Das besprochene
Tabu
Im afrikanischen Senegal wird immer offener über Aids geredet
VON LOUISE BROWN (DAKAR)
Die Warnung liegt gleich neben dem Tresen: "Wissen heißt handeln"
steht auf der Postkarte zum Mitnehmen in der kleinen Bar La Sarraut im senegalesischen
Dakar. Hier, wenige Meter von einer belebten Straßen, wo Kinder neben
schlafenden Ziegen spielen und junge Frauen im buntgemusterten Dress Blumen
anbieten, sitzt eine Gruppe westeuropäischer und senegalesischer Geschäftsmänner.
Unter einem sich träge drehenden Ventilator drückt sich ein schmaler,
junger Man im weißen T-Shirt und blauen Jeans in den Frühabendschatten.
Cheikh ist 32 Jahre, Moslem und schwul.
Kondome gibt's am Tresen
Dass Postkarten mit dem Thema Aids offen in einem islamischen
Land ausliegen, das ist Cheikh nur ein Schulterzucken wert. Das Thema habe längst
den senegalesischen Alltag erreicht. Zuletzt gab es im Fernsehen eine weitverbreitete
Kampagne zur Aufklärung über HIV, dem Virus, der vor 25 Jahren entdeckt
wurde und mit dem heute 40 Millionen Menschen infiziert sind. Freunde und Kollegen
würden ebenso darüber reden; Kondome seien, gleich vorne am Tresen,
in den Apotheken zu bekommen.
Willkommen im Senegal: Neben den schweren Abgaswolken, die
sich morgens mit dem rot-braunen Staub Senegals vermi- schen, und dem Dauerverkehr
Dakars scheint allein der Kontrast die einzige Konstante in dem westafrikanischen
Land zu sein. Im Senegal ist Aids ein offenes Thema; offiziell existiert Homosexualität
hier aber nicht. Frauen laufen am Tag, Kopf und Busen stolz erhoben, in enganliegenden
Hosen und schmalen Tops wie westeuropäische Teenager nur bei Nacht herum,
nach wie vor aber haben in den Familien allein die Männer das Sagen. Nachts
brummt es in den Bars und Restaurants in Dakars engen Gassen, einer Stadt, die
berühmt für ihre lebendige Kunst und Musik-Szene ist. Am frühen
Abend, wenn die Sonne wie ein schwerer Feuerball noch ein letztes Mal seine
Kraft am Horizont beweist, knien sich Junge und Alte auf den Bürgersteigen
in den Staub: Der Senegal ist zu 95 Prozent muslimisch.
Allein deswegen ist die Tatsache, dass für Prävention
und Behandlung im Senegal offen geworben wird, schon ein Fortschritt. Gerade
in der muslimischen Welt wird das Thema gerne verschwiegen. Schaut man sich
die offiziellen Zahlen der HIV-Infizierten in muslimischen Staaten auf dem afrikanischen
Kontinent an - Marokko etwa mit 0,1 Prozent, Senegal mit 0,7 Prozent - scheinen
diese Länder auf dem afrikanischen Kontinent gegenüber ihren Nachbarn
südlich der Sahara geradezu immun gegen den Virus zu sein. Viele Menschen
in den muslimischen Staaten Afrikas glauben genau das: HIV werde nie ein Problem
dort sein, sagen sie, da Homosexualität, Prostitution und Drogenmissbrauch
nicht mit dem muslimischen Glauben vereinbar sind.
Homosexualität weit verbreitet
Doch gerade hier spiegelten die offiziellen Zahlen nicht die
Realität wider, sagt Hakima Himmich, Präsidentin der marokkanischen
L'Association de lütte contre le sida, ALSC, (Gesellschaft für den
Kampf gegen Aids): In Marokko gäbe es viele HIV-Infizierte, die von ihrem
Schicksal gar nichts wüssten.
Grade bei den Frauen sei dies, etwa wenn sie von ihren Männern
unwissentlich angesteckt werden, ein großes Problem, sagt Gabriel Diouf,
ein hochgewachsener, junger Senegalese, zuständig für die Koordination
der Aids-Projekte bei der deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit
in Dakar. Durch Untersuchungen habe er feststellen müssen, dass Homosexualität
im Senegal sehr verbreitet sei. Meist handele es sich um Familienväter,
so Diouf, die ihre Bisexualität nicht preisgeben wollten.
Gerade in den Randgebieten Senegals, wo es zu immer mehr Migration
kommt, sei die Gefahr der HIV-Verbreitung besonders groß, sagt Gabriel
Diouf. Zwischen zehn und 15 Prozent reichten die HIV-Infektionsraten in Gebieten,
in der Prostitution verbreitet sei, bestätigt N'deye Fatou Ngom Gueye,
Ärztin im Hospital von Fann, einem Stadtteil Dakars. Bei den Homosexuellen
könne die Prävalenzrate - der Anteil der Infizierten an der Bevölkerung
- bis zu 20 Prozent betragen: Zahlen, die mehr an Länder südlich der
Sahara erinnerten. Seitdem die Regierung kostenlose Behandlung eingeführt
hat, sei die Infektionsrate von 1,4 Prozent auf niedrige 0,7 Prozent gesunken,
doch seien gerade diese Risikogruppen die potenziellen Zeitbomben der Zukunft,
so Ngom Gueye.
„3,6 Millionen Kondome wurden bis September dieses Jahres
von Senegals Männern benutzt", steht im Hospital von Fann geschrieben.
Auch im Senegal muss noch viel beim Thema Aufklärung getan werden. Noch
immer präsentieren viele Regierungen Afrikas Zahlen, die die wirkliche
Lage nicht repräsentieren. Vor allem die Verschwiegenheit, so Gabriel Diouf,
müsse in diesen Ländern bekämpft werden. Auch im senegalesischen
Alltag gibt es Nachholbedarf: Kondome seien auf dem Lande für die weitgehend
mittellosen Frauen viel zu teuer; viele Männer würden aus religiösen
Gründen noch immer die Nutzung von Kondomen scheuen. Doch sehe er gerade
in der Religion eine Chance, die Verbreitung von Aids in Zukunft zu bekämpfen.
Immer mehr Organisationen wie seine arbeiteten mit religiösen Kreisen zusammen.
Tatsächlich; Im Senegal reden selbst muslimische Imame
schon über Verhütung; katholische Gruppen verteilen Präservative.
Auch Ngom Gueye setzt Hoffnung, vor allem in die junge Bevölkerung Senegals.
Gerade ihre Generation würde über Aids reden.
Fortschritte gibt es auch im schwulen Milieu Dakars, sagt
Cheikh. Aids sei in der Bevölkerung längst kein Tabu mehr. Ob re selbst
einen Aids-Test gemacht hat? Na klar, lächelt der Senegalese. Natürlich
nicht weil er ungeschützten Sex hatte, sondern nur um seine Blutgruppe
herauszufinden.
FR, 20.1.2007
Mut zur Lücke
Winken, rufen, springen: Unterwegs auf den Straßen von Dakar, wo in wenigen
Tagen die Rallye-Teilnehmer erwartet werden VON LOUISE BROWN
Die eigentliche Rallye beginnt vor dem weißen Prachtbau des Präsidentenpalastes,
und zwar jeden Morgen. Dann rauscht der Frühverkehr von Dakar mal auf fünf,
mal auf sechs Spuren um den Platz, zwängt sich von hier durch die engen
Gassen der Stadt.
Gackernd suchen aufgeschreckte Hühner Zuflucht in schattigen Hauseingängen.
Hupend, krachend, quietschend sammelt sich eine Wägenkolonne in der belebten
Avenue Pompidou. Hier werden in wenigen Tagen die Sieger der berühmten
Dakar-Rallye einziehen. „Rallye Dakar?" lacht Taxi-Fahrer Amadou,
während er sein Gefährt in Lücken steuert, die nur er sieht.
„Die Rennfahrer sollten mal versuchen, es mit dem Stadtverkehr aufzunehmen!"
Willkommen in Dakar, Hauptstadt des Senegal. In der westafrikanischen Stadt
scheint das Leben allein auf der Straße stattzufinden. Großfamilien
versammeln sich zum Frühstück auf rotsandigen Bürgersteigen.
Frauen stehen schwatzend an verstopften Kreuzungen. Beim Wasserverkäuferreiben
sich junge Bauarbeiter den Schlaf aus den Augen und schlürfen das erste
Wasser des Arbeitstages - stets umgeben von lärmenden Autos.
„Europäischste Stadt Afrikas"
Drei Millionen Menschen leben in Dakar, die manchem Reisenden als „europäischste
Stadt Afrikas" gilt. Tatsächlich erinnert vieles an eine staubige
Stadt im Süden Italiens: die breiten, mit Bäumen gesäumten Boulevards
und schattigen Kolonnaden, in denen sich schmale Kunstgeschäfte an kühle
Lebensmittelläden und historische Apotheken reihen. Der schneeweiß
gestrichene Bahnhof überragt eine belebte Straßenkreuzung, Palmen
wiegen sich im Morgenwind vor Dakars zahlreichen rot-braunen Kolonialbauten.
Und zu Füßen der Stadt liegt ein perlmuttfarbenes Meer. Nur der Verkehr,
der bleibt nie stehen: „Dakar schläft nicht", sagt Taxifahrer
Amadou.
Schon am Morgen gleicht die Avenue Pompidou einer überfüllten Autobahn:
zerbeulte Kleinbusse, ungeduldige weiße Landrover, gelb-schwarze Taxis
schieben sich über Dakars Hauptboulevard – Amadous Gefährt mittendrin,
um neun brennt die Sonne bereits heftig herunter. Fahrer Amadou aber steht noch
kein Tropfen Schweiß auf der Stirn. Wie ein König thront er im blau-gelben
Gewand über seinem Reich. Seinen Wagen ziert an der zerbeulten Seitentür
eine winzige, akkurat gepinselte Blume: Ein gemalter Glücksbringer, auf
den fast kein Taxifahrer hier verzichtet, sei es eine einzelne rote Rose oder
ein winziges buntes Auto.
Trotz des Trubels: Auch für den Fremden ist die allgegenwärtige Gelassenheit
auf den Straßen von Dakar spürbar. Stattliche, hochgewachsene Frauen
stolzieren in bunte Kleidern über die sandigen Bürgersteigen. Manche
offerieren Passanten lediglich enen welken Strauß Blumen. Entlang Dakar
einziger, stets verstopfter Zufahrtstraße biten Marktverkäufer auf
wackeligen Holzkonstruktionen Gemüse oder gebrauchte Autoreifen an. Und
zwischen allen und allen schlängeln sich die „Cars Rapides",
Dakars Kleinbusse, aus Indien importiert und blau-gelb-weiß bemalt. Mit
ihnen kommt man in Dakar am besten herum - wenn man weiß, wohin die bunten
Kisten fahren. Das bekommt man heraus, indem man dem Jungen, der hinten am Bus
hängt, zuwinkt und ihm sein Wunschziel hinterher ruft. Auch das Aussteigen
aus einem „Car Rapide" ist nicht so leicht. Der Fahrer hält
nur an, wenn ein Gast laut genug an die Wand klopft.
Dakars lebendige
Musik- und Kunstszene ist nicht zu überhören oder -sehen. Oberall
in den Gassen verstecken sich Galerien; auf der nahe gelegenen, ehemaligen Sklaveninsel
!le de Goree schlafen und arbeiten Künstler in zerfallenen Kolonialbauten
unter freiem Himmel. Dennoch ist Senegal als Urlaubsziel unter euopäischen
Reisenden wenig bekannt. Touristen begegnet man in Dakar selten - auch, wenn
fast jeder das berühmte Autorennen kennt.
Für abenteuerlustige Rallyefahrer besitzt Senegals Wüstenboden unvermindert
eine starke Anziehungskraft. Und das, obwohl schon im ersten Jahr 1978 von 170
Teilnehmern gerade einmal 70 das Ziel erreichten. Die Etappen sind bis zu 800
Kilometer lang, einige davon recht gefährlich. Auch in diesem Jahr gab
es unter den Fahrern bereits einen Todesfall. Citroen 2CVs und Rolls Royce haben
es auf Senegals felsigem Boden versucht. Zu den Mitstreitern gehörten der
monegassische Prinz Albert und seine Schwester Caroline. Unvergessen bleibt
die Episode mit Politikersohn Mark Thatcher, der in einen Hinterhalt geriet
und erst nach drei Tagen von der britischen Armee befreit werden konnte.
Am Abend wartet Taxifahrer Amadou vor dem „Sofitel Teranga". In der
Poolbar des Fünf-Sterne-Hotels treffen sich Dakars ausländische Besucher
zum Drink vor dem Dinner. An diesem Abend sind es vor allem Geschäftsleute
und ihre Familien: Soeben sei der marokkanische König samt Delegation eingetroffen.
Ein Geschäftsmann sinniert über das mögliche Tourismus-Potenzial
der Stadt - schließlich sei Dakar durch die Rallye in der ganzen Welt
ein Begriff. Allerdings: Rallye-Fahrer wird er im „Sofitel" nicht
zu sehen bekommen, wenn diese am 22. in der Stadt eintreffen. Die Motorsportler
ziehen das exklusivere, am Strand nördlich von Dakar gelegene Luxus-Hotel
„Meridien" vor. Eine Nacht werden sie dort bleiben, bevor siesich
zur letzten Etappe und dann zur Abschlussfeier an Senegals Lac Rose versammeln,
dem von Algen rötlich gefärbten See 30 Kilometer von der Hauptstadt
entfernt.
Im Schritttempo fährt Amadou am Abend an beleuchteten Bars vorbei durch
die Stadt. Junge Frauen in engen Tops und weißen Jeans stehen am Straßenrand
und schwatzen. In den Restaurants wird das senegalesische Gazellenbier kaltgestellt.
Um diese Zeit gehören die Straßen auch den Läufern: Unbekümmert
joggen junge Männer durch den Qualm des stehenden Abendverkehrs. Am Strand
vor der Stadt üben sie Kniebeugen und bereiten sich auf das allabendliche
Fußballtraining vor. Wer Amadou nach seiner Vorstellung von Europa fragt,
der bekommt zu hören: „Manchester United!"
Vor dem „Cafe4You" verabschiedet sich Amadou. Er hat noch eine lange
Fahrt vor sich, durch dunkle Wüstenstraßen zu seinem Heimatdorf im
Norden Senegals. Im Cafe trommelt sich eine vielköpfige Band warm - hier
spielen auch international bekannte senegalesische Musiker wie Youssou N'Dour
und Thione Seck. Hier, wie nachts überall in Dakar, brummt es zu den Beats
derMbalax, dem pulsierenden Rhythmus Senegals. Übertroffen nur von der
Kakophonie des Autoverkehrs, die in ein paar Stunden wieder über die Stadt
herein-
bricht.
DAKAR UND DIE RALLYE
Rallye Dakar: 525 Teilnehmersind derzeit auf der 8700 Kilometer
langen Reise von Lissabon nach Dakar. Die Tour begann am 6. Januar und dauert
16 Tage. Infos im Internet: www.dakar.com/indexus.html;
einen Live-Kommentarzu jeder Etappe bietet u.a. das Online-Motorsport-Magazin
www.adrivo.com.
Anreise: Mit Condor direkt Frankfurt a. M. - Dakar, ab etwa
300 Euro, Flugdauer fünf Stunden.
Unterkunft: „Hotel Sokhaman", modern-modisches Hotel
mit afrikanischem Flair, Doppelzimmer ab 70 Euro, Tel. 00221 /889/71 00,
Internet: www.hotelsokhaman.com.
Verkehrsmittel: Eine kurze Fahrt mit einem Taxi kostet 1000
CFA (ca. 1,5 Euro), zum Flughafen sind es 4000 CFA. Ein besonderes Taxi-Unternehmen
gibt es nicht, aber es lohnt sich, wenn man ein weniger zerbeultes Gefährt
und einen zuverlässigen Fahrer gefunden hat, ihn wieder zu bestellen. Siestehen
immer pünktlich am verabredeten Platz.
Gesundheit: Geimpft sein sollte man gegen Gelbfieber, Typhus,
Hepatitis A und B sein. Wichtig ist eine Malaria-Prophylaxe.
Auskunft: Botschaft von Senegal, Dessauerstr. 28/29,10963 Berlin,
Tel. 030/85 62 190, Internet: www.botschaft-senegal.de. Aktuelle Hinweise zu
lokalen Veranstaltern und Transportunternehmen im Internet unter www.au-senegal.com.
FR, 20.1.2007
Friedensarbeit und Menschenrechte in der Casamance
Anstehende Wahlen werden mitunter auch auf Nebenschauplätzen entschieden,
mindestens aber von ihnen beeinflusst. Im Süden Senegals gelegen, vom Nordteil
des Landes durch die Enklave Gambia abgeschnitten, ist die Casamance ein ständiger
Unruheherd. Der seit einigen Jahren befriedet geglaubte Separatistenkonflikt
ist erneut aufgeflammt. Seit Jahresende mehren sich wieder Überfälle
und Angriffe, die von Beobachtern als Störmanöver gegen die Präsidentschaftswahlen
am 25. Februar gesehen werden. Der Casamance-Konflikt blickt in sein 25. Jahr.
Zum Jahreswechsel wurde der Präsident des Regionalrates, das Mitglied des
Direktionskomitees der Regierungspartei PDS, Oumar Badji nahe Ziguinchor auf
grausame Weise ermordet. Allein im Dezember wurden mehrere Gendarmen und Post-Inspektoren
ermordet, mehr als 20 Soldaten getötet oder verwundet. Bereits am 15. und
16. März 2006 hatte die Gewaltserie durch die Bombardierungen der Luftwaffe
Guinea Bissaus auf senegalesische Rebellenstützpunkte im grenznahen Raum
und in der Casamance - also auch auf senegalesischem Grund und Boden begonnen.
Seitdem wurden Reisebusse und Autos in der Region immer häufiger angegriffen
und ausgeraubt (mitunter bis zu sechs Attacken wöchentlich). Nach wie vor
gibt es ständig Minenopfer in der Region zu beklagen. Die einst provisorisch
angelegten Militärkontrollpunkte an Stadtein- und ausgängen oder vor
und nach Brücken sind in diesem Jahr fest betonierten massiven Bunkeranlagen
gewichen. Kanonenboote liegen ebenso im Hafen von Ziguinchor vor Anker wie Minenräumboote
marokkanischer Truppen. Das Ansteigen der Gewalthandlungen in der südlichen
Region Casamance ist indes paradigmatisch für die Bedrohung des sozialen
Friedens im ganzen Land. Die Regierung Wade hatte vor Jahren versprochen, den
Konflikt zu lösen und die Befriedung der Casamance voranzutreiben. Gespräche
mit den Rebellenführern wurden geführt, Friedensabkommen unterzeichnet
und trotzdem hält der Konflikt an und hat zugenommen. Ursache ist zum einen
die Tatsache, dass die Rebellenbewegung in sich gespalten ist und dass die Regierung
Abkommen stets mit dem nicht militanten Flügel aushandelt. Wenig bekannt
ist, dass der militante Flügel indes in tausende Kleinsteinheiten aufgeteilt
ist (ca. 400 Einheiten mit (5 – 7 Mann) + 15 000 zivilen Sympathisanten
und 40 000 ruhenden Waffenbrüdern in Guinea Bissau. Eine solche Bewegung
zu befrieden, ist schwer. Wirtschaftliche Interessen wie Drogen- und Waffenhandel
oder seit neuem illegale Kleinstwaffenproduktion verhindern zudem, dass der
Frieden in der Casamance einkehrt. Umso wichtiger ist die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen
und Menschenrechtsgruppen, um an der Basis der Bevölkerung für Friedenserziehung
und Konfliktprävention zu sensibilisieren.
Quelle: http://www.kas.de/proj/home/pub/26/1/year-2007/dokument_id-10136/index.html
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Vor den
Präsidentschaftswahlen im Senegal
Verheerende Bilanz für Amtsinhaber Wade.
von Jan Tussing
Bei den Präsidentschaftswahlen im Senegals am Sonntag wird der 80-jährige
Amtsinhaber Wade erneut antreten. Kritiker attestieren ihm eine verheerende
Bilanz: Die Hauptstadt Dakar erstickt im Dreck, die Regierung versinkt in der
Korruption, 80 Prozent der Abgeordneten sind Analphabeten.
Wer während des Berufsverkehrs mit dem Taxi durch Senegals Hauptstadt Dakar
fährt, sieht das Elend: Riesige Löcher, zahllose Baustellen, ein unbeschreibliches
Verkehrschaos. Menschen schlafen in Lumpen auf dem Boden neben Ziegen und Hühnern.
Eine unerträgliche Luftverschmutzung macht den Bürgern der Hauptstadt
das Leben schwer. Dakar erstickt im Dreck und steuert auf einen Verkehrsinfarkt
zu. Um sich am Ende seiner Amtszeit noch zu profilieren, hat der senegalesische
Präsident Abdoulaye Wade mehrere Großprojekte gleichzeitig begonnen
und damit Dakar zum Stillstand gebracht.
"Ich werde ihn nicht wählen", sagt eine Studentin. "Er uns
zu sehr enttäuscht. Er hat nur Versprechungen gemacht und nicht gehalten."
Sie werde gar nicht wählen, sagt die junge Frau, "ich finde keinen
idealen Kandidaten."
Land weiter heruntergewirtschaftet
Dakar ist Symbol für den Zustand des Landes. Sieben Jahre stand Präsident
Abdoulay Wade an der Spitze der einstigen Vorzeigedemokratie Westafrikas. Damals
im Jahr 2000 war er der Hoffnungsträger der Jugend. Wade sollte die verhasste
Vorgängerregierung unter dem Sozialisten Diouf ablösen. Stattdessen
wirtschaftete er das Land nur weiter herunter, sagt Thanor Dien. Der 65-Jährige
ist Präsidentschaftskandidat der sozialistischen Partei Senegals und könnte
der nächste Staatschef des Landes werden. "Wir müssen das Land
wieder auf den richtigen Weg bringen. Es ist völlig entgleist. Das liberale
Regime hat die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Errungenschaften total
zerstört."
Die Bilanz der Regierung Wade ist verheerend: Die Wirtschaft stagniert. Rund
25 Prozent aller Menschen sind arbeitslos. Der Tourismus ist eingebrochen, einige
große Unternehmen sind pleite gegangen. Mit drei Prozent hat der Senegal
eine der niedrigsten Wachstumsraten des Kontinents, und das, obwohl das Land
mit 100 Dollar pro Kopf am meisten von allen Staaten subventioniert wird. Noch
schlimmer aber ist die politische Bilanz der Regierung Wade. Der Präsident
habe die Vetternwirtschaft im Senegal perfektioniert sagt der regimekritische
Journalist Abdou Latif Coulibaly: "Nur drei Prozent von 120 senegalesischen
Abgeordneten haben eine Studienabschluss. 80 Prozent der Abgeordneten können
kaum lesen. Sie sind die politischen Akteure und sie haben die Demokratie als
Geisel genommen."
Posten-Verschachern im Vetternstaat
Die Demokratie als Geisel. Damit meint Coulibaly das Verschenken von Pöstchen
an Freunde und Verwandte. Er beschuldigt Wade, alle wichtigen Stellen mit hörigen
Lobbyisten zu besetzen. Die dürfen sich munter bereichern und aus Dankbarkeit
reden sie dem Präsidenten nach dem Mund. Eine Hand wäscht die andere
im Vetternstaat Senegal. "Korruption ist ein wichtiges Element, aber es
nicht das wichtigste", sagt Coulibaly. "Nehmen wir zum Beispiel das
Parlament: Das Parlament beschließt Gesetze. Aber wenn viele Abgeordnete
fast Analphabeten sind, wie sollen sie die Gesetze verstehen, die sie verabschieden?"
"Senegal ist kein demokratischer Staat mehr"
Der senegalesische Präsident hat die kleine westafrikanische Demokratie
auf seine ganz persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten. Der mittlerweile
über 80-jährige Wade denkt nicht im Traum daran abzudanken. Er will
sich für die Präsidentschaftswahlen am 25. Februar auch ein sechstes
Mal aufstellen lassen. Seine Kritiker lässt er auf Demonstrationen von
Sicherheitskräften zusammenprügeln.
Mustapha Niass, ebenfalls Präsidentschaftskandidat, sagt:"Senegal
hat aufgehört, ein demokratischer Staat zu sein, bereits im zweiten Jahr
von Präsident Wade. Er weiß es selbst." Der 65-Jährige
ist Chef der AFP, der Vereinigten Kräfte für den Fortschritt. Auf
einer friedlichen Demonstration am Anfang des Monats wurde er - wie auch viele
andere Oppositionelle - von der Polizei geschlagen, festgenommen und auf einer
Wache stundenlang verhört. Die Senegalesen sind schockiert. Zum ersten
Mal eskaliert die Gewalt in Dakar. Und für die Wahlen am Sonntag befürchten
Beobachter das Schlimmste.
Maulkorb für Kritiker des Präsidenten
Es herrscht Resignation. Alle Menschen haben die Nase voll. Präsident Wade
legt Kritikern mehr und mehr einen Maulkorb an. Proteste gegen die Regierung
werden mit Gefängnis bestraft. Demonstranten werden unterdrückt, Konkurrenten
eingeschüchtert. Viele Studenten wollen, dass er geht. "Einen Schlimmeren
als Wade findet man nicht", sagt eine Studentin.
Unbeobachtet und abseits der internationalen Gemeinschaft brauen sich dunkle
Wolken über dem Himmel Senegals zusammen. Auch die Medien und die Opposition
schaffen es nicht, sich gegen den alten Mann durchzusetzen. Denn selbst im Parlament
sitzen inzwischen nur noch Ja-Sager des Präsidenten, kritisiert der Journalist
Coulibaly: "Man kann nicht sagen, dass es früher keine Vetternwirtschaft
gegeben hat, aber es gab einen Ausgleich. Es gab auch damals Lobbyisten, aber
man hat dafür gesorgt, dass die Volksvertretung sich nicht ausschließlich
um sie dreht. Es gab Lobbyisten mit Qualität, und die sind heute weg. Heute
haben wir nur noch vulgäre Populisten, es ist zum Heulen, wenn sie einige
unserer Minister sehen. Als wir im Jahr 2000 einen politischen Wechsel hatten,
führte das nicht zu einer Qualitätsverbesserung, sondern im Gegenteil
zu einer Verschlimmerung. Das ist das Tragische."
Unabhängigkeit der Gerichte nicht mehr garantiert
Hinzu kommt, dass die einst unabhängigen Gerichte nicht mehr intervenieren.
Entgegen der senegalesischen Verfassung hat der Präsident ohne Not die
Parlamentswahlen verschoben, die am gleichen Tag wie die Präsidentschaftswahlen
hätten stattfinden sollen. Auf unbestimmte Zeit, sagt die Professorin Aminata
Cissé. Sie unterrichtet Rechtsphilosophie an der Universität in
Dakar. "Ich würde gerne weiter an ein demokratisches Senegal glauben,
aber gleichzeitig muss ich doch ein paar Feststellungen machen. Und die geben
mir das Gefühl, dass wir einen Schritt zurück gemacht haben, und das
ist schlimm."
Nichts scheint Wade aufzuhalten. Und die Senegalesen resignieren. Ist der katastrophale
Zustand des Landes der Grund, warum die Menschen in Scharen das Land verlassen?
Allein 2006 traten über 30.000 Senegalesen die Flucht in kleinen Booten
über das Meer an. 6000 sind dabei ertrunken. Eine riesige humanitäre
Katastrophe, die auch die Europäer nicht kaltlässt.
Konzerte gegen den Exodus
Schon lange sind die Intellektuellen im Land besorgt. Künstler und Musiker
veranstalten Konzerte. "Dakar contre l’emigration de la honte"
- "Schluss mit der beschämenden Emigration", heißt eine
Veranstaltung. Die tausenden Leichen, die das Meer zurück ans Land schwemmt,
schockieren die Menschen. Der Sänger Omar Pene versucht mit seiner Musik,
die Menschen vor den Gefahren der risikoreichen Überfahrt mit dem Boot
zu warnen. Mit anderen Künstlern startete er eine Kampagne gegen Auswanderung.
Wohin driftet der Senegal? Ist dies das Ende der Demokratie? Wenn am 25. Februar
gewählt wird, rechnen Beobachter mit Unregelmäßigkeiten und
Gewalt. Mustapha Niass, der Präsidentschaftskandidat der Vereinigten Kräfte
der Arbeiter, macht sich auf Ausschreitungen gefasst. "Wade sagt, er sei
der einzige, der eine politische Partei im Senegal repräsentiert. Auch
Bokassa hätte so etwas gesagt, oder Duvalier oder andere Diktatoren. Selbst
Pinochet. Er hat gesagt, er habe keine Konkurrenten von seinem Rang. Das verdient
der Senegal nicht! Daher ist eine Krise nicht unmöglich, denn das Volk
ist der Souverän und wir organisieren nun das Volk, um die Diktatur abzuschütteln."
Quelle: http://www.tageschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID6433086_REF3,00.html
Senegal
vor den Präsidentschaftswahlen
Das Problem der "heimlichen Auswanderung"
Von Martina Zimmermann
Am kommenden Sonntag wählen die Senegalesen ihren Präsidenten. Das
westafrikanische Land gilt seit vielen Jahren als Modell-Demokratie, ein Land,
das seit seiner Unabhängigkeit von Frankreich 1960 keinen einzigen Staatsstreich
erlebt hat - in Afrika eine Seltenheit.
Senegal gilt auch deshalb als Vorbild, weil im Jahr 2000 ein Wechsel nach demokratischen
Spielregeln stattfand: Der Liberale Abdoulaye Wade wurde zum Präsidenten
gewählt, nachdem er jahrzehntelang in der Opposition war gegen die sozialistischen
Präsidenten Leopold Sedar Senghor und Abdou Diouf, die das Land vierzig
Jahre lang regierten.
Im Jahr 2000 versprach Abdoulaye Wade einen Wandel: Das Schlagwort in der Landessprache Woloff war 'sopi'. Sieben Jahre später wendet sich der frühere Rechtsanwalt auf seinen Wahlkampfkundgebungen wieder an die Jugend, der er damals seine Wahl verdankte. (Fast 43 Prozent der Bevölkerung sind jünger als 20 Jahre). Das Argument des Präsidenten für seine Wiederwahl: Er wolle die Infrastruktur des Landes weiter ausbauen.
Die Jugend im ganzen Land hat mich bejubelt, wie heute in Tambakounda. Hier entsteht ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt, mit einer Linie aus Dakar.... Die Bahn wird einmal bis nach Bamako führen und ganz Westafrika durchqueren! Um das Land weiter zu entwickeln, brauchen wir eine gut ausgebildete Jugend. Alle wichtigen Baustellen im Land werden mit der strikten Anweisung in Angriff genommen, vorrangig die Jugend und die Arbeiter des jeweiligen Departements und der Region einzustellen.
"Pharao Wade" nannte die Zeitschrift L'Express den senegalesischen Präsidenten ob seiner gigantischen Bauwut: An der Küstenstraße Dakars kündet ein Betonsockel von einem künftigen Fünf-Sterne-Hotel, an der Hauptverkehrsader der Hauptstadt bauen senegalesische Bauarbeiter unter chinesischem Kommando die Straße aus. Eine Umgehungsautobahn ist geplant, ebenso ein neuer Flughafen. Das Eisenbahnnetz des ganzen Landes soll instand gesetzt werden. Um Dakar zu entlasten, soll sogar eine neue politische Hauptstadt 120 Kilometer nordöstlich aus dem Boden gestampft werden. Dank dieser Bauwut blüht und gedeiht die Korruption wie nie zuvor.
Das Porträt des 80-jährigen Präsidenten Wade prangt überall in Dakar und den Vororten an den Wänden. Doch insgesamt konkurrieren 15 Politiker um das höchste Staatsamt, zum Beispiel Ousmane Dieng, Führer der Sozialistischen Partei, die Senegal die 40 Jahre lang regiert hatte, bevor Wade an die Macht kam. Darunter auch zwei ehemalige Premierminister Wades, Idrissa Seck und Moustapha Niasse. Niasse war bereits unter den Sozialisten Minister, wechselte dann aber 2000 ins Lager des frisch gewählten Wade. Heute kritisiert Moustapha Niasse die zahllosen Baustellen:
Dakar hat sich heute in einen Schweizer Käse verwandelt! Wir sind aber keine Insekten, sondern Menschen. Wir leben nicht in Löchern, sondern auf der Erde! Präsident Wade will keine Diskussion, weil er keine glaubwürdige Bilanz vorweisen kann. Wir, das senegalesische Volk, fragen: Was hat er in den sieben Jahren gemacht? Wir fragen auch, was hat er mit den 16 Millionen Dollar aus Taiwan gemacht? Wir fragen auch: Was ist mit den 13 Milliarden aus Spanien geschehen, die für die Jugend gedacht waren. Wo sind die 13 Milliarden? 13 Milliarden CFA Francs sind etwa 20 Millionen Euro, die Madrid der senegalesischen Regierung für die ausgewiesenen illegalen Einwanderer versprochen hatte.
Seine Rivalen beschuldigen Wade, für den größten Exodus, den das Land seit der Unabhängigkeit erlebt hat, verantwortlich zu sein: Denn die meisten der 30.000 Afrikaner, die im vergangenen Jahr die Küsten der Kanarischen Inseln in einfachen Fischerbooten erreichten, waren Senegalesen. Auch in diesem Jahr sind bereits über 1.000 Auswanderer auf den spanischen Inseln angekommen, mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres! Hunderte von Afrikanern wurden bereits von Spanien nach Senegal zurückgeschickt.
Mbour liegt fast
hundert Kilometer südlich von Dakar. Die Stadt hat über 150.000 Einwohner
und ist der zweitgrößte Fischereihafen des Landes. Eigentlich ist
der "Hafen" aber nur ein Strand, an dem die Pirogen auslaufen. Mütter,
die ihre Babys auf den Rücken gebunden haben, warten am Wasser auf die
Rückkehr der Fischer. Die Frauen verkaufen Tintenfische und Meeresfrüchte.
Leydou Diop reinigt Meerschnecken vom Sand. Sie ist Witwe und muss ihre Kinder
alleine versorgen.
Die Leute wollen
nach Europa, weil sie keine Arbeit haben... Wer hier bleibt, verdient nicht
genug. Ein Junge muss nach Deutschland zum Geld verdienen!... Sein Vater ist
alt, seine Mama ist alt, was soll er sonst tun?
Die anderen Frauen
klatschen Beifall. Der 37-jährige Abdou zeigt auf die Boote im Wasser:
Da sind
die großen Pirogen. Sie können 22 Menschen und 9 Tonnen Fisch aufnehmen.
All diese Pirogen fahren in der Nacht hinaus und kommen anderntags bis spätestens
mittags zurück. Mit denselben Pirogen fahren die Emigranten aufs Meer hinaus.
Wie du siehst, müssen wir neue Pirogen bauen, weil so viele weg sind! Wenn
einer zwei oder 300.000 CFA zahlt und du stopfst 100 Leute auf deine Piroge,
dann hast du Millionen verdient, selbst wenn die Piroge danach kaputt ist!...
Die Fischer machen das auch, weil es nichts mehr zu fischen gibt. Als ich jünger
war, konnte man kaum über den Markt gehen - man lief auf lauter Fischen!
Aber heute gibt es nichts mehr, sieh dich um.
Hinter ihren Körben
mit Fischen handeln die Männer um den Preis. Abdoulaye stammt aus Saint
Louis im Norden. Zu Anfang des Jahres arbeitet der Fischer wie viele andere
in Mbour, weil hier das Wasser wärmer ist. Einen größeren Fang
hat er dennoch nicht gemacht. Die europäischen Fangflotten haben die Küstengewässer
leer gefischt, schimpft Abdoulaye. Er verlange 4000 CFA für den ganzen
Korb, erklärt er in der Landessprache Woloff. Das sind etwa sechs Euro,
aber keiner will die kleinen Fische kaufen.
Wenn
es so weitergeht, gehen wir alle nach Spanien!
Der 24-jährige
Ibrahim erklärt:
Bei
uns gibt es einen Spruch: Barcelona oder Barzakh. Das bedeutet, wenn ich es
nicht bis nach Barcelona schaffe, dann sterbe ich lieber, als in Senegal zu
bleiben. Barzakh - das ist der Tod.
Auch der 29-jährige
Taxifahrer Modou will auswandern. In Senegal verdient er den gesetzlichen Mindestlohn
von rund 60 Euro im Monat:
Damit
kannst du deine Familie nicht ernähren. Da ist es besser, wenn du abhaust.
Selbst wenn du stirbst, ist das in Ordnung. Du musst weg, selbst wenn du unterwegs
stirbst. Dann hast du wenigstens deine Ruhe. Unterwegs zu sterben ist besser,
als in Senegal zu bleiben.
Barcelona oder Barzakh, stimmt Sech Mbenge zu. Er hat bereits versucht, den Traum von Europa zu verwirklichen. Hat 300.000 CFA für die Überfahrt in einer Piroge gezahlt. Die rund 450 Euro hat der Fischer in drei Jahren zusammengespart.
Wir hatten mit dem Boot eine Panne und mussten mit dem Auto nach Senegal zurück.... Um mit einem anderen Boot weiterzukommen, brauchst du Geld, und ich hatte keines mehr. Aber wenn ich wieder 300.000 zusammen habe, versuche ich es noch einmal.
Radio Oxyjeunes
sendet aus Pikine, einer eineinhalb Millionen Einwohner-Vorstadt von Dakar.
Im Fischerviertel Thiaroy sind mindestens hundert Tote zu beklagen, die bei
der Überfahrt in Pirogen ums Leben kamen. Regelmäßig wird auf
dem Sender über die so genannte "heimliche Auswanderung" diskutiert.
Mit Millionen
aus Europa sollen Straßen gebaut und Arbeitsplätze geschaffen werden,
um die Senegalesen im Land zu halten. Und auch in der Landwirtschaft sollen
sie ein Auskommen finden: Retour vers l'agriculture - zurück zur Landwirtschaft
- heißt das Regierungsprogramm "Reva". Ist Reva nicht nur dazu
da, um die westlichen Geldgeber zu beruhigen? fragen die Studiogäste auf
Radio Oxyjeunes. Die Jugend sei über den Plan nicht informiert.
Wir
hören immer von Milliarden. Die gehören uns! Die Europäische
Union hat dem Staat Milliarden gegeben. Der braucht das Geld nur den Illegalen
zu geben, damit die sich organisieren können, wie sie es wollen.
Sekane ist ein
Fischer aus Thiaroy-sur-mer, der die illegale Fahrt bis auf die Kanarischen
Inseln überlebt hat, dann aber aus Spanien ausgewiesen wurde: Senegal arbeitet
eng mit der Europäischen Union zusammen, um das Problem der illegalen Einwanderer
in den Griff zu bekommen. Abkommen mit Frankreich und Spanien regeln die legale
Auswanderung und sollen die illegale verhindern. Französische Luftpatrouillen
melden den senegalesischen Behörden illegale Pirogen. Spanier und Italiener
helfen bei der Überwachung der Küsten. Dass Senegal mit dem französischen
Innenminister Sarkozy ein Abkommen zur Regelung der Immigration unterschrieben
hat, wird im Wahlkampf jedoch kritisiert, ebenso, dass Präsident Wade die
Ausweisung der Afrikaner akzeptiert hat. Abdou Latif Coulibaly, Direktor des
Instituts für Information und Kommunikation:
Wäre
ich Präsident,... ich hätte mich geweigert, ein solches Abkommen zu
unterzeichnen. Warum darf Europa seine Waren bei uns einführen, will aber
unsere Kinder nicht bei sich haben? Ich finde es unverantwortlich, wenn afrikanische
Regierungen mit Europa Abkommen unterzeichnen, die jungen Afrikanern untersagen,
nach Europa zu gehen. Es ist kriminell, dass Abdoulaye Wade für 13 Milliarden
akzeptiert hat, dass junge Senegalesen ausgewiesen werden. Es ist eine Schande
für Afrika, sich mit Europa auch nur an einen Tisch zu setzen und darüber
zu verhandeln. Europa soll seine Probleme mit der Immigration allein lösen!
Abdou Latif Coulibaly
ist ein erklärter Gegner von Präsident Wade. Aber die Gründe
für die Auswanderung sucht der bekannte Journalist und Buchautor nicht
nur bei der Regierung.
Afrikas
Anteil am Welthandel beträgt ein Prozent, 80 Prozent des Volkes sind Analphabeten
und haben keinen Zugang zu ärztlicher Versorgung! Das zeigt das ganze Desaster.
Und wenn der Westen uns eine Milliarde Euro leiht, lässt er sich vier Milliarden
zurückzahlen. Das ist das Problem, nicht die Verzweiflung der jungen Leute,
auf die man mit dem Finger zeigt. Das Problem liegt zum einen darin, wie die
internationale Wirtschaft organisiert ist, und zum anderen liegt es an den Regimes
in unseren Ländern, die nicht im geringsten bewusst machen, dass sie die
Verantwortung tragen für die Nation, sondern zuerst an sich denken: an
ihr eigenes Schicksal und das ihres Clans und ihrer Familie.... Es geht da um
Millionen von Menschenleben. Und wenn die europäische Kommission die europäischen
Bauern subventioniert, dann müssen die Europäer begreifen, dass sie
damit unsere afrikanischen Bauern ruinieren (weil zum Beispiel ein EU-Hähnchen
billiger ist als ein einheimisches)! Sie müssen verstehen, dass sie nicht
immer das Gesetz des Stärkeren durchsetzen können, das Gesetz des
Dschungels.
Von den über elf Millionen Senegalesen leben viele im Ausland, etwa 50.000 allein in Frankreich, das jedes Jahr weitere 10.000 legal aufnimmt, ein Fünftel davon Studenten. Aber die Senegalesen arbeiten auch in den USA oder in Südafrika. Ihre Überweisungen nach Hause machen rund zwölf Prozent des senegalesischen Bruttosozialprodukts aus, fast soviel wie die Entwicklungshilfe.
Die jungen Senegalesen
wollen es den Auswanderern nachmachen. Und wenn sie kein Visum bekommen, versuchen
sie es eben ohne, erklärt der Journalist Lamine Gueye:
Dann
geht es nur noch um die Frage des Transportmittels. Ein junger Afrikaner zwischen
18 und 30 träumt davon, nach Europa zu gehen und Geld zu verdienen. Man
darf nicht vergessen, dass es viele Einwanderer in Europa zu etwas gebracht
haben. Sie haben hier in Senegal ein Haus gebaut, haben ein schönes Auto,
sie können jeden Monat ihre Familie unterstützen. Die jungen Leute
träumen davon, es genauso zu machen, viele Euros zu verdienen und dann
ihren Eltern zu helfen, ein Haus zu kaufen und eine schöne Frau zu heiraten.
Mor Gueye, sein
Kollege bei Radio Oxyjeunes:
Die
Jugend brachte Meister Wade an die Macht, und heute sind die jungen Leute so
verzweifelt, dass sie in Pirogen auf die Kanarischen Inseln abhauen. Das ist
das Problem. Es ist schwer, in Senegal eine Arbeit zu finden. Ich kenne Leute,
die haben studiert, die haben ein abgeschlossenes Studium oder eine Berufsausbildung
und finden keine Arbeit. Sie haben ihr Glück auf einer Piroge versucht
und wurden wieder ausgewiesen.... Man muss diesen jungen Leuten eine Alternative
bieten.
Die Hauptsorge von Präsident Wade ist offensichtlich die, am Ruder zu bleiben. Bereits zweimal hat er die Parlamentswahlen verschoben, die nun im Juni stattfinden sollen. Er hat den Senat aufgelöst und die Zahl der Abgeordneten im Parlament erhöht, um das Mehrheitsverhältnis in seinem Sinne zu beeinflussen. Am 28. Januar verbot Wade eine Demonstration der Opposition und ließ mehrere Präsidentschaftskandidaten für ein paar Stunden verhaften. Für den Kritiker Abdou Latif Coulibaly ein Beispiel dafür, dass die Demokratie "von ihren Eliten als Geisel genommen wird", wie er es in seinem jüngsten Buch beklagt:
Wenn die Justiz ihren Namen nicht verdient, weil sie nicht in der Lage ist, die Freiheiten des Bürgers zu schützen, dann schafft das etliche Probleme. Wenn das Parlament nur ein Handlanger der Mächtigen ist und Gesetze verabschiedet, die es nicht mal genau durchliest, dann ist das ebenfalls ein Problem. Wenn die Zivilgesellschaft, die die Politiker kontrollieren soll, so schwach und so wenig organisiert ist und so wenig Mittel hat, dann ist das ein Problem. Last but not least die Presse: Sie stürzt sich auf Geschichtchen und Sensationen, ohne den Dingen auf den Grund zu gehen.
Seinen populären ehemaligen Premierminister Idrissa Seck ließ Präsident Wade von Juli 2005 bis Februar 2006 in Untersuchungshaft stecken, wegen "Gefährdung der nationalen Sicherheit". Seck wurde verdächtigt, hohe Summen unterschlagen zu haben. Seine Anhänger wiederum beschuldigten Präsident Wade, einen Rivalen aus dem Weg räumen zu wollen. Denn Idrissa Seck will ebenfalls Präsident werden.
Am 7. Februar 2006 wurde "Idy Seck", wie er von den Senegalesen genannt wird, freigesprochen. Der 47-Jährige hat sich vor kurzem mit Präsident Wade versöhnt, bleibt aber weiterhin Kandidat und damit ein Konkurrent und potentieller Nachfolger.
Manche sehen darin eine Taktik, um die Opposition zu zersplittern und letztendlich Präsident Wade zur Wiederwahl zu verhelfen. Was meint das Volk angesichts der Wahlkampfmanöver?
Der 58-jährige
Familienvater Pierre Williams, Versicherungsagent in Dakar:
Die
Politiker hier in Senegal sind wie überall in Afrika: Sie wollen an die
Macht, um sich zu bereichern,... oder um Privilegien zu ergattern. Das zeigen
die Skandale, die das politische Leben bestimmen: Leute, die nichts haben, wenn
sie an die Macht kommen und nach ein paar Jahren Millionäre sind. Das ist
wirklich entmutigend für den normalen Bürger, der nicht in einer Partei
ist und das Gefühl hat, angeschmiert zu werden. Trotzdem ist es besser
als früher, es herrscht mehr Transparenz.... Unter den Sozialisten machten
sie alles unter sich aus, ohne dass man etwas davon erfuhr.
Präsident
Wade gilt als Favorit bei der Wahl. Politische Beobachter gehen davon aus, dass
er allerdings nicht gleich im ersten Wahlgang gewählt wird. Und dann -
so wird gemunkelt - könnte Wade unter Missachtung der demokratischen Spielregeln
versuchen, einen zweiten Wahlgang zu verhindern.
Jedenfalls
ist der Ausgang der Wahlen so unvorhersehbar wie nie zuvor in der Geschichte
Senegals.
Quelle: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/597834/
Unruhen
vor der Wahl im Senegal
Opposition wirft Präsident Wade Zensur und Repressionen vor / Sorge um
Demokratie und jahrzehntelange Stabilität
Bislang galt der Senegal als stabilste Demokratie Westafrikas. Mit den Präsidentschaftswahlen
am kommenden Sonntag könnte sich das ändern.
von Johannes Dieterich
Johannesburg - Szenen, wie sie sich am Mittwochabend in Dakar ereigneten, waren
der Bevölkerung der senegalesischen Hauptstadt bislang unbekannt. Als der
Konvoi des Präsidentschaftskandidaten Idrissa Seck einen Stadtteil passierte,
in dem ein dem amtierenden Präsidenten Abdoulaye Wade nahestehender moslemischer
Geistlicher lebt, gab es Steinwürfe, Panik und Schlägereien. Mindestens
zehn Personen wurden bei den Krawallen zum Teil schwer verletzt. Zwar konnte
die Polizei wenig später wieder für Ruhe sorgen, doch auch in anderen
Landesteilen kam es zu gewalttätigen Zwischenfällen. Daher wächst
die Sorge, die legendäre Tradition des Landes, in dem es seit der Unabhängigkeit
von Frankreich vor 47 Jahren noch nie einen Militärcoup und nur tadellose
Wahlen gab, könnte vorüber sein.
Verantwortlich
für die sich zuspitzende Lage machen Regierungskritiker den 80-jährigen
Präsidenten. Der habe mit der Verrohung der politischen Sitten angefangen,
indem er seinen früheren Premier Idrissa Seck vor eineinhalb Jahren ins
Gefängnis werfen ließ, nachdem dieser seine Kandidatur für das
Präsidentenamt angekündigt hatte. Angeblich soll der Regierungschef
Milliarden von Francs veruntreut und Staatsgeheimnisse verraten haben - Vorwürfe,
die schließlich wegen fehlender Beweise fallen gelassen werden mussten.
14 Kandidaten
Wade suchte daraufhin
seinen aus der Regierungspartei ausgeschlossenen Widersacher Anfang dieses Jahres
wieder an die Brust zu drücken: Seck kehrte tatsächlich in die Demokratische
Partei zurück, blieb jedoch bei seiner Kandidatur und gilt heute unter
den 14 Anwärtern als gefährlichster Herausforderer des Amtsinhabers.
Abdoulaye Wade war im Jahr 2000 von einer euphorischen Wählermehrheit an
die Macht gebracht worden. Die Senegalesen hatten von den vier Jahrzehnte lang
ununterbrochen regierenden Sozialisten genug, und Wade versprach einen fulminanten
Neubeginn, Infrastrukturprojekte und endgültigen Frieden in der abspalterischen
Casamance-Provinz. Sieben Jahre später erwiesen sich die Verheißungen
jedoch als heiße Luft: Die Straßenbauvorhaben, die sich zum Leidwesen
der Landbevölkerung vor allem auf die Hauptstadt konzentrierten, sind noch
immer nicht fertig. In der Casamance-Provinz gehen trotz eines Friedensvertrags
die Kämpfe weiter. Und aus dem grandiosen "Neuen Plan für Afrikas
Entwicklung ist auch nicht viel geworden.
Am meisten aber nehmen die Senegalesen Wades Übergriffe auf die bürgerlichen Freiheiten übel, auf die sie so stolz waren: Regierungskritischen Radiosendern wurde die Lizenz entzogen, Kundgebungen von Oppositionsanhängern untersagt.
"Wir können
nicht tatenlos zusehen, wie unser Land ins Chaos gestürzt wird", klagt
Alioune Tine, Generalsekretär einer Menschenrechtsgruppe: "Wades Regime
hat eine Grenze überschritten." Viele Senegalesen haben bereits vor
dem Wahltermin ihre Stimme mit den Füßen abgegeben: Zu Tausenden
verlassen sie das Land auf brüchigen Fischerbooten, um ihr Glück weiter
nördlich zu finden. Vor allem wegen der Zersplitterung der Opposition kann
Wade nach Umfragen von Meinungsinstituten dennoch mit seiner Wiederwahl rechnen:
Doch Überraschungen, sagen Landeskenner, sind nicht ausgeschlossen.
Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?cnt=1080979
zurück
Arcelor Mittal plant für 2,2 Mrd. USD Mine im Senegal
Windhoek 26.02.07
(emfis.com)
Im Zuge der Umstrukturierung zu einem "Vollsortimenter" hat der Stahlproduzent
Arcelor Mittal mit der Regierung des Senegal Abkommen im Wert von 2,2 Mrd. USD
unterzeichnet. Arcelor Mittal, will vermehrt in der Eisenerzproduktion tätig
werden und plant daher eine Eisenerzmine im Senegal zu eröffnen.
Das Projekt soll im Jahr 2011 beginne starten und wurde von Sachverständigen
als sehr groß bezeichnet. Teil des Projektes ist auch der Bau eines Hafens
nahe der Hauptstadt Dakar und einer Eisenbahntrasse mit einer Länge von
750 km um die Mine und den Hafen zu verbinden.
Bei voller Produktivität
soll die Mine jährlich zwischen 15 und 25 Mio. Tonnen Eisenerz produzieren.
Die Gesamtreserven im südlichen Teil des Senegal belaufen sich auf rund
750 Mio. Tonnen.
Arcelor Mittal-Präsident Lakshmi Mittal sagte, dass die Mine zu einem der
wichtigsten Lieferanten für europäische Stahlwerke werde.
www.dw-world.de © Deutsche Welle.
"Guckt mal, ein Neger!"
Filmemacher aus Industrienationen, die mit ihren Videokameras in Afrika auf
Motivjagd gehen: Daran ist nichts Ungewöhnliches. Was aber passiert, wenn
ein afrikanischer Filmemacher die Perspektive umdreht? (Christine Harjes)
Ein eher ungewöhnliches
Bild bietet sich auf dem größten afrikanischen Filmfest FESPACO in
Burkina Faso, als der senegalesische Film "Nosaltres" auf dem Programm
steht. Anders als sonst sitzen dieses Mal mehr weiße als afrikanische
Zuschauer in den Reihen des Kinos. Kein Wunder – schließlich ist
das Thema in Europa hoch brisant. "Nosaltres" erzählt die Geschichte
eines Dorfes in Katalonien. Hier leben zwei Gemeinschaften ohne jeden Kontakt
nebeneinander her: Die Spanier auf der einen Seite und die Einwanderer aus Mali
auf der anderen Seite. Seit acht Jahren wohnen sie im selben Dorf. Ein Gruß
oder gar ein Gespräch – daran ist nicht zu denken.
"Ich denke, dass der Film wirklich die Realität in Europa widerspiegelt,
weil die Schwarzen und die Einheimischen überall kaum miteinander sprechen",
sagt der Kino-Besucher Georges Kaboré, Musiker und selbst Filmemacher
aus Burkina Faso. Er hat einige Monate in Frankreich gelebt und ähnliche
Erfahrungen gemacht. In Frankreich zu bleiben, wäre für ihn unter
anderem aus diesem Grund nicht in Frage gekommen.
Acht Jahre Schweigen
Der senegalesische Regisseur Moussa Touré ist durch eine katalanische
Freundin auf das Dorf in der Nähe von Barcelona gestoßen. Er hat
sich mit der Kamera auf die Suche gemacht nach den Ursachen für die scheinbar
unüberbrückbare Distanz zwischen den Katalanen und Maliern. Der Regisseur
befragt beide Seiten und stößt bald auf eine simple Antwort. Schuldzuweisungen
fallen bei Touré dabei weg. Auch als der Regisseur ältere Spanierinnen
in dem Dorf fragt, woher die Malier kämen und die Damen zögernd "aus
Afrika – vielleicht?" antworten, stellt er die Unwissenheit nicht
zur Schau.
"Sie müssen einfach miteinander sprechen. Das ist das ganze Problem",
sagt Touré. Er habe keine Lust ihnen zu sagen: Du hast Recht und du bist
im Unrecht. Es gehe nur darum, miteinander zu sprechen. "Das ist alles.
Aber das habe ich während der Dreharbeiten erst nach und nach gemerkt.
Am Ende habe ich dann gemerkt: Warte, es ist tatsächlich möglich!",
sagt der Filmemacher.
Erste Kontakte
Möglich wird am Ende der Dreharbeiten dann tatsächlich ein Treffen
zwischen den Katalanen und den Maliern. Der Bürgermeister unterstützt
den Vorschlag des senegalesischen Filmemachers, und im Gemeindezentrum sprechen
die Alteingesessenen und die Zugezogenen zum ersten Mal seit acht Jahren miteinander.
Vorurteile und Beschuldigungen werden vorgebracht. Immer aber gleicht jemand
aus - so können Missverständnisse ausgeräumt werden, und die
beiden Gruppen nähern sich einander an. Der Film lebt von den Aussagen
der Dorfbewohner. Besonders, als sich am Ende des Treffens alle die Hand geben
und sich zum Abschied auf die Wangen küssen, ist jeder Kommentar aus dem
Off überflüssig.
Der Film berühre und mache Hoffnung auf ein besseres Zusammenleben auch
an anderen Orten, sagt Georges Kaboré aus Burkina Faso. "Ich denke,
dass alle Leute, die den Film sehen, dazu gebracht werden, wirklich über
diese Situation nachzudenken und wie man eine Lösung gefunden hat, um sich
gegenseitig zu entdecken, miteinander zu kommunizieren und sozialer miteinander
zu leben."
Vorbild für andere Orte
Das Beispiel des kleinen spanischen Ortes könnte zumindest in Spanien zum
Vorbild werden. Der Film wird jetzt an alle Bürgermeister in Katalonien
verteilt und in allen Gemeinden gezeigt.
Moussa Touré hat in der kleinen katalanischen Gemeinde, in der er gedreht
hat, auf jeden Fall viel bewegt. Dieselben Bewohner, die ihn beim ersten Interview
auf dem Marktplatz mit der etwas fassungslosen Bemerkung: "Guckt mal, ein
Neger!" begrüßt haben, wollen sich nun auf besondere Art bei
dem Filmemacher bedanken. Sie wollen den Marktplatz nach ihm benennen. Schließlich
sei das der Platz, an dem sich jetzt alle treffen, erklärt Touré
und grinst. Christine Harjes
Quelle: http://www.dw-world.de/dw/article/0,2144,2371456,00.html
kas,
3.5.2007
Senegal:
Das Land zwischen drei Wahlen.
Die Opposition boykottiert die Parlamentswahlen
Die Präsidentschaftswahlen im Februar sind vorüber, schon stehen die
Parlamentswahlen im Juni vor der Tür. Und für November sind zudem
Lokalwahlen anberaumt: das Jahr 2007 ist Wahljahr. Damit reiht sich Senegal
in die Kette von fünf westafrikanischen Ländern ein, in denen die
Bevölkerung dieses Jahr mehrfach zu den Urnen schreitet.
Der alte und neue Präsident Senegals, Abdoulaye Wade (84), wurde mit knapp
56 % der abgegebenen Wählerstimmen im Amt bestätigt. Von den Oppositionsparteien
konnten sich lediglich drei im Bereich über 5 % behaupten: die Partei des
ehemaligen Premierministers Idrissa Seck (knapp 15 %), Ousmane Tanor Dieng von
der Parti Socialiste (knapp 14 %) und Moustapha Niasse von der AFP (knapp 6
% ). Alle anderen elf Kandidaten sind weit abgeschlagen.
Der Wahlausgang war völlig unerwartet. Alle Vorhersagen und Wahlumfragen
stimmten nicht. Mehrere Faktoren waren für das landesweite „Erstaunen“
verantwortlich. Zum einen hatte sich die Zahl der bislang 2,5 Millionen eingeschriebenen
Wähler (in der vorgegebenen Frist) auf knapp 5 Millionen Wähler im
Februar 2007 verdoppelt. Zum anderen wurde mit einer Wahlbeteiligung von 70,77
% ebenfalls ein nicht erwarteter Rekord aufgestellt. Zu keiner Zeit hatten mehr
als 50 % der Wähler ihr Wahlrecht aktiv genutzt. Nun vermutet die Opposition
Wahlbetrug. 12 Oppositionsparteien boykottieren die Parlamentswahlen und haben
keine Listen für die anstehende Wahl eingereicht. Damit sind 45 % der Wähler
im Parlament nicht vertreten. Die öffentlich verbreitete Begründung
für den Wahlboykott lautet kurz und knapp, dass es bei Präsidentenwahlen
nicht mit rechten Dingen zugegangen sei.
Wie kommt es zu
dieser Meinung und worauf fußt sie? Die Tatsache, dass Wade mit weit über
50 % im ersten Wahlgang wiedergewählt wurde, hat – wie bereits angedeutet
- viele Beobachter erstaunt. Der Opposition war die regimekritische Stimmung
vor den Wahlen aufgefallen. Ein Stimmungsbarometer ist jedoch keine Wahlausgangsvoraussage.
Die frühere Regierungspartei PS, die vierzig Jahre lang regiert hatte,
deren Splitterpartei AFP und die neue Partei Reewmi des ehemaligen Premiers,
aber auch die kommunistische Partei Ld/Mpt und andere kleinere Parteien fochten
das Wahlergebnis vor dem Verfassungsgericht an, ihrer Klage wurde indes nicht
stattgegeben.
Internationale und nationale Beobachter haben die (technischen Abläufe)
der Wahl vom 25. Februar verfolgt und den Verlauf ausgewertet. Zu groben Unregelmäßigkeiten
ist es laut ihren Berichten nicht gekommen. Beklagt wurde vielerorts, dass nicht
alle Wähler rechtzeitig ihre Wählerkarten erhalten hatten, was dazu
führte, dass 5 % der Wähler nicht an die Urnen gehen konnten. Einige
Fälle von versuchtem Wahlbetrug wurden aufgedeckt. In der Casamance musste
für mehrere Dörfer der Ausnahmezustand verhängt werden, weil
sich Rebellen mit der Armee Gefechte lieferten und ein Urnengang aus Sicherheitsgründen
daher nicht möglich war.
Immer wieder zu hören und daher nicht auszuschließen sind indes Versuche
von Wählermanipulation direkt vor den Wahlen bzw. in den vorangegangenen
Wochen. In einem Land, wo mehr als die Hälfte der Bevölkerung unter
der Armutsgrenze lebt, sind materielle Wahlanreize üblich (pro Stimme ca.
15 €). Diese Praktiken hat es schon zu Zeiten der Parti Sozialiste gegeben,
und genau diese hat die Wählerbestechung vor den Wahlen besonders angeklagt.
Allerdings sind derartige Vorwürfe empirisch nur schwer nachzuweisen, obgleich jeder davon gehört hat. Die Zeitungen deckten teilweise Skandale auf, wie z. B. die Schenkung von Millionensummen (CFA-Francs) und von Luxusautos an religiöse Führer, deren Wort und Meinung in Senegal viel Gewicht unter ihren Anhängern hat. Offizielle Wahlempfehlungen oder gar Wahlbefehle wie noch zu sozialistischen Zeiten hat es jedoch - mit geringen Ausnahmen -nicht mehr gegeben. Die Tatsache allerdings, dass der Khalif der mächtigen Bruderschaft der Mouriden kurz vor der Wahl öffentlich verkünden ließ, dass Wade die Modernisierungsarbeiten von Touba, der heilgen Stadt der Mouriden, nach den Wahlen weiterführen werde, wurde von vielen als indirekte Wahlempfehlung begriffen.
Es wäre an
dieser Stelle verfehlt, die senegalesischen Wähler als politisch unreif
oder manipulierbar zu bezeichnen. Es ist nicht auszuschließen, dass Wahlentscheidungen
auch von materiellen Faktoren abhängen. Jedoch sollte die außerordentliche
Popularität Wades gerade in unteren Gesellschaftsschichten nicht unterschätzt
werden. Viele Umfragen vor der Wahl wurden von Zeitungen initiiert, deren Leserschaft
sich aus oppositionsfreundlichen oder aus intellektuellen Kreisen rekrutiert.
Die Stimmung „im Volk“ wurde nicht sondiert. Für Wade stimmten
indes gerade die Teile der Bevölkerung, die von den bisherigen Früchten
und Vergünstigungen der Regierung nicht profitieren konnten. Dies mag auf
den ersten Blick paradox oder absurd erscheinen, tatsächlich ist dieses
Faktum jedoch nicht von der Hand zu weisen. Wahrscheinlich müsste die Wahl
an dieser Stelle nach sozialpsychologischen Kriterien analysiert und ausgewertet
werden. Und vielleicht hätte Wade ohne die materiellen Bestechungen tatsächlich
nicht so hoch gewonnen, nicht im ersten Wahlgang, womöglich, aber gewonnen
hätte er sehr wahrscheinlich trotzdem.
Die „kleinen Leute“ vom Land wählten den alten Mann, den Patriarchen,
der in der jüngsten Vergangenheit so viele großen Projekte begonnen
hat. Ein Beispiel: die unzähligen Straßen und Alleen, die alle zum
gleichen Zeitpunkt gebaut werden und die den Verkehr in Dakar nachhaltig blockieren.
Oder man wählte ihn, weil man diesen Präsidenten aus Respekt vor dem
Alter nicht abwählen wollte und eher darauf wartet, dass er selber geht?
Vielleicht, so mutmaßen andere, soll er seine ehrgeizigen Großprojekte
zu Ende bringen können? Die Oppositionsparteien ihrerseits sind überzeugt,
dass Wade nicht rechtmäßig gewählt wurde. Sie entschlossen sich
zu Maßnahmen, die von vielen Beobachtern der Wahl als Gefährdung
der Demokratie in Senegal
empfunden werden.
Wer zum Wahlboykott aufruft und sich freiwillig verweigert, am demokratischen
Prozess mitzuwirken, der verlässt die Plattform der Demokratie. In einer
einseitigen Zeitungserklärung begründeten die Oppositionsparteien
ihren Boykott der Parlamentswahlen damit, dass, angesichts der Unregelmäßigkeiten
im Verlauf der Präsidentschaftswahlen, von den anstehenden Parlamentswahlen
nichts anderes zu erwarten sei. Staatskonforme Journalisten wiederum behaupten,
die Oppositionsparteien befürchtet, bei den Parlamentswahlen den Spiegel
ihrer wahren Größe vorgehalten zu bekommen. In der aktuellen Konstellation,
so die Journalisten, würde die Opposition noch nicht einmal die Prozentsätze
der Präsidentenwahlen wieder erreichen, was allerdings auf das komplizierte
Wahlverfahren der Parlamentswahlen zurück zu führen ist. (Jede Partei
reicht hier zwei Listen ein, die nationale, die nach Proporz ausgerechnet wird,
und die Liste der Departements, die auf dem einfachen Mehrheitsprinzip fußt.)
Die Chancen, im Parlament gut vertreten zu sein, scheinen für die Opposition
gering zu sein. So verspricht man sich vom Boykott der Parlamentswahlen über
die Gewerkschaften und über andere Organisationen der Zivilgesellschaft
gezielt Einfluss auf die Politik nehmen zu können. Ob diese Rechnung aufgeht
oder ob die Oppositionsparteien sich nun völlig ins politische Abseits
begeben haben, bleibt abzuwarten.
von Dr. Karsten Dümmel
"Rap
ist groß, Allah ist größer!"
Im
Senegal sind Rapper keine Gangster - Musiker Didier Awadi engagiert sich für
Bildung VON
ANIA FAAS
Dakar. Ein Schulhof bei Nacht, dicht gedrängt hüpfen junge Menschen. Helle Hosen und Shirts, verschwitzt, klebend von der nächtlichen Hitze. Der MC, der Mann am Mikrofon, reißt den Arm hoch: "Rap ist groß, Allah ist größer!"
Seit Mittag haben
die Fans hier auf die Band gewartet, ohne Getränke, ohne Zigaretten, ohne
Imbiss. Der Schulhof in Senegals Hauptstadt hat sich in ein tobendes Open-Air-Gelände
verwandelt, obwohl dieses Konzert mit gut 1000 Besuchern noch ein eher kleiner
Gig ist für "Positive Black Soul", kurz PBS. Die beiden Rapper
mit den großen Gesten, den schweren Goldketten am Hals und den Tommy-Hilfiger-Shirts
sind Superstars, mindestens in Westafrika. Als der MC neu anhebt, singen Hunderte
von Schülern die maschinengewehrschnellen Reime mit: "Beobachte, absorbiere,
saug auf und verdaue / alle Weisheit, die Wissenschaften von heute und gestern."
Die meisten der Jugendlichen hatten noch am Morgen auf ihrem Pult die Schulhefte
liegen, auf denen groß das Konterfei von PBS prangt - und auf der Rückseite
der Text des Liedes.
Besuch in einer Garage bei "Sunu Flavor", einer Rap-Band, die noch
auf ihren Durchbruch wartet. Sugar, einer der Rapper, liegt auf dem Betonboden
und versucht einen Text zu schreiben. Der Kugelschreiber kratzt über eine
Papiertüte. "Gib mal her", herrscht ihn MC Mac an, ihm dauert
alles zu lange. "Machine, famine" steht bisher oben auf seinem Zettel
und unten: "cholère, couleur, classeur". "Maschine, Hunger"
und "Zorn, Farbe, Aktenschrank" - das Skelett eines Lieds, die ersten
Reime und Alliterationen.
"Sunu Flavor" sind lange nicht so berühmt wie die Rapstars PBS, aber dafür zehn Jahre jünger, petits frères, die kleinen Brüder. Für sie bedeutet Rap vor allem das Brechen von Tabus. "Es ist oft schwer, die Wahrheit zu sagen", sagt Mac. Zum Beispiel fehle vielen Kindern der Rat ihrer Eltern: "Die können bestimmte Dinge nicht sagen, wie: Wenn du einen Freund hast, benutz' ein Präservativ. Sie schämen sich, sowas auszusprechen." Sexuelle Aufklärung ist gerade deshalb ein Thema der HipHop-Bands, weil das Tabu weit in gesellschaftliche Strukturen hineinreicht: Noch heute werden junge Mädchen mit Greisen zwangsverheiratet. Noch immer ist Aids-Prävention nicht selbstverständlich.
Senegalesische Rapper haben viele Probleme thematisiert - zum einen die der afrikanischen Gesellschaft, zum anderen die des Islam, dem über 90 Prozent der Bevölkerung angehören. Oft kennen die Texter selbst nicht die Antworten auf ihre wichtigsten Fragen: Wie kann man HipHop, Sex, das mit der Musik verdiente Geld mit dem Koran vereinbaren? Mac antwortet, bis auf Weiteres: "Der Koran sagt, Allah liebt den Mann, der arbeitet. So lange wir das also für unseren Lebensunterhalt tun, ist es okay, oder?" Sugar rezitiert einen Vers aus dem heiligen Buch. "Du sollst glänzen, als würdest du morgen sterben, und arbeiten, als würdest du niemals sterben." Es hört sich aus seinem Mund an wie Rap.
Szenenwechsel. Didier Awadi, Sänger von PBS, Grandfather des Rap im Senegal, empfängt seine Gäste im leichten weißen Anzug und einer Mütze in den Reggae-Farben. Er lässt seine massige Gestalt ins Sofa fallen, hinter sich ein Häkeldeckchen, auf dem Couchtisch Porzellanfiguren. Aus den Computerboxen wummert ein neuer Soundmix von ihm.
Als die Rapwelle den Senegal erreichte, war er fast noch ein Kind, und er gehörte zu den wenigen Privilegierten aus der Oberschicht, die zur Schule gehen konnten. Als er 16 war, erlebte er den US-Rapper Tupac Shakur live in Dakar. Tupac impfte ihm sein "Me against the world" ein, für Didier gab es keinen anderen mehr. "Wir wollten sein wie die Amis", erinnert er sich. "Aber irgendwann haben wir gemerkt, was für ein machtvolles Instrument wir in der Hand haben - Rap in unserer Sprache Woloff."
Gemeinsam mit seinem ehemaligen Konkurrenten Amadou Barry gründete er PBS. Früh erkannten die beiden, dass im HipHop das Potenzial steckte, eine Massenbewegung in Gang zu setzen. Mit "Generation Boul Fale" landeten sie bald ihren ersten Hit. Boul Fale wurde zum Schlachtruf - auf Woloff heißt es so viel wie "Don't worry", impliziert aber: "Warte nicht, bis die Regierung etwas tut - tu es selbst." Im Senegal entstand eine Jugendbewegung, für die Lesen und Schreiben plötzlich "in" war. Afrikanischer Hiphop hieß: Keine Drogen, kein Alkohol, keine Gewalt. Das Gegenteil von Tupac und den einstigen US-Vorbildern.
Die Mittagshitze steigt durchs Fenster. Didier hat beschlossen, seinem Musikshop "Hyperson", den er ganz in der Nähe betreibt, einen Besuch abzustatten. Er zückt das Handy, telefoniert kurz und lässt sich in seinen schrottreifen Ford fallen. Um die Kühlerhaube scharen sich Kinder, rufen seinen Namen. Didier tut, als wolle er sich auf sie stürzen, sofort verschwinden sie kreischend in einer Staubwolke. Sein PBS-Partner Amadou, die Goldketten noch am Hals, springt auf den Beifahrersitz. Eine Szene wie aus der Bronx, würde nicht gerade der Imam den Mittags-Ruf anstimmen.
Das Auto stöhnt, als die Rapstars auf die sandige Hauptstraße einbiegen, Passanten winken, rufen. In Liberté 6, seinem Viertel, lebt Didier seit seiner Geburt. Und er wird hier bleiben, obwohl er inzwischen für seine Musik quer durch die Welt jettet. "Wir kümmern uns um unser Quartier, aber wir sind weltoffen. Erst kommt Dakar, dann die ganze Welt."
Didier hält. Das "Hyperson" ist zur Straße hin nicht größer als eine Imbissbude, hat aber mehrere Hinterzimmer mit modernstem Equipment. Junge Leute sitzen an Plattentellern und Aufnahmegeräten zwischen den offenen Fenstern und überspielen sich ganze Alben oder einzelne Songs auf eigene Mix-Tapes. Die Kopfhörer haben sie schief aufgesetzt, ein Ohr stets für Klatsch und Tratsch. "Hey, gib mal die Lauryn Hill rüber." - "Die kriegst du nicht, das ist meine Frau!" Das Plattencover mit dem Bild der US-Rapperin küssend, lässt sich ein Junge mit riesiger Sonnenbrille auf die Knie fallen: "Ich heirate sie!" - "Ja, lös' ein Ticket in die Staaten, kannst ja deine Brille verkaufen."
Dass PBS als Vorbilder taugen, die auf Schulhöfen spielen dürfen, galt im Senegal lange nicht als ausgemacht. Ihre frühen Erfolge verdanken die HipHopper auch den Politikern: Nichts war dem Verkauf der Kassetten so zuträglich wie ihr Verbot. Das merkte bald auch der damalige Präsident Abdou Diouf - und änderte seinen Kurs. Vor dem Wahlkampf 2000 lud er PBS zu einem Gespräch in seinen Palast. Er soll ihnen Millionen geboten haben, wenn sie ihn mit Konzerten unterstützen. Sie lehnten ab, Diouf verlor. Es war der erste Machtwechsel durch freie Wahlen im Senegal.
Rap ist schwarze Musik, die nicht vom schwarzen Konitinent kam, die aber in Afrika ein neues Thema gefunden hat. Aus der Ghettomusik wurde das Instrument einer gebildeten Elite. "Von wegen Brot für die Welt", sagt Didier und durchschreitet seinen Laden. "Afrikaner wollen mehr als nur Brot, das werden wir schon klar machen."
Geringe
Beteiligung an Parlamentswahl im Senegal
Bei der Parlamentswahl im Senegal hat sich die erwartete niedrige Wahlbeteiligung
bestätigt. Rund 38 Prozent der Wahlberechtigten seien zu den Urnen gegangen,
sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Korrespondenten hatten zuvor von fast
leeren Wahllokalen in der Hauptstadt Dakar berichtet. Aus Protest gegen angebliche
Manipulationen bei der Präsidentenwahl im Februar und gegen eine fehlende
Reform des Wahlsystems hatte die Opposition zum Boykott des Votums aufgerufen.
Die Oppositionellen gingen zunächst von einer Wahlbeteiligung von nur fünf
Prozent aus.
Insgesamt fünf Millionen Stimmberechtigte in dem westafrikanischen Land
waren aufgerufen, sich am Urnengang zu beteiligen. Um die 150 Sitze im Parlament
bewarben sich insgesamt 4000 Kandidaten aus 14 Parteien und Allianzen. Der Boykott
dürfte der Demokratischen Partei (PDS) von Präsident Abdoulaye Wade
und ihren Koalitionspartnern die Wiederwahl sichern.
An der Parlamentswahl im Jahr 2001 hatten sich nach offiziellen Angaben noch
rund 67 Prozent der Wahlberechtigten beteiligt, an der Präsidentenwahl
vor einem Vierteljahr rund 70 Prozent. Die frühere französische Kolonie
galt wegen ihres Mehrparteiensystems bisher als afrikanische Vorzeige-Demokratie.
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Der Heimatspiegel - Bistum-Partnerschaft mit Senegal
Die Erzdiözese Bamberg und das Bistum Thiès im Senegal besiegeln ihre langjährigen Beziehungen nun auch offiziell. Im Rahmen des 1.000-jährigen Bistumsjubiläums unterzeichnen der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick und der Bischof von Thiès, Jacques Sarr, am Samstag (22.09.2007) in Nürnberg einen Partnerschaftsvertrag. Parallel dazu findet in der Innenstadt ein interkulturelles Fest mit afrikanischer und lateinamerikanischer Musik statt.
"Für eine bessere Welt"
Die Beziehungen
zu dem Bistum im Senegal gehen auf Bemühungen der Katholischen Landjugend
Bayerns im Jahr 1957 zurück. Seitdem ist die Zusammenarbeit stetig intensiviert
worden. "Wir wollen unseren Beitrag für eine bessere Welt leisten.
Nur im weltweiten guten Miteinander kann das Leben glücken", kommentierte
der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick die Partnerschaft. Man wolle nicht in
patriarchalischer Weise auftreten und auch keine Partnerschaft der Funktionäre,
so Schick weiter. Die Gemeindenverbände und Jugendgruppen im Erzbistum
Bamberg würden sich aktiv im Rahmen der Partnerschaft beteiligen.
Umgang mit anderen Religionen
Zusätzlich will das Erzbistum Bamberg den Bau einer Schule im Senegal unterstützen und auch eine Kirche dort bauen. Die Diözese Thiès schickt wiederum Priester nach Franken, die eine zeitlang in den Gemeinden leben werden. Nach den Worten von Erzbischof Schick können die Menschen hier vor allem im Umgang mit anderen Religionen viel vom Senegal lernen. 95 Prozent der Bevölkerung im Senegal sind Muslime, fünf Prozent Christen. Die ersten Kontakte zwischen Bamberg und Thiès wurden vor 50 zwischen den jeweiligen katholischen Landjugend-Gruppen geknüpft.
fair-fish-info
21 (Nov 2007)
Keine Fische mehr vor Senegal?
Seit einigen Monaten
kursiert in den hiesigen Medien die Meldung, es gebe im Senegal keine Fische
mehr, und schuld daran seien die EU und deren Fangflotten. Die Realität
ist komplexer - und zeigt, dass auch artisanale Fischerei nur unter Voraussetzungen
nachhaltig ist.
Erstens fischen vor Senegal und Westafrika auch asiatische Flotten, und nicht
zu knapp. Zweitens kann an Senegals Küsten noch immer gefischt werden,
wenn auch die Fischbestände in den letzten zwanzig Jahren drastisch zurückgingen.
Drittens fischen die meist kleinen Pirogen der Senegalesen traditionell nicht
so weit draussen wie die grossen Fabrikschiffe aus Europa und Asien. Wenn die
küstennahen Gewässer - die Zone mit der grössten und raschesten
Reproduktion und daher die Kinderstube für viele Arten - heute überfischt
sind, so ist dies vor allem hausgemacht; denn grosse Schiffe dürfen gar
nicht so nah am Land fischen.
Die Zahl der senegalesischen
Kleinfischer hat innert einer Generation stark zugenommen. Denn wegen der anhaltenden
Trockenheit in den meisten Landesregionen haben Kleinbauern ihre Äcker
verlassen in der Hoffnung, beim Fischen mehr zu verdienen. Dies sind oft Menschen,
die mit unnachhaltigen Methoden (zu engmaschige Netze usw.) fischen, da sie
keine Erfahrung haben.
Gleichzeitig nahm die Motorisierung einer einst nur mit Segeln und Rudern getriebenen
Fischerei rapid zu: weiter, schneller, mehr.
Der Konkurrenzkampf um die knapper werdenden Ressource und die Motorisierung
treiben sich gegenseitig an. Damit wird der Druck auf die Ressource auch in
Gebiete getragen, die vorher selten befischt wurden.
Es gibt bis heute keinen ernsthaften Versuch im Senegal, die Befischung einzuschränken
und die Menschen für eine Rückkehr auf ihre Äcker zu motivieren.
Vor zwei Jahren führte die Regierung (mit technischer Unterstützung
aus der Schweiz) zwar die Registrierung der Pirogen sowie eine Fischerlizenz
ein (zuvor hatten Pirogen freien Zugang zum Meer). In der Realität wird
dies wenig verändern, denn jeder Fischerwrid die bescheidene Lizenzgebühr
bezahlen, weil er sonst kein verbilligtes Benzin mehr kriegt.
Von Fangquoten und Schonzeiten sind der Senegal und die meisten Drittweltländer noch weit entfernt; im fair-fish-Projekt hätte beides schrittweise eingeführt werden sollen. Zudem sind die paar im Senegal bisher festgelegten Schutzgebiete mit Fischereiverbot zu klein, und wohl auch ungenügend überwacht. So fehlen der Küstenwache noch immer Mittel, um das illegale Eindringen grosser (ausländischer) Fangschiffe in küstennahe Gewässer zu unterbinden. Obendrein fliessen artisanale und industrielle Fischerei heute oft ineinander: Ausländische Fabrikschiffe lassen sich den Rohstoff von einheimischen Pirogen andienen, welche in den für grosse Schiffe verbotenen Zonen fischen können. Dies alles ist nicht allein der Regierung anzulasten, die freilich viel zu wenig tut, obwohl der Ausverkauf der Fischbestände ausländisches Geld in die Staatskasse spült. Mitschuldig ist auch die Haltung vieler Senegalesen, einfach zu warten, bis irgend jemand ihr Problem löst, anstatt ihre Angelegenheiten selber anzupacken. Kolonialismus und falsche Hilfe trugen dazu bei.
Was tut fair-fish im Senegal? Der Verein fair-fish musste das Projekt mangels Mitteln und grösserer Abnehmer einstellen. Seit Juni werden keine fairen Fische mehr importiert. Um das weltweit erstmalige Beispiel lebendig zu erhalten, versucht die fair-fish-trade GmbH, die faire Fischerei im Senegal durch lokale Verkäufe zu finanzieren. Bei Erfolg sind spätere Importe möglich.