibas.ch/afrika/papers/fw.sopi.pdf)

Die liberalisierten Medien des westafrikanischen Landes Senegal haben einen beträchtlichen Anteil an dem Ausgang der Präsidentschaftswahl, die von der Opposition gewonnen wurde. Ein halbes Jahr vor der Wahl konnte niemand damit rechnen, dass der seit zwanzig Jahren regierende Präsident Abdou Diouf in den Präsidentschaftswahlen im März 2000 abgewählt werden würde: zu sehr haftete ihm der Nimbus des Unbesiegbaren an, zu konzeptlos präsentierten sich die Oppositionsparteien. Obwohl der Senegal seit der Unabhängigkeit 1960 eine demokratische Republik ist, kannte das Volk nur die Parti Socialiste (PS) als Regierungspartei. Seit Mitte der neunziger Jahre wurde der Medienmarkt durch die Aufgabe des
staatlichen Informationsmonopols liberalisiert. Es wurde nicht nur eine Vielzahl von privaten Radiostationen und Tageszeitungen eingeführt, sondern auch das Fernsehangebot, das bisher aus den Programmen des staatlichen Senders Télé Sénégal und der aus dem Ausland einstrahlenden Sendern bestand, durch eine private Fernsehstation1 ergänzt. Zurückzuführen ist diese Liberalisierung auf die Globalisierung und den damit verbundenen Druck zu «good governance», denn die Pluralisierung des Medienangebots erlaubte es der Regierung, ihre Demokratiefortschritte gegenüber der internationalen Staatengemeinschaft nachzuweisen. Doch scheint sich die Regierung Diouf der Gefahren ihrer Medienpolitik für ihre eigene Rolle nur unzureichend bewusst gewesen zu sein. Im Allgemeinen werden die Gründe für die Wahl Abdoulaye Wades in der Lethargie des Regierungsstils, in der Korruption der Verwaltung, in der Langsamkeit der wirtschaftlichen Reformen, im Wahlsystem oder in der demokratischen Tradition gesehen. „The reason lies in the determination of the Senegalese people and their level of political sophistication“ (Doyle 2000), schreibt beispielsweise ein BBC-Korrespondent. Im Folgenden möchte ich dagegen die Rolle der Medien beleuchten und anhand von drei interdependenten Faktoren ihren entscheidenden Einfluss anführen.

Erster Faktor Informationsfunktion:
Im Gegensatz zu den Präsidentschaftswahlen von 1993 verfügten die Präsidentschaftskandidaten mit der privaten Presse und den privaten Radiostationen über eine ausreichend breite Plattform, um in der Öffentlichkeit ihre politischen Standpunkte und Images zu vermitteln. Mit dieser Präsenz konnte die Nichtbeachtung durch die staatlich kontrollierten Medien, zu nennen sind Télé Senegal, die Radiosender RTS Nationale und Dakar FM sowie die Tageszeitung Le Soleil, ausgeglichen werden.

Zweiter Faktor Agenda-Setting:
Die Opposition verfügte in den privaten Medien über eine ausreichende Präsenz, um eine öffentliche Diskussion über die Notwendigkeit eines politischen Wechsels auslösen zu können. Am Beispiel des Rundfunks und seiner Forumsfunktion lässt sich
dies verfolgen. Im Gegensatz zu den Printmedien und dem Fernsehen, die sich konzeptuell weitgehend an europäischen Vorbildern orientieren, hat der private Rundfunkt eigene Sendegefässe und Moderationstechniken so entwickelt, dass er Medienfunktionen auf eine Weise erfüllt, die einer Gesellschaft mit ausgeprägten oralen Bedürfnissen weitaus mehr entsprechen als dies noch zu Zeiten des staatlichen Radiomonopols der Fall war. Durch dieVerwendung der Umgangssprache Wolof als Sprache des Massenmediums Radio wird der Bevölkerungsmehrheit nicht nur ein umfassender Zugang zu Informationen, sondern auch die Möglichkeit gegeben, sich mittels massenkommunikativen Feedbacks einzubringen. Auf diese Weise nimmt das Radio eine Forumsfunktion wahr, indem es eine Plattform zur freien politischen Meinungsäusserung und – bildung bereitstellt. Diese Strategie äussert sich in interaktiven Sendungen, in denen ein Grossteil der Sendezeit auf Gespräche mit HörerInnen entfällt, die ihre Meinung zu einem von der Moderation vorgegebenen Thema kundtun oder ihren Beitrag zu einer aktuellen Diskussion liefern. Auf die Wahlen bezogen bedeutet dies, dass die RezipientInnen über die Leistungen der alten Regierung kontrovers diskutiert und ihre Hoffnungen gegenüber einer neuen Regierung, deren Wahlslogan „ Sopi“ (Wechsel) omnipräsent war, artikuliert haben.

Dritter Faktor Kritik- und Kontrollfunktion:
Die Ergebnisse ihres investigativen Journalismus veröffentlichten die unabhängigen Medien gezielt in der Schlussphase des Wahlkampfes sowie in der Zeitspanne zwischen der ersten Wahlrunde und der Stichwahl. Mit der Aufdeckung von Wahlbetrugsversuchen – wie zum Beispiel die Fälschung von Wahlkarten in Israel 2 – versuchten sie gezielt, den Wunsch nach einem politischen Wechsel in der Bevölkerung zu verstärken. Am Wahltag schickten die Radiostationen schliesslich JournalistInnen zu den Wahlbüros, um den Ablauf der Wahlen zu kontrollieren und erste Ergebnisse zu verbreiten. Diese Strategie wird seit den Kommunalwahlen von 1996 angewendet und trägt dazu bei, dass „die Möglichkeiten der Manipulation sehr eingeschränkt“ ( Heering 1999 : 5) sind. Unter diesen Umständen sah die Regierung keine Möglichkeit, das Wahlresultat nachträglich zu beeinflussen und erkannte zu spät, dass die eigene Medienpolitik die politische Macht untergraben hatte. Unter diesen Umständen blieb Abdou Diouf nichts anderes übrig, als die Wahl anzuerkennen und seinem politischen Gegner zum Sieg zu gratulieren. Die im Vorfeld der Stichwahl geäusserten Befürchtung, dass Diouf die Wahlen nicht anerkennen würde, erwies sich damit als gegenstandslos. “Some people have also argued that the democratic change depended ultimately on the goodwill of President Abdou Diouf, who graciously conceded defeat when it was clear that he had lost“ (Doyle 2000). Der politische Journalismus hat mit seiner Rolle untermauert, dass er nicht nur Terminjournalismus betreibt. Denn die Determinierungsversuche durch Staatsverwaltung, Parteien, internationale Organisationen, diplomatische Vertretungen und Wirtschaftsunternehmen, die täglich eine grosse Anzahl von mediatisierten Ereignissen wie Staatsempfänge, Gebäudeeinweihungen, Ausstellungs- und Kongresseröffnungen, Vorträge oder Pressekonferenzen veranstalten, stellen nach Heike Heering (1999 : 8f) eine grosse Versuchung für den Journalimus dar. Die Rolle der Journalisten und Journalistinnen pflegt sich in diesen Fällen weitgehend auf die wörtliche Wiedergabe der verlautbarten Informationen zu beschränken.

Abschliessend möchte ich einen Blick auf das Verhältnis zwischen den Medien und der neuen Regierung werfen. Die Medien haben bereits wenige Wochen nach der Wahl klar gemacht, dass sie auch gegenüber der neuen Regierung eine Kritik- und Kontrollfunktion wahrnehmen werden: Sie kritisierten nicht nur Abdoulaye Wades Aufgabe von Wahlversprechen, sondern sprachen sie sich auch vehement gegen sein Vorhaben aus, das Erscheinen der von der ehemaligen Regierung kontrollierten Zeitung Le Soleil vorerst einzustellen. „Mr Wade [...] suggested that the state-owned newspaper, Le Soleil, which he has accused of partisanship, should be suspended while a new role for it was thought out“ (BBC 2000c). Diese Tageszeitung hat sich mittlerweile unter einem neuen Direktor in der politischen Mitte positioniert und findet mit ihrer neuen Service-public-Funktion eine breite Anerkennung unter der lesenden Bevölkerung.

Darüber hinaus gab es in der Zwischenzeit bereits erste Konflikte mit der Pressefreiheit. Die Tageszeitung Le Matin sowie die Wochenzeitung Le Témoin sind wegen Beleidigungen des Staatschefs und Verbreitung falscher Informationen angeklagt und verhört worden. Dieses Kräftemessen, bei dem allerdings die grundsätzliche Kritik- und Kontrollfunktion der Medien nicht in Frage gestellt wird, fand in der Bereitschaft der Regierung, die Klagen zurückzuziehen, ein vorläufiges Ende. Vom 29. September bis 1. Oktober 2000 wurde eine Konferenz mit Teilnehmern aus Medien, Politik, Gewerkschaft, Konsumentenorganisationen und Armee abgehalten, um über die Situation im Allgemeinen und eine Reform des Medienrechts im Besonderen zu diskutieren. «Les recommandations faites au cours de ces assises tendent vers une profonde réforme de la loi sur la presse» (Diouf 2000 : 2). Es bleibt zu hoffen, dass das bei der Konferenz gegründete Komitee zu einer Entspannung des Verhältnisses führt und seinen Beitrag zur noch nicht vollzogenen Liberalisierung des privaten Fernsehens leisten wird.

1 Es handelt sich dabei um eine konzessionierte senegalesische Filiale des frazösischen Privatsenders Canal Horinzons.

2 Neben dem Versuch „to massage the results through the use of doctored voting cards“ (BBC 2000a) wurde der Regierung auch vorgeworfen, dass sie „the country’s voting register“ (BBC 2000b) manipuliere.

Bibliographie
BBC 2000a, Senegal launches campaign for presidency,
http://www.news.bbc.co.uk/hi/english/world/africa/newsid_633000/633157.stm (06.02.2000).
BBC 2000b, Senegalese Government, rigging election
http://www.news.bbc.co.uk/hi/english/world/africa/newsid_649000/649088.stm (19.02.2000).
BBC 2000c, Senegalese president attacked by press
http://www.news.bbc.co.uk/hi/english/world/africa/newsid_704000/704326.stm (06.04.2000).
DIOUF, Mansour
2000, La Presse plaide pour les changements en profondeur, cité in: MédiActu,
http://www.panos.sn/actus/index.html (7.10.2000).
DOYLE, Mark 2000, Senegal: Where democracy was the winner,
http://www.news.bbc.co.uk/hi/english/world/africa/newsid_686000/686001.stm (21.03.2000).
HEERING, Heike 1999, Neue Sender - Neue Meinungsvielfalt? Senegal vom 5.1. bis 2.4.1999 (unveröffentlichter
Bericht zu Händen der Heinz-Kühn-Stiftung).

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Die Zeit Nr 42

Der Start-up-Kommunist
Frankreichs neuester Internet-Millionär ist ein illegaler Einwanderer aus dem Senegal

Auf Abubacer Diop könnte selbst Gustav Gans neidisch werden: wird über Nacht zum Millionär, weil sich ein Großunternehmen einen Fauxpas leistet. Jetzt verteilt der Senegalese mit dem Geld Geschenke an die illegalen Einwanderer in Frankreich. Schließlich war er noch vor kurzem ihr Sprecher. Seiner Partei, dem Parti Communiste, spendete er 20 000 Franc. Das ist in Anbetracht der acht Millionen, die dem 31-Jährigen aus heiterem Himmel in den Schoß fielen, nicht besonders viel. Die kommunistische Tageszeitung L'Humanité hält seine Geschichte nichtsdestoweniger für ein "Märchen", für zu schön, um wahr zu sein.
Für den Mediengiganten Vivendi ist die Geschichte eher ein Albtraum. Insgesamt 24 Millionen Franc musste der Konzern an Abubacer und seine beiden Kompagnons zahlen. Denn die Firmenmanager hatten sich nach langem Tüfteln auf den Namen Vizzavi für ihr neues, hypermodernes Interface aus TV, Handy und Internet versteift.
Dagegen wäre nichts einzuwenden gewesen, hätte Abubacer nicht kurz zuvor ein "Cyber-Café der Menschenrechte" namens vis@vis gegründet. Da sich beide Internet-Firmen im Französischen gleich aussprechen, trat das französische Patentamt auf den Plan und verbot Vivendi, den Namen Vizzavi zu tragen, es sei denn, man einigte sich mit vis@vis.
So klingelte am 13. Mai dieses Jahres im Cyber-Café des senegalesischen Jungunternehmers das Telefon. Ein Tag, den Abubacer nicht so schnell vergessen wird. "Erst haben die uns nach langem Hin und Her eine Million Franc angeboten", erinnert er sich. Mit freundlicher Bestimmtheit steigerte er den Preis dann auf 7, 16, schließlich auf 24 Millionen Franc, etwa 8 Millionen Mark. "Eine Art Revolutionssteuer" nennt Abubacar das Geld heute und grinst.
Ein zweites Mal hatte er Glück gehabt. Denn Vivendi stand unter enormem Zeitdruck. Die Werbetrommel für die brandneue Technik sollte in wenigen Tagen in der ganzen Welt anlaufen. Schnell mussten klare Verhältnisse geschaffen werden. Das nutzte Abubacer aus. Verkauft hat er natürlich nicht. Man einigte sich auf einen "Koexistenzvertrag". Erst Anfang kommenden Jahres will er die Marke für mindestens 100 Millionen Franc im Internet versteigern. Noch Ende vergangenen Jahres hatte er einen Antrag auf Sozialhilfe gestellt. Bis heute hat er keine Antwort darauf erhalten. Stattdessen wird er wohl als erster ehemaliger Einwanderer ohne Aufenthaltsgenehmigung Vermögenssteuer zahlen müssen.
Rein äußerlich ist ihm sein plötzlicher Reichtum nicht anzusehen. Er trägt eine Jeans und ein blaues T-Shirt. Nur die silberne Uhr, die ihm am Armgelenk schlackert, und die Mokassins scheinen neueren Datums zu sein. Ein Auto, eine eigene Wohnung hat er nicht, sagt er. Nicht einmal eine Sekretärin. Deswegen beantwortet er alle Anrufe selbst, und das sind einige. Sein Handy scheint ihm wie ans Ohr gewachsen. Geht er zur Toilette, kommt er telefonierend zurück. Gerade melden sich Schüler aus einem Pariser Vorort, die von ihm einen Basketballplatz spendiert bekommen wollen. "Das ist ein bisschen teuer. Ich will ja nicht den guten Samariter spielen", kommentiert er.

Armut ist schwierig, aber reich sein ist auch nicht leicht
Zurück am Schreibtisch, spricht er dann gleichzeitig übers Mobil- und Festnetz, notiert währenddessen Zahlen auf herumliegenden Papierschnipseln, rechnet nach und korrigiert. Derweil läuft das Fax voll. Nur unwillig spuckt es die gespeicherten Blätter wieder aus. Wenn mal einen Augenblick Ruhe herrscht, sagt Abubacer Sätze wie: "Millionär und Kommunist zu sein bedeutet nicht, sich auf die faule Haut legen zu können." Oder: "Ohne Geld war es schwierig, aber welches zu haben ist auch nicht leicht." Wieder klingelt das Telefon. Diesmal ist das Fernsehen dran. Ob er nicht mit Julio Iglesias und einigen französischen Stars nächste Woche in eine Talkshow kommen wolle? Erst gestern war er auf France 3 zu sehen. Daraufhin beglückwünschte ihn heute Morgen im Bus eine Frau, als er von der Nationalratssitzung der PCF zurückfuhr. Er habe "viele neue Freunde" gewonnen,erzählt er. Zu Hause im Senegal, wo er gerade zwei Wochen verbrachte, luden ihn auf einmal Leute ein, die ihn früher gemieden hätten. Denn er will dort einiges investieren. In Dakar plant er, ein Gästehaus zu eröffnen, in dem man für 15 Mark übernachten kann. Das soll Franzosen dazu bringen, seine Heimat zu besuchen. Außerdem hat er vor, preiswerte "Freundschaftsflüge" zwischen Frankreich und dem Senegal zu organisieren.
Abubacer hatte bisher kaum Zeit, darüber nachzudenken, ob ihm das Ganze nun märchenhaft vorkommen soll oder eher unheimlich. "Ich fühle mich schon wohler", sagt er. Aber irgend etwas wurmt ihn. Was ist los? "Meine beiden ehemaligen Geschäftspartner haben sich nicht an den Vertrag gehalten. Jetzt gehe ich gerichtlich gegen sie vor", erzählt er schließlich. Anfangs habe er die beiden Journalisten nur gebeten, sich an seinem Geschäft zu beteiligen, weil er es mit seiner auf ein Jahr begrenzten Aufenthaltsgenehmigung nicht allein aufziehen durfte. "Doch jetzt machen die mir mit meiner eigenen Idee Konkurrenz." Sie gründen eigene Cyber-Cafés, in denen man per Bildschirm kostengünstig übers Internet telefonieren kann. Ursprünglich dachte Abubacer dabei vor allem an Einwanderer. Sie können auf diese Weise ihre daheim gebliebenen Kinder, Eltern, Verwandte oder Freunde nicht nur sprechen, sondern auch sehen. Man sitzt sich ja gewissermaßen gegenüber, daher der Name vis@vis.
Wie der Zufall es wollte, fand er einen Platz für sein Cyber-Café direkt gegenüber der Saint-Bernard-Kirche im 18. Pariser Arrondissement. Diese Kirche gilt den illegalen Einwanderern in Frankreich noch heute als Symbol. Denn im August 1996 hatten sich viele von ihnen in den heiligen Gemäuern verschanzt, um sich vor einer Abschiebung zu schützen, bis die Polizei das Gebäude evakuierte.
Abubacer war damals dabei. Ein Jahr später bekam er, wie es in Frankreich schubweise üblich ist, mit vielen anderen eine Aufenthaltserlaubnis und veröffentlichte danach das Buch In der Haut eines illegalen Einwanderers.
Was er damals als Wunsch formulierte, kann er jetzt verwirklichen. Gerade kaufte er 25 Wohnungen im Pariser Norden, die er günstig an die so genannten sans-papiers vermietet. "Ohne Papiere" haben die Einwanderer in der Regel keine Chance, ein Zimmer zu bekommen. Von den Mieteinnahmen führt Abubacer zudem zehn Prozent an eine Hilfsorganisation ab. In 10, 20 Jahren will er die Immobilien wieder verkaufen. Außerdem plant er, Kleinkredite an jene zu vergeben, die ein Unternehmen gründen wollen. Anfang kommenden Jahres will er dazu eine "Bank für sans-papiers" ins Leben rufen. Auf die Genehmigung dafür wartet er noch.
Dort, wo jetzt sein Büro ist, entsteht gerade sein zweites "Cyber-Café der Menschenrechte". Im Moment sieht es noch aus wie eine Baustelle. Wenn alles fertig ist, sollen seine Freunde von hier aus mehr als nur Videokonferenzen wie an der Saint-Bernard-Kirche abhalten können. Abubacer will zusätzlich Gerichte zu fünf bis sechs Mark anbieten, Computerschulungen durchführen und Rat zu Rechts- und Gesundheitsfragen geben. Auch Mitbringsel aus dem Senegal will er im Internet versteigern.
Der Erlös soll der Getränkekasse der Polizei des Viertels zugute kommen. "Damit die sehen, dass wir ganz normale Typen sind", erklärt Abubacer. Normal?
               Michael Kläsgen

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