Das Recht auf Polygamie – Ein eheliche Entscheidung, die entzweit

Als Colonel Moumar Gueye am Freitagabend bei seinem Vortrag in der Universitätsbuchhandlung Clairafrique ein Loblied auf die Polygamie anstimmte, hat er nicht gerade Zustimmung geerntet.
Nach den von ihm vorgelegten Zahlen sind im Senegal noch ein Viertel der Ehen polygam. Mitten in seinen persönlichen Erfahrungen erzählte der Colonel, wie das Schicksal ihn zu drei Frauen gebracht hat.
„Ich wollte nicht unbedingt drei Frauen und ich habe nicht danach gestrebt mehr zu haben, aber es ist so gekommen und es läuft gut.“ Zwei von ihnen leben mit ihm, die letzte, bedeutend jünger, anderswo.
Der Colonel hat den Koran angeführt, der es erlaubt, bis zu vier Frauen zu haben, ja sogar eine fünfte, eher als Sklavin, und hat die Polygamie dadurch gerechtfertigt, „dass wir alle Säugetiere sind; die sind alle polygam, also ist es eine natürliche und normale Sache.“
Mehrere Teilnehmer haben seine Theorie in der folgenden Debatte zurückgewiesen, die lebhaft bis sehr stürmisch verlief. Die meisten Beiträge kamen von ausländischen Frauen, einerr Französin, eine Spanierein, einer Tunesierin. Es war letztere, die in laute Protestrufe ausbrach. Sie erinnerte an die Ursprünge dieser Praxis. Ihrer Meinung nach, und sie zitierte die islamische Geschichte, entstand die Polygamie nach einem heiligen Krieg, der 10 Prozent der Männer das Leben kostete und viele Kinder als Waisen zurückließ. Die Überlebenden seien damals berechtigt gewesen, mehrere Frauen zu haben.

Ein göttlicher Wille
„Lesen Sie Ihren Koran noch einmal, mein Herr“, engagierte sich die Dame, traurig und zugleich sehr empört. Die Antwort stellte sich als schwierig dar, da M. Gueye wiederholt von dieser Frau unterbrochen wurde. M. Gueye verteidigte sich, dass er sehr wohl das heilige Buch kenne und keine erschöpfende Exegese betreiben wolle.
Die anderen Frauen brachten das interessante Argument ein, dass, wenn die Männer das Recht auf Polygamie hätten, sie, die Frauen, ihrerseits das Recht auf Polyandrie haben sollten. Der Colonel nannte die Sache unmöglich, da „die Frauen viele Mühen tragen wie die Menstruation, die Schwangerschaften, die Kinder. Darüber hinaus sich noch um mehrere Männer zu kümmern, sei praktisch undenkbar.“ Er meinte auch, dass eine Frau bei mehreren Männern nicht den Vater ihrer Kinder kennen könne. Auch mehrere Männer meldeten sich zu Wort, einige um ihre Erfahrungen mit der Polygamie vorzutragen, andere um ihren Wunsch nach nur einer Frau auszudrücken. Keine der in Polygamie lebenden anwesenden Frauen, die jüngste Frau des Colonel eingeschlossen, gab ihrer Meinung zu diesem Thema Ausdruck trotz des Interesses der Zuhörer, sie anzuhören.
Wenn die Polygamie durch die Religion erklärt werden kann, muss man darauf hinweisen, dass sie etwas Besonderes im Senegal darstellt, da sie nicht von allen Moslems auf der Welt praktiziert wird. Sie ist vielleicht eher ein Brauch als eine religiöse Vorschrift und ein „göttlicher Wille“ wie es M. Gueye bekräftigte. Letzterer kann sich glücklich schätzen, dass seine Ehe relativ reibungslos verläuft, denn viele polygame Verbindungen laufen oft nicht gut und haben manchmal katastrophale Folgen.
lesoleil Gabrielle BRASSARD-LECOURS (Stagiaire)

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