Senegalesische Literatur
in deutscher Übersetzung

Mariama Bâ, Der scharlachrote Gesang. Frankfurt 1996
Mariama Bâ, Ein so langer Brief. Ein afrikanisches Frauenschicksal. Frankfurt 1996

Ken Bugul, Die Nacht des Baobab. Eine Afrikanerin in Europa. 191 S., Zürich 1991

Birago Diop, Geistertöchter. Die Geschichten des Amadou Koumba.
Aus dem Französischen von Janheinz Jahn,Christel Dobenecker, Horst Schulz;
Nachwort von Janos Riesz. 314 S., Peter Hammer, 1998

Boubacar Boris Diop, Der Cro-Magnon-Mensch. in: DU. Die Zeitschrift der Kultur.
Doppelheft Nr.12/1, Dezember 1995/Januar 1996, S.122-124,
aus dem Roman "Le cavalier et son ombre", übersetzt von Yla M. von Dach

Cheikh H. Kane, Der Zwiespalt des Samba Diallo. Erzählung aus Senegal.
193 S., Frankfurt/M. 1980

Ibrahima N'Diaye, Ndumbelaan - Märchen aus dem Senegal. Taschenbuch, Verlag Peter Gaschott, St. Ingbert, ISBN 3-00-002848-X

Ibrahima N'Diaye, "Amadou ma Amadou", Märchen aus dem Senegal, erzählt von Ibrahima Ndiaye und Hanne Kraus, 2001, Verlag P. Gaschott, ISBN 3-9807001-1-9

Ousmane Sembène, Weiße Genesis. Roman.
Aus d. Franz. von Christiane Kimmler, Hans u. Henriette Hug Oberbaum, Berlin 2000
Ousmane Sembène, Gotttes Holzstücke. Roman aus Senegal und Mali.
400 S., Lembeck 1988
Ousmane Sembène, Guelwaar. Ein afrikanischer Heldenroman.
Aus dem Französischen von Sigrid Groß
Peter Hammer, 1997, 158 S.
Ousmane Sembène, Xala. Die Rache des Bettlers.
Peter Hammer, 1997, 153 S.
Ousmane Sembène, Meines Volkes schöne Heimat. Aus dem Franz. von Werner von Grünau,
Berlin, Oberbaum, 1997. - 317 S., Lizenz des Kindler Verl., München

Léopold Sedar Senghor, Mein Bekenntnis. Leipzig 1991
Léopold Sedar Senghor, Sterne auf der Nacht deiner Haut. 1994, Hammer Verlag Wuppertal, geb.


Aminata Sow Fall, Der Streik der Bettler. 173 S., Lamuv (TB), Göttingen 1996
Aminata Sow Fall, Der Sonnenpräsident.
Aus dem Französischen von C. Panzacchi, 236 S., Lamuv 1997
Aminata Sow Fall, Die wunderbare Verwandlung des Bakar Diop.
Aus dem Französischen von C. Panzacchi,143 S., Lamuv 1998

Aminata Sow Fall
, Die Rückkehr der Trommeln. Roman.
Aus d. Französ. v. Cornelia Panzacchi, 175 S., Edition Kappa München 2001, ISBN 3932000544

Madjiguène Cissé, Papiere für alle. Die Bewegung der Sans Papiers in Frankreich. Assoziation A Verlag, Hamburg 2002,
ISBN 3924737452, Kartoniert, 223 Seiten
, Interview mit M.Cissé

Marie Ndiaye, Mein Herz in der Enge, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008 (Rezension)
Marie Ndiaye, Alle meine Freunde. Erzählungen Verlag: Suhrkamp 2006, 141 S.
Marie Ndiaye, Rosie Carpe. Roman. Verlag Suhrkamp 2005, 333 S.

Fatou Diome, Der Bauch des Ozeans. Diogenes Verlag, Zürich 2004, 274 S.

Literaturdatenbank der Uni Münster zu Senegal
Literatur (englisch, besonders über senegalesische Autorinnen)
senegalesische Literatur

 

Literatur mit Bezug auf Senegal:

Theodore Canot, Abenteuer afrikanischer Sklavenhändler. fourierverlag 2003
(Episode aus dem autobiografischen Bericht von Canot über seine Aktivitäten als Sklavenhändler zwischen 1826 und 1839) Zitate 3

André Malraux, Gäste im Vorübergehen
(Autobiographische Notizen des vielgereisten Intellektuellen und Politikers Malraux; wirken teils gewollt literarisiert und sehr auf die Bedeutung des Schreibers abgestellt) Zitate 2

Francoise Sagan, Ein Traum vom Senegal. Ullstein Verlag 1981
(Eine Reise nach Senegal wird als Ausbruchsphantasie eines kleinen Angestellten in diesem Roman von 1980 mehrfach erwähnt, aber nicht ausgeführt; Titel der französischen Originalausgabe: Le chien couchant.)

Harald Lohmann, Die Sklaveninsel Gorée. in: Zu Ehren de Malariamücke und andere Geschichten zum Nachdenken. Mit dem Frachtschiff zwischen Senegal und Kongo. Orac Verlag Wien, 1985, S.29-32 Zitate 3

Janosch, Polski Blues. Roman. Goldmann 1991, 3.Aufl., S.130
(Der polnische Jazztrompeter Zdenek Koziol alias Steve Pollak berichtet über sein Erleuchtungserlebnis in Dakar:"Erst sehr viel später wartete ich in Dakar auf einen Bus. Es war verdammt heiß, der Bus kam nicht. Ich hatte mich abseits unter einen Baum gesetzt und spielte mir auf der Mundharmonika einen einsamen Blues. Es ging so gar nichts weiter, ich war sehr tief unten und hatte Kioto längst vergessen. Da merkte ich, dass das hohe F nicht richtig war. Wasser oder Rost hatten es verändert, es lag mehr zum Fis hin. Ich kehrte immer wieder zu diesem Ton zurück, und als ich ihn einmal lang und laut durchzog - da traf es mich.
Mit einemmal riss der Vorhang auf, und ich begriff, was es war. Warum ich um die halbe Welt lief. Und eine grenzenlose freie Glückseligkeit kam über mich - es ist sinnlos, das beschreiben zu wollen.")

J.M.G. Le Clézio, Onitsha. Roman. Kiepenheuer und Witsch 1993, S.36-38
(Impressionen der Protagonisten Maou und Fintan beim Zwischenstopp in Dakar auf ihrer Schiffsreise nach Onitsha im Frühjahr 1948; Zitate 3)

Nicholas Evans, Der Pferdeflüsterer, Goldmann 1997, S.38ff
(Rückblick auf die Zeit des Kennenlernens von Annie und Robert in Senegal; Zitate 2)

Lucio Mad, Dakar-Rap. Deutsch von Martin Baltes; mit Illustrationen. Rowohlt 1999, 176 S. (schlecht geschriebener "Krimi" - langweilige Dialoge, pubertäre Sprach-Allüren und pseudo-coole Schreibe - gemischt mit Reiseeindrücken und eingestreuten Landesinformationen)

Bernhard Lassahn, Auf dem schwarzen Schiff, München 2000, S. 138ff
(ein mit den Hauptfiguren Kris und Rafi bekannter senegalesischer Matrose hat diesen seine Kabine zur Übernachtung zur Verfügung gestellt und erfährt von der Geschlechtskrankheit Rafis. Zitate 2)

Christoph Peters, Krieg
in: Kommen und gehen, manchmal bleiben. 14 Geschichten
. Frankfurter Verlagsanstalt, 1. Auflage 2001, S. 11f
(...) Als 1963 die neue Landebahn westlich von Dakar in die Savanne gebaut werden sollte, mußten an die 200 Termitenhügel gesprengt werden wie alte Fabrikschlote, so massiv waren ihre Mauern. Da die Sprengmeister jedoch den unterirdischen Teil der Nester vergessen hatten, erhoben sich bereits nach wenigen Tagen wieder zahlreiche Kuppeln, hart wie Beton. Mehrere Tankwagenladungen Insektenvertilgungsmittel waren nötig, um die Baustelle zu räumen. (...)

ders. Gold im Feuer
(In dieser Geschichte beschreibt Christoph Peters eine besonders in den touristischen Zonen Senegals bei jungen Schwarzen anzutreffende Haltung, Kontakte und Zuwendungen bei ‘Toubabs‘ durch moralischen Rekurs auf die Rolle der Weißen bei der Versklavung der Schwarzen erreichen zu wollen. Dieser Diskurs wird personalisiert, insofern der Gesprächspartner als Nachfolger der weißen Sklavenhändler mitschuldig ist und diese Schuld durch eine konkrete persönliche Sühneleistung am schwarzen Gesprächspartner mindern kann. Im Hintergrund hält der Diskurs den Rassismusvorwurf als letztes Mittel parat, falls der Gesprächspartner sich wehrt und die unhistorische Sicht und die instrumentalisierende Absicht erkennen und benennen kann. Der Diskurs ist tendenziell rassistisch; da er jedoch keine ideologische Dimension und keine weitergehenden Intentionen als unmittelbare persönliche Vorteile hat, läuft er ins Leere, sobald die pragmatischen Folgen nicht erbracht werden.
Entweder ist der Kontakt dann beendet oder er beginnt auf einer normalen Ebene.)    Zitate 2
in: Kommen und gehen, manchmal bleiben. 14 Geschichten. Frankfurter Verlagsanstalt, 1. Auflage 2001, S. 119f

Mara Kubek, Macoumbé. Afrikanische Nächte. Blanvalet, Mai 2004, 250 S.
(Die Ich-Erzählerin bzw Mara Kubek liebt schwarze Haut, besonders die des um 14 Jahre jüngeren Macoumbe, Trommler in der Crew ihres Tanzworkshops in Senegal. Im Buch erzählt sie überwiegend und ausführlich von ihrer sexuellen Obsession, ihrer Liäson mit dem schönen Senegalesen, den sie bis zum Ende des Berichtes und der Beziehung kaum verstehen lernt. Eingebunden in eine 'amour fou', beherrscht von der Begierde nach Macumbes Körper, seiner nie nachlassenden Potenz, seinem immer steifen Penis, schildert sie sehr offen die Wechselbäder von nächtlicher Leidenschaft und täglichen Verletzungen, von körperlicher Nähe und seelischer Ferne, von Momenten leidenschaftlicher Verbundenheit und Stunden tiefster Fremdheit. Dies erfolgt überwiegend ohne Distanz, als unmittelbare Vorführung ihres Gefühlslebens, so dass dem Leser ob dieser Mischung aus Naivität und Mut, Selbstbewusstsein und Abhängigkeit, Leidenschaft und Ignoranz allmählich die Lust am Lesen vergeht.
Die Beschreibung der wechselseitigen Eifersüchtigkeiten füllt viele Seiten des handlungsarmen Buches, und der Leser weiß nach kurzer Zeit, dass dem nächsten Streit, der nächsten Trennung unweigerlich ein baldiges Zusammenfinden im Bett folgen wird.
Distanzlos an ihre westlichen Verhaltens- und Gefühlsvorstellungen gebunden, versteht die Autorin weder die Aktionen ihres Liebhabers noch die kulturellen Implikationen der Schwarz-Weißen-Liebesbeziehung. Immer wieder findet sie Grund sich über das Macho-Gehabe ihres Bettpartners zu empören, ihn plump zur Rede zu stellen, ihm Vorwürfe zu machen etc. Das liest sich bald zäh, wird langweilig.
Die Autorin bleibt erstaunlich unsensibel für Land und Leute. Dass sie sich ins Alltagsleben in Dakar begibt, mit Einheimischen zusammenwohnt, hat mehr mit dem Genuss des Exotentums zu tun als mit echtem Interesse an den Menschen, die sie bis zum Ende des Buches nicht einzuschätzen weiß. Sie bleiben Randfiguren, Staffage für die Austragung eines überlangen Beziehungs-Hinundhers.
Eingebundene persönliche Bekenntnisse, Einblicke in ihre Lebens- und Familiengeschichte, Überhöhungen der Afrikareise und der schließlich frustierenden Beziehung zu einer Sinnfindungskrise machen das Buch nicht lesenswerter.
Am Schluss immerhin gelingt es Mara Kubek sich von Macoumbé, ihrer Obsession, zu lösen, - und sich in den Armen und im Bett eines anderen, verständnisvolleren Schwarzen auszuruhen...
Der Roman ist durchaus empfehlenswert für weiße Workshopteilnehmerinnen in Afrika, die an schwarzen Männern interessiert sind. LeserInnen, die etwas über Afrika oder Senegal erfahren wollen, sollten zu anderen Büchern greifen.)
Zitate 3

Gianrico Carofiglio, Reise in die Nacht. Goldmann Verlag 2006, München 286 S.
(Ein italienischer Rechtsanwalt gewinnt nach einer gescheiterten Ehe mit der Verteidigung eines des Kindesmords verdächtigen senegalesischen Straßenhändlers seine Würde zurück.)

Arnold Stadler, Ausflug nach Afrika. Dumont Speicher Köln 2006, S.72 f
(...) Dakar dagegen war ein Schock gewesen. Die Armut war zwar farbig, aber unübersehbar. Und über allem die Entwicklungshilfefirmen und Banken und Bankomaten. Doch ich konnte noch ohne Gefahr herumspazieren, was ich auch getan habe, was heute aber nicht mehr möglich ist, wie ich gehört habe. So kam ich auch auf die Sklaveninsel Goree, allerdings per Fähre. Eine Insel, die der Stadt vorgelagert ist und nun »Weltkulturerbe« der Unesco. Goree, ein holländisches Wort, war auch holländisch, damals. Auf einer Tafel las ich, daß von dieser Insel aus dreißig Millionen Sklaven nach Amerika verkauft wurden. Die meisten seien gar nicht angekommen und schon unterwegs tot oder halbtot ins Wasser geworfen worden. Doch das ist eine andere Geschichte.
Dann die schwierigste Passage mit einem sogenannten Buschtaxi über den Gambia und zwei innerafrikanische Grenzen, über Brücken, die aus zwei Balken bestanden, und so fort. Nach über einer Woche innerafrikanischer Anreise war ich an dem von Adeltrudis genannten Treffpunkt Pensäo Dolores in Bissau-Bissau angekommen. Doch von Adeltrudis kein Zeichen, auch die nächsten drei Tage nicht. (...)
(Der kleinwüchsige Ich-Erzähler aus dem Hotzenwald gelangt auf den letzten der 93 Buchseiten nach Afrika, genauer: nach Guinea-Bissau, wo er, wie im ganzen Buch,weitere Gelegenheiten findet, in bemüht munterem, latent larmoyantem Ton die ihn umgebende Welt auf sich und seine Größe zu beziehen, tiefsinnige Gedanken einfließen zu lassen sowie ungemein originelle Situationen zu beschreiben...)

Anna Gavalda, Zusammen ist man weniger allein. Fischer Taschenbuch 17303, 12. Auflage Nov. 2007, S.500

(...) Mamadou sah prachtvoll aus. Sie trug ihre schönste Tunika und all ihren Schmuck. Ihre Haare waren bis auf zwei Drittel ihres Kopfes gezupft, und sie trug ein kleines Schultertuch, passend zum Hüfttuch.
"Ich hatte dir gesagt, dass ich komme, aber du mußt dich beeilen, weil ich um vier zu einer Familienhochzeit muß. Hier wohnst du also? Hier arbeitest du?"
"Ich bin so glücklich, dich wiederzusehen!"
"Los. Keine Zeit verlieren, hab ich gesagt."

Camille setzte sich bequem hin.
"So. Halt dich gerade."
"Aber ich halte mich immer gerade, sowieso!"

Nach ein paar Skizzen legte sie ihren Stift auf den Block.
"Ich kann dich nicht malen, wenn ich nicht weiß, wie du heißt."
Daraufhin nahm die andere den Kopf hoch und hielt ihrem Blick mit wunderbarer Verachtung stand:
"Mein Name ist Marie-Anastasie Bamundela M'Bayé."

Marie-Anastasie Bamundela M'Bayé würde nie wieder als Königin von Diouloulou, dem Dorf ihrer Kindheit, in dieses Viertel zurückkehren. Da war sich Camille ganz sicher. Ihr Porträt würde niemals fertig werden, und es wäre niemals für Pierre Kessler, der absolut außerstande war, die kleine Bouli in den Armen dieser "schönen Negerin" zu erkennen. (...)


Nina Nayan, Im Senegal. Die afrikanische Variante des Glücks. Wiesenburg Verlag 2007, 377 S.

(Die Erfahrungen und Erlebnisse von Nina Nayan lassen nicht nur eine genaue Beobachterin ihrer Umgebung, sondern auch eine anteilnehmende, aufgeschlossene Reisende deutlich werden, die mit einer liebevollen Einstellung ihr senegalesisches Umfeld betrachtet und daran teilnimmt. Die Erlebnisse der Autorin sind überwiegend um ihren Ferienort an der Küste herum angesiedelt, wobei die Ortsangaben im Buch keine präzise Lokalisierung ermöglichen. Zentrum und Ruhepunkt ihres Lebenskreises in Senegal ist ihre Hütte in einer größeren touristischen Anlage, in der sie über einige Jahre immer wieder ihren Urlaub verbracht hat; die allermeisten ihrer Beobachtungen und Begegnungen spielen sich in der unmittelbaren Nähe dieses Rückzugsortes ab.

Zu Beginn des Buches und auch zwischendurch ist von einer Arbeit im Nachbarort, wiederholt auch von Projekten die Rede, ohne dass deutlich wird, worum es sich dabei eigentlich handelt. Dafür erfährt der Leser sehr genau die Lebenssituationen der Wächter und Bediensteten in der Anlage "Fleuri", mit denen Nina Nayan viel Zeit verbringt, deren Freundschaft und Vertrauen sie gewonnen hat. Immer wieder sitzt sie am Abend mit den gardiens am Eingang der Anlage und bis spät in der Nacht beim Tee zusammen, hört ihnen zu und nimmt an ihren Diskussionen teil. So erfolgen Einblicke in das senegalesische Alltagsleben, in die Fragen und Probleme der Einheimischen überwiegend über die Begegnungen mit den gardiens und deren Freunden und Familien.
Hier gibt es sehr schöne Passagen zu lesen, angereichert mit kleinen Geschichten und Anekdoten ihrer senegalesischen Freunde, die den dichten Beschreibungsfluss angenehm auflockern. Das Buch bietet damit einen erlebnisorientierten Einblick einer Weißen in viele Aspekte des senegalesischen Alltags, die man in kaum einem anderen Buch so umfassend und ausführlich vorgestellt bekommt. Dabei gelingt es der Autorin immer wieder gut, die Andersartigkeit vieler Alltagsabläufe und Verhaltensnormen an kleinen Beispielen und Erlebnissen anschaulich darzulegen.

Auf die Begeisterung der Autorin für das Leben in dem westafrikanischen Land ihrer Wahl, die schon im Titel zum Ausdruck kommt, trifft der Leser in der ersten Hälfte des Buches fast auf jeder Seite. Die Aussagen sind mitunter grenzwertig, so wenn es z. B. heißt, man habe "...in Afrika häufig unabweisbar den Eindruck, dass hier die Naturgesetze außer Kraft gesetzt sind". Solche Afrika oder die Afrikaner mythisierenden Bemerkungen sind zum Glück selten. Und mehr und mehr fließen auch kritische Aspekte ins Erzählen ein, kommt die Realität des alltäglichen Umgangs mit Licht- und Schattenseiten in den Blick. Dadurch gewinnt das Buch dann doch eine Ausgewogenheit, um die die Leserin zu Beginn der Lektüre vielleicht etwas bangen musste.

Aufmerksamkeit, Geduld, Offenheit, eine menschenfreundliche Einstellung und eine Portion Neugier sind Nina Nayans Stärken, mit denen sie in Kontakt geht und die sie aus ihren Begegnungen profund schöpfen lassen. Das Buch führt den Leser nicht in die Weite des Landes – abgesehen von einer Reise nach Touba wird nichts über andere Regionen Senegals, über Reisen im Lande berichtet –, dafür aber in die Tiefe von Begegnungen, menschlichem Miteinander, alltäglichen Szenen. Charakterzüge verschiedener Personen werden differenziert nachgezeichnet, Widersprüche nicht ausgespart; der Blick Nina Nayans ist dabei immer ein wohlwollender Blick, von dem nur eine Gruppe ausgespart ist: die Franzosen. Hier scheinen unangenehme Erfahrungen überwogen zu haben, viele Seitenhiebe bekommen die Vertreter der ehemaligen Kolonialmacht in Senegal ab.
Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch, empfehlenswert für diejenigen, die sich für die persönliche Begegnung mit der fremden Kultur Senegals interessieren, die mehr intensive als extensive Erlebnisbeschreibungen schätzen, die weniger an einer spannenden Handlung als an lebendigen subjektiven Berichten und vertiefenden Reflexionen interessiert sind.)

Gianrico Carofiglio, Reise in die Nacht. Goldmann 2006, 285 S.
(Gut zu lesender italienischer Gerichtskrimi mit reichlich human touch-Elementen. Von dem wegen Kindesmissbrauch und Kindesmord angeklagten, aber unschuldigen Senegalesen Abdou Thiam erfährt der Leser nicht mehr als sein Geburtsdatum und die Tatsache, dass er ein intelligenter, freundlicher Strandverkäufer von gefälschten Markenwaren sowie ein Haschischkonsument ist.)

Martin Suter, Der Koch. Diogenes Verlag AG Zürich 2010, S.16
(...) Es befanden sich nur noch wenige Passagiere im Wagen, den meisten sah man an, dass sie aus anderen Ländern stammten. Sie dösten oder hingen ihren Gedanken nach, nur eine junge Senegalesin plauderte munter in ihr Handy, in der Gewissheit, dass niemand ein Wort ihresGesprächs verstand. Jetzt stieg auch sie aus Maravan sah ihr nach, wie sie immer noch lachend und schwatzend auf eine Seitenstraße zuging. (...) S.16

 

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