Germanwatch
Neues EU-Fischereiabkommen mit Senegal wird Existenzbasis senegalesischer Kleinfischer gefährden
Drastischer Widerspruch zwischen EU-Fischerei- und Entwicklungspolitik
Bonn, 10.04.97: Das neue Fischereiabkommen zwischen der EU und dem Senegal, das Montag vom Ministerrat verabschiedet wird, mißachtet die grundsätzlichen Forderungen der senegalesischen Kleinfischer und das Grundrecht der Küstenbevölkerung nach Nahrung. Im Rahmen der gemeinsamen europäischen Fischereipolitik schließt die EU Abkommen mit Entwicklungsländern ab, um - gegen Entschädigung - Zugriff auf deren Fischvorkommen zu sichern. Europäische NROs haben dies wegen Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit schon vor Monaten kritisiert. Aufgrund der Überfischung bei den senegalesischen Bodenfischarten wurde im November letzten Jahres eine Reduzierung der europäischen Fänge in senegalesischen Hoheitsgewässern von 13.500 auf 2.000 Bruttoregistertonnen (BRT) diskutiert, damit sich die dezimierten Bestände wieder erholen können. Jetzt wurde die fünfach höhere Menge von 10.000 BRT vereinbart. In der 12-Meilen-Zone sollen künftig keine Schiffe mit über 150 BRT (vorher 300 BRT) zugelassen werden. Dies ist keine substantielle Verbesserung, da die einheimischen Fischer nach wie vor in der 12-Meilen-Schutzzone mit EU-Schiffen konkurrieren müssen. Zum ersten Mal ist der EU auch das Fischen freischwimmende Fischarten wie Makrelen erlaubt, deren Quote auf 25.000 Tonnen festgesetzt ist. Dies stellt einen zusätzlichen Druck auf die Fischressourcen dar. 22 europäische Schiffe erhalten eine Lizenz für freischwimmende Arten. Ein großer Trawler fängt schon allein 3.000 Tonnen während eines drei-bis vierwöchigen Fischfangs. Die hohe Zahl der Lizenzen trägt den Keim des Mißbrauchs in sich, denn die notwendigen Kontrollmaßnahmen können vom Senegal derzeit nicht geleistet werden.
Die zu hohen Fangrechte für europäische Trawler und ihr Zugang zu den Küstengewässern bedroht die traditionelle senegalesische Fischerei und gefährdet die Lebensgrundlage ganzer Regionen. Die senegalesische Fischerorganisation Fenagie/Peche reagierte alarmiert: "Seid nicht überrascht, wenn Ihr innerhalb von sechs Monaten oder einem Jahr hört, daß im Senegal eine Hungersnot herrscht und, daß die Fischer monatelang keine pelagischen Fische anlanden!" Der Verband forderte die an der europaweiten Kampagne für faire Fischereiabkommen beteiligten Nichtregierungsorganisationen dazu auf, ihren Kampf gegen die unverantwortliche und unnachhaltige Fischereipolitik der EU fortzusetzen. GERMANWATCH fordert dringend, einen bindenden Verhaltenskodex für verantwortungsvolle Fischereiabkommen aufzustellen.
Die senegalesische Regierung erhält dem neuen Abkommen zufolge für die der EU eingeräumten Zugangsrechte zu ihren Gewässern finanzielle Kompensationszahlungen von 16 Millionen ECU. Davon werden alleine 4 Millionen aus den Mitteln der europäischen Entwicklungszusammenarbeit bezahlt. Deutlicher kann der Widerspruch zwischen europäischer Fischereipolitik und Entwicklungspolitik nicht gemacht werden. Entwicklungsgelder werden dazu benutzt, um europäischen Trawlern den Zugang zu den Beständen der senegalesischen Kleinfischer zu ermöglichen. Dies kann nicht akzeptiert werden, solange nicht garantiert ist, daß die Gelder wirklich zur Entwicklung des Fischereisektors eingesetzt werden und nicht wie bisher in den allgemeinen Staatshaushalt fließen! Der handwerkliche Fischereisektor im Senegal liefert 80% des Fischs für den einheimischen Verbrauch, deckt 60% des Proteinbedarfs der Bevölkerung, beschäftigt über 250.000 Menschen und ist ein wichtiger Devisenbringer, da er bis zu 50% der Fischexporte tätigt.
Dr. Rainer Engels (GERMANWATCH) fragt: "Sind vom Welternährungsgipfel nur leere Worte geblieben?" Er fordert, noch folgende Änderungen am Senegal-Abkommen vorzunehmen: 1. Die Fangmenge für Bodenfischarten muß auf 2.000 BRT reduziert werden. 2. Der Fischfang in der 12-Meilen-Zone muß für alle europäischen Schiffe verboten werden. 3. Die Quote für freischwimmende Fischarten muß wieder gestrichen werden. 4. Die Bindung der vier Millionen ECU an Entwicklungsprojekte im Fischereisektor muß garantiert werden!
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2. PROJEKT-INFO (Solidarische Welt Nr. 165, März 1999, S.9f)
"Bokk Jom Takku Liggeye" heißt: Zusammenarbeiten
Ein Projekt für junge Mädchen in Thiaroye, Senegal
Wer sich im Senegal aus dem dürregeplagten Landesinneren in die Hauptstadt Dakar aufmachen will, stellt sich an die einzige Straße, die Dakar mit dem Hinterland verbindet und läßt sich mitnehmen. Aber nicht jeder kommt am Ende auch in Dakar an. Viele Glücksritter stranden schon in den zahlreichen "shanty-towns" und Vororten der größeren Städte, die überall in Westafrika aus dem Boden schießen. Für viele Menschen haben sich diese Spontansiedlungen nicht als das Gelobte Land erwiesen. Nicht einmal als ein Land. in dem man es besser hat. Thiaroye ist eine solche Spontansiedlung im Großraum Dakar. Ebenso wie in den ländlichen Gebieten gibt es auch dort kaum Arbeit. Bevölkerungswachstum, Bodenerosion und die daraus resultierende Migration bewirken, daß die Lebensbedingungen in den peripheren Vierteln von Dakar oft noch härter sind als in einigermaßen funktionierenden Dörfern.
Kriminalität, Drogen, Prostitution
Wenn die Männer keine Arbeit finden, müssen am Ende oft die Frauen die ganze Familie durchbringen. Und afrikanische Familien sind nicht klein. Stundenlange Arbeit, um über die Runden zu kommen, erniedrigt den Status der Frauen. Und auch die Mädchen müssen im Gegensatz zu ihren Brüdern den ganzen Tag mitarbeiten und auf ihre kleineren Geschwister aufpassen, So können immer mehr Mädchen die Grundschule nicht beenden oder aufgrund wachsender Armut gar nicht erst besuchen. Und wenn der Vater abwesend ist und die Mutter die Familie durchbringen muß, brechen nicht selten die Familienbande endgültig auseinander. Die Familie verliert die Kontrolle über die Mädchen. Ohne feste Arbeit, oft auch ohne Perspektive und vom Dorfverband entwurzelt, geraten sie leicht mit den sozialen Normen in Konflikt. Armut und unerfüllte Bedürfnisse tun ein übriges. Die Folgen: Diebstahl, Drogen, Kriminalität, Prostitution. Ein Teufelskreis.
Erfindungsgeist ist notwendig
Der Staat ist bankrott und finanziert kaum noch Sozialprogramme. Staatliche Unterstützungsprogramme sind ebenso selten wie Kindergartenplätze, Schulen und Lehrstellen. Die staatlichen Schulen sind hoffnungslos überfüllt. 40% der Kinder erhalten überhaupt keine Ausbildung. Das Desinteresse dere Regierung zeigt sich auch darin, daß die Kinder immer noch auf Französisch, und nicht in der lokalen Sprache Wolof unterrichtet werden. Selbst das Sozialzentrum von Thiaroye steht seit Jahren leer. Und hier haben einige Frauen 1992 beschlossen, dem Fehlschlagen staatlicher Unterstützungsprogramme durch eigenen Erfindungsgeist entgegen-zuwirken. Sie haben also die "Schule von morgen" erfunden. Und diese Schule heißt "Bokk Jom, Takku Liggeye", das bedeutet in Wolof soviel wie: "zusammenarbeiten". "Bokk Jom, Takku Liggeye" ist ein Ausbildungsprojekt für junge Mädchen, die durch eine basisorientierte Ausbildung Fertigkeiten erlernen möchten, die ihnen später ein weitgehend selbstbestimmtes, unabhängiges Leben ermöglichen. In Eigeninitiative, aber auch in Kooperation mit den Behörden, erhalten dreißig Mädchen über einen Zeitraum von drei Jahren eine praxisorientierte Ausbildung in Haus-und Landwirtschaft: Stoffefärben, Nähen, Kochen, Gemüseanbau und Hühnerhaltung, aber auch handwerkliche Fertigkeiten wie Holz- und Metallverarbeitung. Buchhaltung und Verwaltung, Hygiene- und Familienplanungskurse stehen auf dem Stundenplan. Gleichzeitig und begleitend lernen die Mädchen lesen und schreiben. Und damit der praktische Nutzen groß ist, wird hier auch in Wolof, der Landessprache, unterrichtet. Und nicht nur in Französisch.
Praxis ist gefragt
Man sieht gleich, daß bei Bock Jom Takku Liggeye eine handfeste praktische Ausbildung einer schwammigen Seminarreihe vorgezogen wird. Die Ausbildung soll bei der beruflichen und sozialen (Wieder-) Eingliederung der Mädchen helfen und sie in Gruppen an ihrem Wohnort organisieren. Die Gartenbautätigkeit übrigens wird von den Jungen durchgeführt und erfülll den Zweck, eine Beziehung zu den verlorenen ländlichen Tradition zu vermitteln. Aber zum wirklichen Funktionieren des Ausbildungsprojekts gehört eine Betreuung der jüngeren Geschwister der Schülerinnen. Der Kindergarten und die Grundschule für Kinder ab fünf Jahren ist daher ein eng mit der Mädchenausbildung verbundenes Projekt. Denn viele der Mädchen stammen aus sehr kinderreichen Familien und werden teilweise permanent als Kinderhüterinnen eingesetzt. Sie hätten sonst von vornherein nicht an der Ausbildung teilnehmen können. Jetzt können die Mädchen ihre jüngeren Geschwister morgens zur Schule mitnehmen und dann in ihre Ateliers gehen, um mittags gemeinsam wieder mit ihnen zurückzukehren. Zwar besuchen alle Kinder die Schule und den Kindergarten zum Vorzugstarif, aber die Tarife sind ohnehin symbolisch. Leider können aber auch die Lehrer nur symbolisch entschädigt werden, und deshalb ist der Fortbestand der Schule noch nicht sicher gewährleistet. Die Lehrer müssen gegenwärtig zusätzlich zum Schuldienst auch nebenberuflich tätig sein. um das Überleben ihrer eigenen Familien sichern zu können.
Neue ASW-Finanzierung
Die finanzielle Unterstützung der ASW ermöglichte bisher vor allem die Instand- setzung und Grundausstattung der seit Jahren leerstehenden Schule mit Tischen, Stühlen. Bänken. Schränken und Arbeitsmaterial. Dazu kommt der Aufbau der technischen Berufsbildungsprogramme durch materielle Ausstattung der Bereiche Stoffe-Färben. Nähen, Schneidern, Handarbeit, Häkeln, Stricken und Friseurhandwerk. Kürzlich wurden weitere Spendengelder bewilligt, um die Entlohnung der Lehrerinnen und Betreuerinnen zu gewährleisten, damit die ausgebildeten Mädchen später in der Lage sind, ihre Kenntnisse an Mütter, Schwestern und Kinder weiterzugeben. Schon jetzt beginnen die Mädchen, die im Zentrum eine Ausbildung erhalten, als Multiplikatorinnen oder Beraterinnen in ihrer Umgebung aktiv zu werden. Auch bei den Erwachsenen kam es durch den Zusamenschluß und das gemeinsame Projekt zu einer Stärkung der gegenseitigen Hilfe, insbesondere gegenüber sozial benachteiligten Frauen, für die man beispielsweise Hilfe beim Bau von Hütten organisierte, damit die Wohnräume die Regenzeit besser überstehen. Heute gibt es Beziehungen der Freundschaft und der Solidarität zwischen den Frauen und den Mädchen, die in den verschiedenen Quartiers wohnen und sich im Schulprojekt mit gemeinsamen Zielen wiederfinden. Sie diskutieren sowohl im Zentrum als auch in den Wohnbezirken gemeinsam über Probleme von Erziehung, Gesundheit und Hygiene oder elterliche Verantwortung. Auch wenn die existentiellen Probleme der Familien oder die Probleme des täglichen Lebens längst nicht gelöst sind, so muß man doch anerkennen, daß die Unterstützung durch ASW bei der Erziehung und Ausbildung der Kinder enorm geholfen hat. Sah sich die Bevölkerung bisher durch das Fehlen jeglicher staatlicher finanzieller Mittel alleingelassen, so sehen die Frauen jetzt den Fortschritt, für den sie selbst und ihre Kinder der Motor waren.
"Ein Erzieher aus Fleisch und Blut"
Und alle sind mit Begeisterung bei der Sache. Es herrscht ein idealistischer und äußerst engagierterGruppengeist. Der frühere Leiter des Sozialzentrums, Herr Kairé, ist jetzt als Koordinator und pädagogischer Leiter für die Selbsthilfeaktionen der Frauen tätig. Er gilt als "wirklicher Erzieher mit Fleisch und Blut, der ernsthaft und mit Überzeugung seine Aufgaben erfüllt". Er hat mit einigen engagierten ehrenamtlichen Helfern die Schule aufgebaut, das Mobiliar herstellen lassen und die Lehrkräfte gesucht. Lehrkräfte nämlich, die gut ausgebildet und dabei idealistisch genug sind, für ein symbolisches Anerkennungsgeld die Kinder jeden Tag acht Stunden lang zu unterrichten. Auf Herrn Kairés Wirken ist es auch zurückzuführen, daß sich Schneider des Viertels bereit erklärt haben, ein oder mehrere Mädchen nach ihrer Grundausbildung als Lehrlinge zu übernehmen. Herr Kairé ist ein praktischer Mann. Er hat den ausbildenden Handwerkern vorgeschlagen. ihr Atelier doch gleich auf dem Gelände von "Bokk Jom, Takku Liggeye" aufzumachen. Das hat den doppelten Vorteil, daß die Handwerker motivierter sind und auch die Lehrlinge gleich den Erfolg ihrer Arbeit sehen können. Um den Verkauf der selbstgefertigten Waren anzukurbeln, will man in der ersten Zeit einen Marktstand mit den fertigen Produkten an die Straße nach Dakar stellen, bis der Kundenkreis groß genug ist und von selber bis zur Schule kommt.
Marieke Brandt
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3. PROJEKT-INFO (Solidarische Welt 158, Juni 1997, S.21)
Tag des Lesens. Die Bildungsarbeit der Gruppe ASAFODEB im Senegal
Für die drei abgelegenen Dörfer Keur Fara, Goth und Birbirane war der "Tag des Lesens" von besonderer Bedeutung, denn die Bevölkerung hatte bisher wenig Möglichkeiten, an Ausbildungsprogrammen teilzunehmen. Manchmal gingen die Leute, insbesondere die Frauen, in benachbarte Orte, um dort an Alphabetisierungsklassen teilzunehmen. Aber die langen Fußwege waren anstrengend, ganz zu schweigen von der Hausarbeit, die danach noch auf die Frauen wartete. Im Oktober 1996 führte die Organisation ASAFODEB den "Tag des Lesens" ein, und was es da in der Bibliothek - einer transportablen Kiste mit rund fünfzig Broschüren, Heften und Büchern - zu lesen gab, ist für die Bevölkerung von größtem Interesse: Broschüren zur Gesundheit von Mutter und Kleinkind, zu Hygiene- und Ernährungsfragen, aber auch zur Anlage von Gemüsebeeten und Kleintierhaltung, über Umweltzerstörung und Aufforstung und Spar- und Kreditprogramme.
Allerdings bedurfte es intensiver Vorbereitungen, um den "Tag des Lesens" zum Erfolg werden zu lassen. Damit er keine Eintagsfliege wird, sollten langfristige Alphabetisierungskurse initiiert werden. Vorab waren den Dorfverantwortlichen die Inhalte der Kurse erklärt und erstes Material verteilt worden, um die Zusammenarbeit zu gewährleisten. Und natürlich mußten auch die Trainer, die die Kurse in den Dörfern durchführen sollten, entsprechend ausgebildet werden. Nicht zuletzt wurden die Unterrichtsmaterialien in den sechs senegalesischen Nationalsprachen von ASAFODEB entwickelt.
Mehr als Alphabetisierung
Bildungsprogramme im Senegal sind notwendig: Die Zahl der Analphabeten in der Bevölkerung ist im Senegal mit ca. 70% der über 15-jährigen noch immer extrem hoch. So zielt der Arbeitsansatz von ASAFODEB also einmal auf die Hebung des Bildungsstandes ab. Zum anderen werden die Teilnehmerinnen in ihren ökonomischen und sozialen Initiativen oder Selbslhilfeaktivitäten begleitet und betreut. Bildungsinhalte und Aktion greifen ineinander. Vor allem Frauen, die früher nicht zur Schule gehen konnten, nehmen heute an den Ausbildungsprogrammen von ASAFODEB teil und verbessern damit ihre soziale Stellung in der Familie und der Gemeinschaft. Ihr neu erlerntes Wissen können sie in ihrem täglichen Leben sofort sinnvoll anwenden, bei Gesundheitsfragen, Ernährung, Erziehung usw.
Probleme mit dem Erntezyklus
Als die Kurse in den Dörfern Keur Fara, Goth und Birbirane endlich beginnen solllen, äußerten die Frauen angesichts der noch andauernden Feldarbeiten den Wunsch, doch noch bis zum Ende der Regenzeit zu warten. Dann nahmen in jedem Ort etwa zwanzig Frauen regelmäßig teil. Nur zur Erntezeit bröckelte die Zahl der Teilnehmerinnen ab. Insgesamt 75 Frauen nahmen an den drei ersten Kursen für Lesen, Schreiben und Rechnen in ihrer eigenen Sprache teil. Die Fortschritte sind trotz der enormen Schwierigkeiten gut, die die Frauen haben, wenn sie neben den Haushalts- und Feldarbeiten noch Alphabetisierungskurse besuchen wollen. Mehr als 70% der Lernenden haben in der Anfangsphase bereits ein gutes Niveau erreicht. In einer zweiten Phase sollen weitere Ziele in den Lehrplan aufgenommen werden, zum Beispiel einfache Kassenführung, Planung und Organisation von ökonomischen Aktivitäten, Gedanken über nachhaltige Entwicklung.
Einbeziehung des ganzen Dorfes
Nicht zuletzt sollen die Kurse die gesamte Dorfbevölkerung einbeziehen, wenn es beispielsweise um den Bau eines neuen Dachs, um den Kauf von Material für den Unterricht oder die Gründung eines Alphabetisierungs-komitees geht. Sieben einfache Dorfbibliotheken wurden von ASAFODEB gegründet. Ein Teil der Bücher und Broschüren ist in mehreren Exemplaren vorhanden und wird auch zum Kauf angeboten. Damit wird nicht nur eine Bibliothek, sondern auch eine Mini-Buchhandlung angeboten. Eine besondere Bibliothek wurde auf einem der großen Bauernmärkte in der Provinzhauptsladt Thiès errichtet. Hier können alle Broschüren in den verschiedenen Nationalsprachen ausgeliehen und gekauft werden. Die Bibliothek auf dem Markt ist auch ein Lesezentrum für die Öffentlichkeit, für alle, die Informationen über Themen wie Umwelt oder Gesundheit suchen. Hier werden auch Zeitungen angeboten, in französisch und auch in den nationalen Sprachen.
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4. PROJEKT-INFO aus "Solidarische Welt" 164, Dez. 1998, S.23
Entwicklung von unten Regionalplanung durch die Gruppe CIRPED, Senegal
CIRPED, das Zentrum der Initiativen und bäuerlichen Recherchen für Umwelt und für standortgerechten Landbau, arbeitet in der Region Koungheul im Osten des Senegal, wo seit Kolonialzeiten Erdnüsse in Monokultur angebaut werden. Es ist unter anderem CIRPED zu verdanken - mit Kredit- und Bildungsprogrammen zu alternativen Einkommensmöglichkeiten (vgl. SW 156) - dass diese Monokulturen zurückgedrängt werden konnten und der Erdnussanbau heute nur noch auf Platz vier hinter Kolbenhirse, Mais und Rispenhirse rangiert. Zur Zeit unterstützt ASW die Gruppe bei der Ausarbeitung und Umsetzung eines regionalen Entwicklungsplans.
Neue Rechte, neue Lasten
Seit einiger Zeit haben die Lokalverwaltungen im Senegal größere Autonomie und die Bevölkerung mehr Beteiligungsmöglichkeiten in der lokalen Politik - ein zweischneidiges Schwert, denn mit der Gewährung größerer Eigenständigkeit für die Kommunen entzog ihnen der Staat auch einen Teil der finanziellen Unterstützung. Mit dieser neuen "Freiheit" tun sich sowohl die kommunalen Verwaltungen als auch die Landbevölkerung noch schwer. CIRPED versucht in Zusammenarbeit mit den Landbewohnern auf systematische Weise die lokalen Probleme, deren Ursachen und Lösungsmöglichkeitcn herauszuarbeiten, um eine koordinierte, an den Interessen der Bevölkerung orientierte Entwicklung voranzubringen. DIOBASS nennt sich der methodische Ansatz" der von CIRPED zur partizipativen Situationsanalyse verwandt wird. Mit dieser Methode wird durch eine effektive Nutzung der vorhandenen Kenntnisse und durch den Austausch von Wissen eine positive Veränderung der bisherigen Lebensbedingungen angestrebt. Dabei findet die Einbeziehung von Tradition und den damit verbundenen kulturellen Werten in den Meinungsbildungsprozeß große Beachtung.
Breites Themenspektrum------
In einer Regionalanalyse unter wesentlicher Beteiligung der Bevölkerung hat CIRPED eine Bestandsaufnahme der letzten zehn Jahre bis zur aktuellen Situation erarbeitet: Ein kleiner Zensus erfaßt die Dorfbevölkerung samt ihrer Religions- und ethnischen Zugehörigkeit. Agrarstatistiken benennen die Entwicklung der Anbauflächen und der Erträge, der Viehbestand wurde aufgelistet und die natürlichen Ressourcen (Bodentypen, Weideflächen, Felder) bewertet. Auch die vorhandene Infrastruktur - von Gesundheitsposten, kleinen Läden, Getreidemühlen bis zu Brunnen und Schulen - wurde vollständig aufgenommen. In CIRPED-Seminaren wurden von Arbeitsgruppen Vorschläge zur Verbesserung der Lebenssituation in 35 Dörfern ausgearbeitet. Das Themenspektrum war breit gestreut: Waldzerstörung, Malaria und Durchfallerkrankungen, Analphabetismus, Wassermangel, marode Lagerschuppen oder fehlende Freizeitmöglichkeiten für die Jugendlichen waren nur einige der Themen. Eine der Arbeitsgruppen beschäftigte sich beispielsweise mit der mangelhaften Ausrüstung im Ackerbau: Zum einen fehle es an Krediten und Hilfsmitteln von Seiten des Staates, andererseits mangele es aber auch an der Kooperation unter den Bauern, zum Beispiel beim gemeinsamen Kauf von Werkzeug und Maschinen. Nach dieser Analyse wurde aus der Arbeitsgruppe heraus ein Komitee gegründet, mit dem Ziel, die Mittel von Mitgliedern der Initiative zu verwalten, zusätzliche Kredite und die gemeinsam benötigte landwirtschaftliche Ausrüstung zu beschaffen.
Vom Plan zur Aktion
Nicht alle Gruppen reagierten mit solchem Handlungswillen. Bei einigen blieb der Ansatz in der Problemanalyse stecken. Hier haben CIRPED und seine Mitarbeiterinnen noch Arbeit vor sich, damit der Problernerkennung auch gemeinsam getragene und realisierbare Lösungsinitiativen folgen. Bei anderen Problemlagen - zum Beispiel bei der Wiederherstellung und dem Schutz der natürlichen Umwelt - ist eine Zusammenarbeit mit Behörden notwendig, um den Entwicklungsplan umzusetzen. Wichtigster Bestandteil dabei ist die Einrichtung von sieben lokalen Baumschulen sowie die Ausbildung von fünfzig Personen für jede Baumschule. Die ASW möchte Spendengelder zur Verfügung stellen, damit das Engagement der Bäuerinnen und Bauern und die von ihnen erarbeiteten Pläne auch in die Tat umgesetzt werden können.
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5. Solinger Tageblatt vom 11.12.1997
Weiß gleich Solinger - Journalist aus Thiès war zu Gast im ST-Haus (w.p.g.)
"Ich bin von Solingen überrascht: Ich hatte es mir viel kleiner und weniger modern vorgestellt. Und die Stadt wirkt so sauber, weil man sich offenbar um die Umwelt kümmert." Ben Barreck Diagne ist zu Hause leider anderes gewöhnt: Er kommt aus der Stadt Thiès im Senegal, der Solingen seit Jahren in Freundschaft verbunden ist. Von Beruf ist der 49jährige Herausgeber und Chefredakteur der "Thiès Tribune". Diese Zeitung, die zweimal im Monat in einer Auflage von 3000 Stück für Thiès und Umgebung erscheint, hat Diagne im Mai 1996 gegründet. Leben kann er davon noch nicht, weshalb er auch noch als Repräsentant der Staatlichen Lotto-Gesellschaft tätig ist. Zukunftschancen sieht der Solingen-Besucher im Druckerei-Bereich. In seiner Heimatstadt gibt es Textilindustrie, Chemiebetriebe, eine Eisenbahndirektion und die Stadtverwaltung: Sie alle brauchen Formulare und jede Menge anderer Drucksachen, beziehen diese aber zur Zeit noch aus Dakar. "Es wäre sehr interessant, in Thiès mit einer gebrauchten Maschine eine Druckerei aufzumachen", sagt Diagne. Beim Besuch im ST-Haus war er begleitet von Otmar Schick (47), dem Vorsitzenden des "Fördervereins Freundschaft mit Thiès". Die beiden Männer kennen sich seit Frühjahr 1996. Der Solinger zeigte dem Senegalesen hiesige Sehenswürdigkeiten. Er arrangierte auch einen Treff mit jungen Leuten aus Thiès, die sich in Solingen aufhalten. Zum Wirken des Fördervereins steuert der Gast eine Erfahrung bei: "Einen Weißen hält man bei uns in Thiès für einen Solinger."
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6. Welternährung 2/95, S. 15
Leuk-le-Lièvre, LionKing oder "GuneYi"- Kinderlektüre im Senegal
Barbara Schrahe / Daouda Timera"Bücher aus Europa - das ist wie eine Überschwemmung! Afrikanische Blicher erscheinen nur "au compte gouttes" - tröpfchenweise - stellt Gabriel Badji leicht resignierend fest. Achselzuckend weist er einmal über die Regale der Kinder- und Jugendbuchabteilung von "Clairafrique", einer der beiden großen Buchhandlungen in der senegalesischen Hauptstadt Dakar.
Auf den ersten Blick bietet "Clairafrique" ein reiches Angebot an Kinder- und Jugendliteratur. Beim genaueren Hinsehen fällt jedoch auf, daß die meisten Bücher aus Frankreich kommen, die Auswahl an Comics ist groß, und auch der "König der Löwen" fehlt nicht. Demgegenüber ist das Angebot an afrikanischen Büchern, auch was Umfang und Ausstattung angeht, bescheiden. Ausnahme ist der senegalesische Kinderbuch-Klassiker "La belle histoire de Leuk-le-Lievre" von Leopold Sedar Senghor und Abdoulaye Sadji, der gleich in verschiedenen Ausgaben erhältlich ist. Das Buch wird in allen Schulen des Landes gelesen, die Geschichte von der Hyäne und dem Hasen ist eigentlich eine Satire auf die französischen Kolonialherren. Jüngere Veröffentlichungen sind vor allem für den Einsatz im Schulunterricht konzipiert. "Es ist sehr schade, daß die Kinder fast keine Möglichkeiten haben, Bücher zu lesen, die in einer vertrauten Umgebung spielen und ihre eigenen Probleme behandeln" ergänzt Gabriel Badji. "So viel von unserem Wissen und unseren Geschichten geht verloren, weil die mündliche Überlieferung fehlt. Bücher sind oft schon die einzige Möglichkeit, den Kindern diesen kulturellen Reichtum zu erschließen". In seinem nächsten Urlaub möchte der ruhig und nachdenklich wirkende Mann daher selbst ein Kinderbuch schreiben.
Die Förderung von Kinder- und Jugendliteratur ist eines der Ziele der senegalesischen "Association Enfances Africaines". Um mehr über die Kinderliteraturszene zu erfahren, treffen wir uns mit Fatou Ndiaye Sow, Vize-Präsidentin der "Association" und Mitglied im International PEN Women's Commitee. Sie hat zahlreiche Kinderbücher geschrieben, von denen aber nur ein einziges veröffentlicht wurde. Madame Sow sieht zwei Hauptursachen für den Mangel an guten afrikanischen Kinder- und Jugendbüchern: "Das Schreiben von Kinderbüchern wird hier oft als nicht ganz ernstzunehmende Tätigkeit angesehen, das ist keine Beschäftigung für junge ehrgeizige Schriftsteller" erklärt sie. Mit einem großen Aurwand an Zeit und Energie versucht sie, das Interesse am Schreiben von Büchern für Kinder und Jugendliche zu wecken. Gemeinsam mit dem senegalesischen Schriftstellerverband veranstaltet sie Seminare und Workshops, übrigens auch für Illustratoren.
Die zweite Hürde auf dem Weg zum Kinderbuch ist allerdings oft noch größer. Steht das Manuskript, muß ein Verlag gefunden werden und das ist - wie Madame Sow aus eigener Erfahrung berichtet - besonders für Kinderbücher fast unmöglich. Ein Blick in den Katalog von "Nouvelles Editiones Africaines" genügt, um diese Schwierigkeiten zu bestätigen. Das letzte neue Kinderbuch brachte der Verlag aus Dakar - immerhin einer der renommiertesten im frankophonen Afrika - 1992 heraus und auch für dieses Jahr sind keine Neu-Veröffentlichung geplant. Hauptgrund für die Zurückhaltung sind vor allem die geringen Verkaufschancen. Kinderbücher sind für viele einfach unerschwinglich, das Geldreicht oft nicht für die Anschaffung der nötigen Schulbücher.
Einen Ausweg und eine neue Möglichkeit, Kinder und Jugendliche zu erreichen, hat "Enfances Africaines" bereits gefunden: Seit September 1994 erscheini die erste senegalesische Monatszeitschrift für Kinder. "Gune Yi" - "Die Kinder" lautet schlicht der Titel. Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 14 Jahren. "Gune Yi" kostet weniger als 20 Pfennig und wird landesweit an Kiosken und Bücherständen verkauft, die Auflage ist regelmäßig nach wenigen Tagen vergriffen.
Der Chefredakteur Serigne Mor Mbaye, ein Kinderpsychologe, erklärt uns mit großem Engagement das Konzept. Die Zeitschrift soll ein "offenes Fenster zur heutigen Welt sein und zugleich die Wiederentdeckung der Tradition ermöglichenTi". Folgerieriiig'iliulzwei der ach! Seiten' in Bei- Landessprache Wolof geschrieben, hier haben Tradition und Mythologie ihren Platz. Weitere Rubriken enthalten Geschichten, Spiele, Rätsel, Preisausschreiben und eigene Beiträge der jungen Leser. Umweltschutz wird angesprochen, aber auch politische Themen wie der Bürgerkrieg in Ruanda oder der Tschetschenien-Konflikt. Selbst im islamischen Senegal so heikle Themen wie AIDS werden berührt, und die Zeitung scheut sich nicht, auf das Problem der Straßenkinder hinzuweisen. Mit einer Auflage von 40.000 gehört "Gune Yi" zu den größten Zeitschriften des Landes; die tatsächliche Zahl der Lesser schätzt Serigne Mor Mbaye auf 300.000. Begeisterte Leserbriefe zeigen, dass "Gune Yi" ihre Leserschaft ins Herz getroffen hat. Vor allem zeigt der Erfolg auch, dass ein großes Interesse an Gedrucktem besteht.
In Zukunft möchte Monsieur Mbaye spezielle Ausgaben für die einzelnen Provinzen Senegals mit einigen Seiten in der jeweiligen Regional-Sprache produzieren, Vorerst ist es jedoch das wichtigste Ziel, die Original-Ausgabe zu sichern. Hohe Papierpreise sind das größte Problem, momentan verdankt die Zeitschrift ihr Überleben der Tatsache, daß über die Hälfte der Auflage in Benefiz-Abonnements zum doppelten Preis verkauft wird. Weitere Benefiz-Abonnemens wären "Gune Yi" und - vor allem ihren jungen Lesern und Lesern zu wünschen. Schließlich hat das erfolgreiche Konzept schon Nachahmer gefunden, auch in Burkina Faso wird es bald eine Zeitschrift à la "Gune Yi" geben.
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9.Wetzlarer Neuen Zeitung, 20.10.1997
Mit einem Unwetter hat es begonnen
Wetzlarer helfen Dorf im Senegal
Urlaub im Club Aldiana, 120 km südlich der Hauptstadt Dakar im westafrikanischen Senegal, ist seit 25 Jahren ein Begriff des europäischen Tourismus - Erholung vom Alltagsstress, auch mit außergewöhnlichen Aktivitäten. Unvergessen bleibt eine "Savannenwanderung" mit 17 Personen, an der auch der bis vor 2 Jahren in der Wetzlarer Helgebachstraße praktizierende Arzt Dr. Karl-Heinz Schneider mit Ehefrau Helga teilnahm. Aufbruch bei bester Witterung, Erkundung der Flora und Fauna. Nach einer Stunde überraschte ein heftiges Gewitter mit Sturm und sintflutartigem Regen die Exkursionsgruppe. Unweit des Standortes öffnete sich die "Schranke", ein provisorisch positionierter Tamarindenbaum, zu einem urwüchsigen Senegaldorf. 200 Einwohner leben dort in 21 rundlichen Holzhütten mit Reetdächern, ohne Strom- und Wasserversorgung. Spontan wurde die Reisegruppe in zwei Hütten untergebracht. In einer Hütte lebten ein Mann mit zwei Frauen und deren neun Kinder auf 10 qm Fläche. Ein breites Lager diente Schlaf- und anderen Bedürfnissen, ein Grill glimmte neben spärlichem Inventar. Im Touristendeutsch wurde die Gruppe belehrt, daß "Frauen Kinder machen müssen, um später Eltern zu füttern, weil keine Versicherung". Nach einer Stunde Stehkonvent drückten die Wassermassen die Reetritzen immer weiter auseinander; die neue Situation zwang zur Aufgabe mit der Parole "zurück zum Club". Die Dorfstraße, gestampfter Lehm, war jetzt ein reißendes Gewässer. Bis zu den Kniegelenken im Wasser "ruderten" die Touristen "flußabwärts", Kleidung hochgestrippt, Foto und Videokamera um den Hals geschnürt. Gewaltige Wassermassen, Blitze, Donner, Geschrei - die Schwelle einer Panik war erreicht. Der Galaabend im Club bot Gelegenheit, die Ereignisse des Tages umzusetzen in eine von Helga Schneider organisierte Spendenaktion für die liebenswürdigen Menschen in Nianing Peulh. Am nächsten Tag überreichte Dr. Karl-Heinz Schneider im Dorf unter großem Jubel Kleidung, Nahrung, Medikamente und eine stolzen Geldbetrag. Ein Stapel Adressen wurden ihm übergeben mit der Bitte, sich noch lange zu erinnern an viel Regen und guten Tee. Dr. Schneider und seine Frau Helga setzen inzwischen die "Aktion Senegal" von zu Hause aus fort. Viele Sendungen sind unterwegs, Pakete werden geschnürt. Verwandte, Freunde, ehemalige Patienten und alle, die sich angesprochen fühlen, tragen ein Schärflein zur Linderung der Not und zur Heilung vieler Kranken im Senegal bei.
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10.Oikocredit-Projekte ARAF, Senegal:
Ein paar Pfennige in der Woche für ein Darlehen von 10 Dollar
Im November 1996 bewilligte Oikocredit ein Darlehen von 1,45 Millionen Franc (USD 277.000) an die "Association Régionale des Agriculteurs de Fatick" (ARAF) im Senegal für den weiteren Ausbau ihrer Saatgutbank und ihrer Mikrokredit-Aktivitäten in der trockenen Region Fatick. ARAF ist ein eindrucksvolles Beispiel für eine Basis-NGO, die durch Engagement von Menschen und Mobilisierung von Ersparnissen einen Weg aus schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen in die Eigenständigkeit sucht. Die Region Fatick im östlichen Senegal grenzt an die Sahara. Bei Regenfällen von durchschnittlich 500 mm jährlich bauen die BäuerInnen in der Region hauptsächlich Erdnüsse und Baumwolle für den Verkauf und Getreide wie z.B. Hirse und Mais für den Eigenbedarf an. Die Landwirtschaft ist in Fatick nur zu bestimmten Jahreszeiten möglich, und in der Trockenzeit gehen die Männer in die Städte oder ziehen mit ihren Viehherden auf der Suche nach Weideflächen in andere Gegenden, während die Frauen sich mit Getreidehandel oder Schafzucht beschäftigen. Selbsthilfe ARAF wurde 1979 von der Bewegung junger katholischer LandwirtInnen gegründet und hat sich inzwischen zu einer BäuerInnenorganisation entwickelt, in der die verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen in der Region Fatick vertreten sind. Heute hat ARAF 2.600 Mitglieder, die in Basisgruppen in 82 Dörfern organisiert sind. Hauptziele von ARAF sind die Entwicklungsförderung in der Region und die Bekämpfung der Landflucht, die Gründung von Basisgruppen nach dem Prinzip der Selbsthilfe und die Schulung und technische Unterstützung der Mitglieder. ARAF betreibt sowohl erwerbsorientierte Aktivitäten als auch soziale Entwicklungsarbeit. Letztere wird von internationalen Hilfswerken unterstützt und umfaßt Investitionen in die Wasserversorgung, Getreidemühlen und sonstige soziale Infrastrukturmaßnahmen, aber auch Alphabetisierung und Gruppenschulungen. Das Darlehen von Oikocredit ist für den Ausbau von zwei erwerbsorientierten Aktivitäten bestimmt, die von den BäuerInnen initiiert wurden: Saatgutbanken und Spar- und Kreditfonds in den Dörfern. Die Organisation betreibt 6 Getreidesilos und hat 22 Dorfkassen eingerichtet. Dabei handelt es sich um Spar- und Kreditfonds in den Dörfern, die von den Mitgliedern selbst verwaltet werden.
Getreidesilos
In einer Region, in der es nur unregelmäßig regnet und die Ernteerträge von Saison zu Saison stark variieren, ist es von entscheidender Bedeutung, rechtzeitig über eine zuverlässige Quelle für qualitativ hochwertiges Getreide- und Erdnuß-Saatgut zu verfügen. Deshalb betreibt ARAF 6 Getreidesilos. Das Saatgut wird während der Erntezeit im November und Dezember ausgewählt und eingekauft, gegen Krankheiten behandelt und dann zur Zeit der Aussaat an die BäuerInnen verkauft. So können diese Saatgut von guter Qualität zu einem fairen Preis kaufen und sind nicht mehr von Mittelsleuten abhängig, die hohe Spekulationsgewinne einstreichen, wenn es Zeit zum Säen ist und alle Saatgut brauchen, egal was es kostet. Dank der Getreidesilos können die ARAF-Mitglieder ihr Getreide lagern und damit angemessene Gewinne erzielen, die zur Rückzahlung des Darlehens und zur Finanzierung anderer Entwicklungsaktivitäten verwendet werden können.
Spar- und Darlehensprogramm der Frauen
Die Spar- und Darlehensfonds in den einzelnen Dörfern wurden ausschließlich von Frauen eingerichtet, die durchschnittlich 25 FCFA, das sind ca. 5 US Cent pro Woche, sparen. Von dem gesamten Sparaufkommen werden an die Mitglieder einmonatige Darlehen von jeweils 10 USD vergeben. Ein erstaunliches Merkmal dieser Dorf-Fonds ist, daß zwar Männer und Frauen dort sparen dürfen, aber nur Frauen Darlehen erhalten. Ein gewisser Gruppendruck unter den Frauen hilft, Kreditausfälle zu verhindern. Die Rückzahlung der Darlehen erfolgt jeweils am Monatsende auf einer öffentlichen Versammlung des ganzen Dorfes. Um zusätzliche Sicherheit zu bieten, werden die Spareinzahlungen der einzelnen Mitglieder in ein Kassenbuch eingetragen und in einem Tresor aufbewahrt, der 6 verschiedene Schlösser hat. Die 6 Schlüssel werden von 6 verschiedenen Personen verwahrt, der Tresor selbst von einer siebten Person.
Vergabe von Darlehen
Das Oikocredit-Darlehen soll den Dorf-Fonds die Vergabe von mehr Darlehen ermöglichen. Außerdem besteht Bedarf für Kredite mit längerer Laufzeit, mit denen die gesamte Anbauperiode von der Aussaat bis zur Ernte abgedeckt wird. Für diese längerfristigen Darlehen wird ARAF einen Zinssatz von 14% für eine Laufzeit von höchstens 8 Monaten erheben. Kredite werden an die 2.600 Mitglieder aus der Region vergeben, die größtenteils nicht lesen und schreiben können. Die Mikrokredite sollen vor allem für Aktivitäten der Frauen wie Gemüseanbau, Schafzucht und Kleinhandel verwendet werden. In dieser neuen Phase sollen auch Männer Darlehen erhalten, die größtenteils zur Finanzierung von Viehzucht, Lagerung von Getreide und landwirtschaftliche Geräte bestimmt sind.
Mit Hilfe des Oikocredit-Darlehens wird ARAF seine gewerblichen Tätigkeiten erheblich ausbauen, was die Organisation vor neue Herausforderungen im Management- und Verwaltungsbereich stellt. Das auf eigenen Ersparnissen basierende Selbsthilfe-System erhält nun durch ein Darlehen von außen zusätzliches Kapital, und natürlich birgt das gewisse Risiken. Doch wenn es darum geht, arme Menschen zu erreichen, sind solche Risiken gerechtfertigt. Wenn Menschen eine umfassende Vision haben und so gut organisiert, stark und selbstbewußt sind wie im Fall von ARAF, sollte Oikocredit eine Partnerschaft mit ihnen eingehen und ihre unternehmerischen Pläne finanzieren.
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11.Welthungerhilfe Internet
Frauenselbsthilfe
Josephine Ndione ist Generalsekretärin der von ihr 1989 gegründeten Organisation GRAIF. Zusammen mit zwei Kolleginnen betreut sie senegalesische Frauenselbsthilfeorganisationen in zwölf Dörfern in der Umgebung von Thiès.
Selbsthilfe in Frauengruppen
"Wir haben noch viel mehr Anfragen, können aber nicht mehr annehmen, ohne die bestehenden Gruppen zu vernachlässigen", sagt sie. Jedes Dorf versucht auf seine Weise, die Lage zu meistern. Statt wie früher 16 Kilometer entfernt Holz zum Verkauf zu sammeln, verarbeiten beispielsweise die Frauen von Thialy heute Hirse zu Couscous und bieten ihn auf dem Markt an. Anders als früher gibt es eine Kasse mit Rücklagen für den Wiedereinkauf von Waren.
Ein Stück Sicherheit.
Das Startkapital für die Frauengruppen erhält GRAIF von der Deutschen Welthungerhilfe und der italienischen Bischofskonferenz. Mit vergleichsweise geringen Mitteln – die Deutsche Welthungerhilfe gab in einem Jahr 49.000 DM – wird einiges bewegt. Die Frauen zahlen die Kredite in kleinen Raten mit Zinsen zurück. Mit dem Geld finanziert die Gruppe neue Aktivitäten. Von einer gemeinsamen Kasse mit den Männern wollen die Frauen nichts wissen. "Ich habe mehr Vertrauen in mich selbst als in meinen Mann", stellt die Vorsitzende eine der Selbsthilfegruppen klar.
Mittlerweile werden in vier Dörfern Spar- und Kreditkassen erprobt. Parallel dazu werden die Frauen in Kommunikation und dem Aufbau gegenseitiger Handelsbeziehungen sowie energiesparender Techniken beraten.
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