FR 26.4.2006
Demokratie
und Islam sind sich nicht Feind
Im westafrikanischen Mali gibt es freie Wahlen, obwohl 90 Prozent der Bevölkerung
Muslime sind. Islamische Organisationen wirken politisch in der Gesellschaft,
ohne dass die Trennung von Staat und Religion verwischt wird. Michael Bröning
zerstört häufig gebrauchte Klischees
Der Begriff "politischer Islam" ist zu einem Reizwort politischer
Diskussionen geworden - und auf Reizworte wird in der Regel mit Reflexen reagiert.
In der öffentlichen Debatte haben sich dabei in den letzten Jahren zwei
Extrempositionen herauskristallisiert, die das Meinungsspektrum eingrenzen:
Die eine postuliert eine weitgehende Unvereinbarkeit "islamischer Werte"
mit Pluralismus, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Dagegen plädiert die
andere kategorisch für eine Verständigung mit lediglich "missverstandenen"
islamischen Akteuren. Charakteristisch für die Auseinandersetzungen mit
"dem Islam" ist neben dieser Spannung zwischen islamophilen Vereinfachungen
und islamophoben Horrorszenarien eine Konzentration auf die "arabische
Welt". Dabei gerät aus dem Blick, dass "der Islam" auch
in afrikanischen Staaten eine bedeutende gesellschaftliche Kraft darstellt.
So umfasst die muslimische Bevölkerung Afrikas inzwischen ungefähr
die Hälfte der Gesamtbevölkerung: Rund 270 Millionen Muslime leben
in den afrikanischen Staaten südlich der Sahara - davon 132 Millionen in
Westafrika. Muslime stellen dort in zahlreichen Staaten eine absolute oder zumindest
relative Bevölkerungsmehrheit.
Zu warnen ist jedoch vor pauschalen Bewertungen dieses westafrikanischen Islam. Denn immer wieder wird übersehen, wie facettenreich Tendenzen innerhalb der islamischen Welt ausfallen und wie intensiv inner-islamische Auseinandersetzungen geführt werden: auch in Westafrika. Eben dies ist für "den Islam" jedoch durchaus bezeichnend. Der aktuelle Hinweis der US-amerikanischen Foreign Affairs vom Dezember 2005 auf den "Zusammenprall zweier konkurrierender Ideologien innerhalb der Islamischen Welt" und den dort geführten "Krieg der Ideen" wird durch die martialische Formulierung nicht unrichtiger, sondern weist in die richtige Richtung.
Doch welche politische Rolle spielt "der Islam" heute in den Staaten Westafrikas? Findet im Sahel ein "Kampf der Kulturen" statt? Entfaltet sich islamistischer Terror in der Sahara? Behindert der Islam dort eine demokratische Entwicklung? Eine Bestandsaufnahme des "politischen Islam" in Westafrika zeigt, dass diese Annahmen kaum haltbar sind. Aufschlussreich ist etwa der Fall Mali:
Der Sahelstaat zählt nach wie vor zu den ärmsten Ländern der Erde. Dennoch hat sich in Mali seit 1991 ein demokratisches System entwickelt, in dem mehrfach freie Wahlen durchgeführt wurden - demokratischer Machtwechsel inklusive. Wohlgemerkt: Freie Wahlen in einem Staat, der zu rund 90 Prozent von Muslimen bewohnt wird. Im Zuge der Demokratisierung in den 1990er Jahren wurden in Mali zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen gegründet, von denen sich viele offen als "islamisch" verstehen. Diese Organisationen beziehen in einzelnen politischen Sachfragen - wie zum Beispiel in einer aktuellen Debatte zum Familienrecht - durchaus kritisch Position. "Allerdings gehen sie nicht so weit, den Laizismus offen in Frage zu stellen", erläutert der malische Politikwissenschaftler Hamidou Magassa. Vielmehr ermöglicht erst die spezifisch malische Version eines "Laizismus ohne jeden antireligiösen Zug französischer Prägung" ein Arrangement der religiösen Kräfte mit der säkularen Republik. Verwiesen wird also auf die konfliktschlichtende Rolle eines Laizismus, der für religiöse Entfaltung durchaus Spielräume gewährt. In Mali wird zudem deutlich, dass der Dualismus zwischen säkularer Republik und islamischen Traditions- und Reformbewegungen zwar durchaus spannungsgeladen ausfällt, aber sich dennoch nicht unbedingt als Kampf zweier Wertesysteme darstellt. Vielmehr erscheint er als Prozess der Austarierung, in dem beide Seiten in einzelnen Fragen bewusst Zurückhaltung üben. So verzichtet etwa der Staat in der Regel auf Interventionen in religiöse Strukturen - etwa bei der Besetzung von religiösen Ämtern. Im Gegenzug schritt der Hohe Islamische Rat des Landes als Dachorganisation islamischer Gruppierungen gegen das Bestreben einzelner islamischer Verbände ein, die Präsidentschaftswahlen 2002 durch Wahlempfehlungen religiös aufzuladen. Das Resultat: Radikale islamistische Strömungen sind in Mali heute nur schwach ausgeprägt.
Doch welche Rolle spielt "der Islam" in Gewaltausbrüchen, die in der Region immer wieder zu beobachten sind? Vor allem in Nigeria und in der Elfenbeinküste wird Gewalt schließlich oft durch Verweis auf islamistische Aktivitäten erklärt. Treffen diese Einschätzungen zu - oder handelt es sich bei religiös anmutenden Spannungen eher um Instrumentalisierungen von Religion zu politischen Zwecken?
Aufschlussreich
ist hier die Situation in der Elfenbeinküste: Nach dem Ausbruch schwerer
Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen im September 2002 erstreckt
sich der Einflussbereich der Regierung derzeit auf lediglich die Hälfte
des Staatsgebiets. Die bürgerkriegsähnliche Spaltung des Landes in
den von Rebellen kontrollierten Norden und den von der Regierung Gbagbo kontrollierten
Süden wird von einigen Beobachtern als Ergebnis religiöser Spannungen
zwischen Christen und Muslimen interpretiert. So verwies etwa Peter Scholl-Latour
schon im Januar 2003 in der Welt am Sonntag auf einen "Kampf der Kulturen
zwischen christlich animistischen Stämmen des Südens und der starken
muslimischen Bevölkerungsgruppe des Nordens".
Marie Miran, Lehrbeauftragte an der School of African and Oriental Studies in
London, widerspricht dieser Einschätzung. Nach eingehender Feldforschung
verweist sie darauf, dass der Süden der Elfenbeinküste schon seit
einigen Jahren mehr Muslime beheimatet als die nördlichen Regionen. Der
Süden erscheint nicht mehr als "christliches Gegenstück"
zu einem muslimischen Norden, sondern hat sich von der Zusammensetzung der Bevölkerung
her und kulturell zum islamischen Zentrum eines - zumindest relativ - mehrheitlich
muslimischen Staates entwickelt. Entgegen verbreiteten Stereotypen definiert
Miran den aktuellen Konflikt konsequent als realpolitischen Macht- und Verteilungskampf,
der "nicht im Entferntesten religiös" motiviert ist. Im Gegenteil:
Sie betont eine "stabilisierende Rolle" islamischer Organisationen
in der gegenwärtigen politischen Situation: "Die islamische Reformbewegung
in der Elfenbeinküste lehnt einen islamischen Staat als Ziel ab, fördert
die Rechte von Frauen und tritt offen für säkulare und republikanische
Ideale ein. Muslimische zivilgesellschaftliche Organisationen sind heute unverzichtbare
Partner, um die Legitimität des Staates wiederherzustellen und eine friedliche
Gesellschaftsordnung aufzubauen."
Anders stellt sich die Situation in Nigeria da: Hier gehört religiöse Gewalt zum Alltagsgeschehen. Laut offiziellen Schätzungen sind seit 1999 mindestens zehntausend Nigerianer religiösen Unruhen zum Opfer gefallen. Ousmane Kane, Professor an der Columbia University, begreift die Islamisierung des öffentlichen Lebens etwa durch Einführung der Scharia in nördlichen Bundesstaaten dennoch nicht als Indikator für religiös motivierte Konflikte. Religiöse Unruhen in Nigeria sollten vielmehr als nüchtern kalkulierte Reaktion nordnigerianischer Eliten auf den Verlust von Einfluss seit dem Amtsantritt von Präsident Olusegun Obasanjo verstanden werden. "Unzufriedene Eliten aus dem Norden unterstützen die Einführung der Scharia, um die Zentralregierung zu destabilisieren und ihren eigenen Einfluss abzusichern." Das Eskalationspotenzial dieser bewusst religiös angereicherten Konflikte - vor allem im Norden des Landes - ist dabei durchaus erheblich. Derartige Konflikte müssen jedoch als das verstanden werden, was sie sind: Primär interne Auseinandersetzungen um politische Vormacht. "Es gibt heute keine Anzeichen für eine Verbindung nigerianischer islamistischer Gruppen zu internationalen Dschihadisten." Deutlich wird in beiden Staaten der Region: Ein religiös motivierter Kampf der Kulturen findet in Westafrika nicht statt.
Diese Einschätzungen widersprechen Hypothesen über ein wachsendes Engagement des Netzwerkes Al Qaeda und anderer islamistischer Organisationen in Westafrika, die angesichts der Entführung westlicher Touristen in Mali vor einigen Jahren nicht abwegig erschienen. Durch ihre scheinbare Plausibilität entfalten diese Annahmen heute durchaus politische Wirkung: So haben etwa Sicherheitsbedenken die US-Regierung jüngst dazu bewogen, ihr militärisches Engagement in Westafrika deutlich auszubauen. Hervorzuheben ist insbesondere die Pan-Sahel-Initiative (PSI), die ein militärisches Training der Armeen von Algerien, Mali, Niger und Tschad vorsieht. Jüngstes Beispiel für ein gemeinsames militärisches Training durch US-Kräfte war etwa die Operation Flintlock im Juni 2005 in der malischen Wüste.
Doch wie erklärt
sich das Interesse westafrikanischer Staaten an diesen Initiativen? Anzumerken
ist hier zumindest, dass die Bestätigung islamistischer Aktivitäten
im westlichen Afrika von einzelnen Staaten gezielt eingesetzt wird, um die Hilfsbereitschaft
westlicher Geldgeber zu erhöhen. Schließlich sind diese gerne bereit,
einer befürchteten islamistischen Eskalation durch großzügige
Präventivmaßnahmen entgegenzuwirken. Eine kostenneutrale Qualifikationsmaßnahme
für lokale Streitkräfte lehnt man vor diesem Hintergrund in der Region
nur ungern ab, erläuterte etwa der ehemalige malische Verteidigungsminister
Zeiny Moulaye im Juli 2006 in Bamako.
Welche Schlüsse sind aus diesem Rundumblick im westlichen Afrika nun zu
ziehen? Zum einen wird deutlich, dass ein grundsätzlicher Widerspruch zwischen
Demokratie und muslimischer Bevölkerungsstruktur ausgeschlossen werden
kann. In Westafrika erscheinen Demokratie und Islam nicht als Gegensatzpaar.
Obwohl demokratische Prozesse - etwa in Senegal und in Mali - nicht in jeder
Nuance demokratietheoretischen Ansprüchen entsprechen, haben sich doch
in beiden Staaten robuste demokratische Gesellschaftsformen entwickelt. Als
charakteristisch kann hier insbesondere der "nicht anti-religiöse
Laizismus" in Mali betrachtet werden, der eine gewisse Entfaltung politisch-islamischer
Tendenzen zulässt, dabei aber zugleich durchaus konsequent etwa die Gründung
islamischer Parteien verhindert. Aufschlussreich ist hier auch der Vergleich
mit Maghrebstaaten, in denen die Einbindung von gemäßigten Islamisten
eine Demokratisierung offenbar ebenfalls begünstigt. Dagegen scheinen repressive
Systeme - und eine politische Marginalisierung von Muslimen - radikale Tendenzen
des "politischen Islam" eher zu fördern. Ohne naiv eine arglose
Herangehensweise auch an radikale Formen des "politischen Islam" zu
empfehlen, scheint doch eine kritische Gewährung von Entfaltungsmöglichkeiten
angesichts der Erfahrungen aus Westafrika als gangbarer Weg. Ohne eine pauschale
Empfehlung für den Umgang mit dem "politischen Islam" in Westafrika
aussprechen zu können, ist es in jedem Fall angebracht, den Blick in Bezug
auf "den Islam" in Westafrika zu schärfen. Dies auch und vor
allem für die wahren Ursachen lokaler Konflikte. Autor:
Michael Bröning
URL: http://www.fr-aktuell.de/in_und_ausland/politik/dokumentation/?em_cnt=868837
DIE ZEIT,
20.07.2006
Gestrandet
in Europa
Tausende Afrikaner wagen in diesen Sommerwochen wieder die gefahrvolle Überfahrt
nach Teneriffa. Einer von ihnen ist Mass Diop, ein junger Installateur aus dem
Senegal. Die Geschichte seiner Flucht erzählen Anita und Marian Blasberg
Es ist früh
um sieben, als Wolfgang Schmittke* (Name von der Redaktion geändert) auf
seinen Balkon im dritten Stock des Hotels Oasis Moreque tritt, um nachzusehen,
ob die Engländer schon wieder alle Liegen mit ihren Handtüchern besetzen.
Schmittke beugt sich über die Geranien, er gähnt, alles noch ruhig
am Pool.
Zufrieden dreht er ab, als er im Augenwinkel sieht, dass gerade ein Schiff der
Küstenwache in den Hafen einbiegt, im Schlepptau eines dieser Afrikaner-Boote,
die er im Weltspiegel gesehen hat. Schmittke holt den Feldstecher, hebt an und
peilt. Sieht schwarze Gesichter und bunte Mützen, müde Körper
_ 60, vielleicht 80, die dicht an dicht auf Planken kauern, die unter dieser
Last eigentlich brechen müssten.
Das ist verrückt, denkt Schmittke, ein Wahnsinn. Kein Wunder, dass bei
diesen Überfahrten einige ums Leben kommen. Schmittke ist seit zehn Jahren
in Rente, aber er ist neugierig geblieben, einer, der den Dingen nachgeht.
Mal sehen, was da los ist, sagt er sich, nimmt die Kamera und drei Handtücher,
die er auf dem Weg zur Mole noch rasch am Pool platzieren will, eins für
sich, eins für Christa, seine Frau, eins für Uwe, ihren Sohn, der
sie zu dieser Reise überredet hat. Schmittkes haben kurz vor Weihnachten
pauschal gebucht, daheim in Erfurt,
zwei Wochen Halbpension mit Meerblick, da ahnten sie noch nicht, dass es ein
Ausflug in ein Krisengebiet werden sollte.
Er eilt an den Hotelburgen vorbei, an Izzys Neuem Bierstübchen, stapft
über die behindertengerechten Rampen an der Promenade, im Kopf die Nachrichten
der letzten Tage, die steigenden, verwirrend hohen Zahlen jener Boote, die hier
in Los Cristianos, am Südzipfel Europas, ein neues Nadelöhr gefunden
haben. Es gab dieses Foto von Flüchtlingen, die entkräftet einen Strand
erreichten, an dem Touristen in der Sonne badeten; es gab diese Meldung, dass
eines der Boote nach Barbados abgetrieben war, an Bord elf Leichen, die längst
schon Mumien waren nach ihrer wochenlangen Irrfahrt über den Atlantik.
Schmittke kann verstehen, dass diese Leute etwas wagen. »Ist doch klar,
die wollen sich verbessern, die haben ja da drüben nichts. Fragt sich nur,
wo die hier Arbeit finden sollen.«
An der Mole reiht sich Schmittke ein in eine Gruppe Schaulustiger, er steht
ganz vorn am Flatterband, aber viel sieht er nicht, ein Schiff der Guardia Civil
parkt vor dem Flüchtlingsboot. Die Afrikaner huschen durch den Sucher seiner
Kamera und verschwinden in einem Zelt, wo sie vom Roten Kreuz behandelt werden.
Ein Fall für die UN, denkt Schmittke. Ein Drama wie in Darfur.
Wenig später werden die Flüchtlinge in die fensterlosen Busse der
Policía Nacional verfrachtet. Als sie weg sind, erkennt Schmittke, wie
ein paar Männer von der Küstenwacht das kleine, bunt bemalte Boot
zerschreddern. Früher schob er an der Stanze seine Schichten, in einem
Werk, das Schreib- und Bohrmaschinen fertigte, und so, wie das afrikanische
Boot zerfasert, meint er, müsse dessen Kunststoff mit Asbest versetzt sein.
Schmittke macht ein Foto.
Mass Diop
hatte von einem Unwetter gehört draußen vor der Küste,
die Rede war von vielen Toten. Es hatte sich herumgesprochen unter den Wartenden
von Nouadhibou, der Hafenstadt im Norden Mauretaniens, knapp 900 Kilometer südlich
von Los Cristianos auf Teneriffa, und Diop war irritiert. Die ganzen vorigen
Tage hatte er am Strand gesessen, ruhig und konzentriert, hatte geangelt und
das Meer beobachtet, und es war still gewesen, beinahe gespenstisch glatt. Jeden
Abend hatte er, am Boden auf der löchrigen Matratze liegend, die Nachrichten
verfolgt, doch dieses Unwetter hatte niemand angekündigt. Es kam ganz plötzlich,
das war das
Unheimliche.
Dann rannte er im Licht der Dämmerung durch die Straßen von Thiarka,
dem engen Fischerviertel von Nouadhibou, wo er Unterschlupf bei einem Freund
gefunden hatte. Ein strenger Wind ging über den Wüstensand. Vor schiefen
Hütten banden sich die Zigarettenhändler ihren Turban vors Gesicht.
Frauen schafften Mangokisten aus dem Staub, die Coiffeur-Baracken namens »Barcelona«
und »Madrid« schlossen ihre Türen.
Als Diop den Strand erreichte, sah er, wie ein paar Männer der Marine vom
Wasser her einige Plastiksäcke ans Ufer trugen. Sie reihten sie im Sand
auf, es waren 60, vielleicht 80, und überall standen junge Burschen, deren
sorgenvolle Blicke diesen Säcken folgten, unter deren Haut sich klar die
Umrisse von Körpern abzeichneten. Diop hörte, sie seien kurz zuvor
in See gestochen. Diop wusste, sie träumten seinen Traum.
Diop. Gesprochen: Job, wie Arbeit. Ein Name wie ein großer Wunsch. Diop
ist 33, ein kräftiger, manchmal schlaksig wirkender Mann mit wachen Augen,
geboren in St. Louis im Senegal, Installateur, verheiratet mit Khady, die gerade
sein zweites Kind gebar. Als er am Telefon erfuhr, dass er eine Tochter habe,
war er schon seit drei Monaten auf Teneriffa. Jetzt sitzt er hier, in einem
Café bei Los Cristianos, und erzählt seine Geschichte, Kapitel für
Kapitel. Fotografiert werden will er nicht.
An diesem Tag in Nouadhibou, sagt er, habe man ihm mitgeteilt, dass es nun so
weit sei. Übermorgen Nacht, hieß es, am Hafen von Thiarka, solle
es losgehen. Man habe endlich einen Fischer aufgetrieben, der ihnen sein Boot
verkaufte, sieben Meter lang, drei breit, Diskretion inklusive.
Diop hatte von seinem Freund von der Gruppe erfahren: 48 Männer, alle jung
und fest entschlossen, Männer aus dem Senegal, aus Mali und Nigeria, aus
Ghana, Gambia und Guinea-Bissau. Sie warfen ihr Geld zusammen und legten fest,
wer was zu tun hatte. Einer kaufte die Motoren, 40 PS stark, die stärksten,
die er finden konnte. Andere kauften 1200 Liter Treibstoff, ein GPS-Gerät
und Schwimmwesten.
Diop zog, als die Nachricht von dem Boot kam, los, um das Essen zu besorgen.
Seiner langen Liste folgend, navigierte er durch das Gewimmel der kleinen Läden
längs der Hauptstraße. Er machte Haken unter 50 Kilo Reis und 20
Liter Öl, unter 15 Kilo Makkaroni, 10 Kilo Rind-, 10 Kilo Hühnerfleisch,
10 Kilo Fisch, unter Tee und Brot und acht Kanister Wasser. Das alles brachte
er mit einem Eselskarren zu sich in den Hof. Dann hörte er vom Zwischenfall
am Strand. Er lief hin, und als die Plastiksäcke fortgetragen waren, blickte
er hinaus aufs Meer, das wieder ruhig und friedlich dalag, so als wäre
nichts gewesen.
Luis Carrion
steht auf der Mole von Los Cristianos, nur wenige Meter entfernt von
den Rathkes auf ihren Handtüchern am Pool, und dirigiert das Einsatzkommando.
Schon wieder hat er einen Funkspruch erhalten, ein Boot mit 80 Leuten sei unterwegs,
wieder hat er die Küstenwache mobilisiert, das Rote Kreuz, die Guardia
Civil. Jetzt wartet er auf das Flüchtlingsboot, das sich vom Horizont her
nähert. Seit Marokko seine Grenzen geschlossen hat, kommen sie aus Mauretanien
und dem Senegal _ anfangs nicht viele, aber seit das Wetter stabil ist, beinahe
stündlich. Manchmal 100, manchmal 500 am Tag. Sie orientieren sich am Teide,
dem höchsten Berg der Insel, der wie ein mächtiger Sombrero auf dem
Ozean liegt.
Hinter dem Flatterband am Anleger drängen sich die Fotografen und Kameramänner,
aber Carrion nimmt sie kaum mehr wahr. Seit Wochen arbeiten er und seine Leute
16 Stunden am Tag, sie kommen kaum zum Essen. Carrion ist der Polizeichef von
Los Cristianos, ein kleiner, gut gebräunter Mann von Mitte 40. Er hält
sich aufrecht in seiner schwarzen Uniform, mit seinem Dreitagebart. Er reibt
sich die Augen. Er beobachtet, wie entkräftete Männer auf steifen
Beinen über die Reling des Rettungsschiffes klettern, nacheinander wie
Ameisen. Wie Leute vom Roten Kreuz sie zum Zelt führen, wo sie mit Wasser,
Decken und Biskuits versorgt werden, wie sie schließlich, auf dem Boden
sitzend, für die Kameras zum Abschuss freigegeben werden.
Carrion
streift sich einen Mundschutz über, wirft einen Blick ins Zelt
und fragt, ob alles in Ordnung sei. Ein Arzt reicht ihm einen rosa Zettel. Damit
wendet Carrion sich zu den Kameras. »Einer muss ins Krankenhaus«,
sagt er in die Mikrofone, »alle anderen sind wohlauf. Ein Wunder nach
fast einer Woche auf dem Meer.« Er nimmt seine Mütze ab.
»Es sind Männer aus der Mittelschicht. Sie machen keinen Ärger,
man muss sie ehrenvoll behandeln. Es wäre falsch, zu glauben, dass sie
nichts zu verlieren haben.« Carrion ist dieser Tage häufig im Fernsehen
zu sehen. Auf der Straße grüßen sie ihn plötzlich, die
Zeitungen nennen ihn einen Helden. Er winkt ab. »In dieser traurigen Geschichte
gibt es keine Helden. Weder sie noch mich.«
Carrion war nie in Afrika, aber er möchte diese Leute verstehen. Sobald
er Zeit findet, will er sich Bücher über den fremden Kontinent ausleihen.
Vorigen Herbst hat man ihn von Madrid hierher versetzt. Bis dahin lehrte er
an der Polizeiakademie Strafrecht, jetzt, dachte er, solle er Drogendealer jagen
und Streitereien zwischen betrunkenen Touristen schlichten, stattdessen verwaltet
er nun diesen nicht enden wollenden Flüchtlingsstrom. 72 Stunden bleiben
die Flüchtlinge auf seiner Polizeistation. Er nimmt ihre Fingerabdrücke,
legt eine Akte an, und einer der Schnellrichter drückt einen Stempel hinein.
Dann schickt er sie in Reisebussen in die großen Auffanglager in den Bergen,
wo sie 40 Tage bleiben, bevor sie entweder aufs Festland ausgeflogen werden
oder dahin, wo sie herkommen - falls man das herausfindet und falls es Rückführungsabkommen
mit diesen Ländern gibt. Ob alles reibungslos verlaufe?
Er zuckt
mit den Schultern. »Ich leite hier die wichtigste Polizeistation Europas,
aber mir fehlen Dolmetscher, Juristen, Psychologen.« Er ist seit 24 Jahren
Polizist, aber so etwas hat er noch nicht erlebt. Er schläft noch immer
in der Dienstwohnung neben dem Büro, seine Frau und seine beiden Töchter,
die in Madrid geblieben sind, hat er vor vier Wochen das letzte Mal gesehen.
Die Sonne
steht schon hoch, als Mass Diop aus dem Schlaf hochschreckt. Er muss
lange geschlafen haben, seit sechs Stunden sind sie wohl unterwegs, der Ozean
ist spiegelglatt, kein Land mehr in Sicht. Sie sitzen dicht gedrängt, Diop
hockt hinten rechts, neben dem Motor, auf der anderen Seite Modo aus dem Senegal,
alle paar Stunden wechseln sie sich mit dem Steuern ab. Diop steht auf und ergreift
das Ruder. Man hat ihm gesagt, er müsse nur der Richtung folgen, die der
Pfeil des GPS-Gerätes anzeige. Er müsse großen Schiffen ausweichen,
auf Haie achten und auf Wale. Er hört das Knattern der 40 PS, die sie nach
Europa bringen sollen. Diop hat keine Ahnung von Motoren, aber dieser hier scheint
gleichmäßig zu laufen.
Als sie aufgebrochen sind, ist Diop als Erster am Steg gewesen. Frisch rasiert,
eine Hose aus Segeltuch
angezogen, eine Baseballkappe aufgesetzt. Er atmete die kühle Nachtluft,
nun gab es kein Zurück mehr. Sie schoben das Boot ins Wasser, knipsten
die Taschenlampen aus, doch in der Bucht von Nouadhibou war kein Patrouillenboot
zu sehen, nicht mal ein Licht. Diop war erleichtert, als sich der schwarze Ozean
vor ihnen auftat. Er betete.
Sie waren noch nicht weit gekommen, als die Ersten sich erbrachen. Die meisten
von ihnen sahen das Meer zum ersten Mal, sie weinten leise, rollten sich zusammen
vorn unter der Plane. Einige klagten über Kopfweh. Diop gab ihnen Aspirin.
Es sind nur ein paar Tage, tröstete er sie, es geht vorbei. Diop kennt
das Meer. Daheim in St. Louis, der stolzen Kolonialstadt an der Küste des
Senegals, hat er manchmal auf dem Fischerboot von Freunden ausgeholfen. Wenn
seine Kunden wieder mal nicht zahlten; wenn sein Laden für Sanitäranlagen
so schlecht lief, dass er sich schämte.
Diop war ehrgeizig. Bis er 18 war, besuchte er die Schule, dann lernte er Installateur.
Seine Mutter sollte stolz sein auf ihren Lieblingssohn. Aber Diop, inzwischen
selbst Familienvater, konnte sich keine eigene Wohnung leisten. Er lebte immer
noch bei ihr und seinem Vater, einem Pensionär der Stadtverwaltung, in
dieser grauen Mietskaserne in der Innenstadt, wo er sich mit Khady, seiner Frau,
und Daouid, seinem Sohn, ein Zimmer teilte, Wand an Wand mit seinen Schwestern,
seinen Brüdern und deren Frauen. Sie waren 14 Leute in vier Zimmern, und
irgendwann stand dieses Wort im Raum: Europa.
Dort könne er es schaffen, sagte ein Cousin, der in München studiert
hatte, sie brauchten dort gute Handwerker. Und da war der Nachbar, der es nach
Italien geschafft hatte und einmal im Jahr heimkam mit Fußballtrikots,
Handys und teuren Uhren im Gepäck. Diop hatte nie etwas Illegales getan.
Er trinkt keinen Alkohol, isst nur ausgeblutetes Fleisch und betet fünfmal
am Tag in Richtung Mekka, aber er spürte, so ging es nicht weiter.
Khady erwartete sein zweites Kind, er träumte davon, ihr ein Haus zu bauen.
Es war im November, als ihn jener Freund aus Teneriffa anrief, er klang euphorisch:
»Vier Tage und vier Nächte auf See, 400 Euro, und du hast es geschafft.«
Vielleicht, dachte Diop, ist es ja wirklich wie in den Rambo-Filmen, die er
so mag; dass am Ende der Stärkste gewinnt und das Gute triumphiert.
Kein Schiff am Horizont, nicht eines. Diop steht hinten im Boot und hält
Wache. Eine Kollision, und sie müssten kentern. Ein Unwetter, und ihr Boot
wäre verloren. Er blickt aufs GPS: noch 850 Kilometer bis Teneriffa. Wenn
der Wind nicht dreht, wenn der Himmel klar bleibt und die Strömung sanft.
Schmittkes
Stammplatz am Pool liegt in der zweiten Reihe. Von dort hat man einen
guten Überblick. Es ist Mittagszeit, von der Terrasse scheppert Time of
My Life vom Dirty Dancing-Soundtrack herüber, und während Uwe einen
Krimi verschlingt, verfolgen Wolfgang und Christa Schmittke die Wasserballpartie
im Pool. Es wird gekreischt, geplanscht, und hinter der Terrasse wird gesägt,
aber die Gäste kriegen das nicht mit; sie dösen unter gelben Sonnenschirmen,
satte Körper in Bikinis und Bermudas, gestrandet auf Handtüchern,
die aussehen wie große Euro-Scheine.
Christa Schmittke reibt sich Lichtschutzfaktor 30 auf ihre rote Nase. Ein Österreicher
schleppt sich an den Billardtisch, auf seinem T-Shirt steht »dive now,
work later«. Ein englisches Rentnerehepaar schlurft zur Minigolfanlage,
die früher, als die Gäste jünger waren, mal ein Tennisplatz war.
Damals, in den Sechzigern, nahm Liz Taylor ihre Drinks an der Hotelbar, außer
ein paar Fotos im Treppenaufgang ist von diesem Glanz
nicht viel geblieben. Heute ist das Moreque Mittelklasse. In der Lobby gibt
es einen Friseur, eine Internet-Ecke und einen Automaten, der die Bild ausspuckt.
Am Ausgang zur Terrasse parken die Senioren-Buggys, gleich daneben wirbt eine
Tafel für das Animations-Programm der Woche: Tischtennis und Billard, Darts
und Karaoke, Show-Kochen und Bingo.
Christa Schmittke ist zufrieden, auch wenn ihr der Prospekt ein malerisches
Fischerdorf versprochen hat. Vielleicht, sagt sie, sei das ja früher so
gewesen, bevor man an der Küste überall diese Betonklötze errichtet
habe. Bevor die deutschen Banken kamen und die englischen Pubs, all die Cafés
und Restaurants mit ihren vielsprachigen, bebilderten Menüs. Christa Schmittke
sagt, sie habe nicht den Eindruck, hier in Spanien zu sein.
Bis zur Rente war sie Sachbearbeiterin in einem Kombinat für Mikroelektronik.
Die Schmittkes sind bescheiden. Sie waren schon auf Djerba, in Antalya und Agadir.
Im Grunde suchen sie immer das Gleiche: etwas Ruhe, etwas Bräune, ein paar
Bilder für das Fotoalbum. Eigentlich ist es wie vor der Wende, als sie
ihren Trabi jeden Sommer an die Ostsee steuerten _ für alle Fälle
haben sie den Wasserkocher und das Kaffeepulver im Gepäck.
Draußen
auf dem Atlantik fauchen die Gaskocher. Dampf steigt aus den Töpfen,
es wird Reis geben und Sardinen. Es ist der zweite Tag.
Keine Wolken. Ruhige See. Die Köche heben das gegarte Essen auf vier große
Aluminiumteller und verteilen sie im Boot. Vorsichtig beugen sich die Männer
vor und greifen mit den Händen zu. Kaum einer spricht. Kanister treiben
vorbei, im Rumpf des Bootes sammelt sich Wasser, das stetig durch die Ritzen
dringt. Ein paar Männer schippen es ebenso stetig raus, mit Plastikeimern,
es sind dieselben, über denen sie sonst hocken, um ihre Notdurft zu verrichten.
Diop steckt sich Zigaretten an, um die Minuten wegzurauchen. Manchmal steht
er auf und schüttelt seine
Glieder aus. Er betet, meist mit Modo, gemeinsam murmeln sie die Verse der Fatiha-Sure,
gelobt sei Allah, barmherziger König am Tage des Gerichts, weise uns den
rechten Pfad. Dann lehnt sich Diop zurück, und wenn er die Augen schließt,
dann sieht er Khady, seine Frau, sieht ihre langen schwarzen Haare, ihre tiefbraunen
Augen, und er stellt sich vor, wie Khady nach Dakar aufbricht, um auf dem Markt
Kosmetik einzukaufen, Cremes und Bleichmittel fürs Haar, die sie daheim
in St. Louis an ihre Freundinnen verkauft.
Sie gingen auf dieselbe Schule. Diop war zwei Klassen über ihr. Er gab
ihr Nachhilfe in Mathe, und ihm gefielen ihre langen Beine, ihre ruhige Art.
Sie gingen Salsa tanzen, und als er sich beim Militär verpflichtete, waren
sie längst ein Paar. Sie stationierten Diop im Osten, und Khady wartete
zwei Jahre. Als er zurückkam, nahm er sie zur Frau. Khady war schwanger,
als Diop sie einweihte. Sie weinte jede Nacht, sie sagte: »Mass, geh nicht.«
Er beruhigte sie. »Khady, glaub mir, ich denke an das Kind, aber ich will,
dass es in einem guten Haus aufwächst. Es soll auf eine gute Schule gehen,
hier in St. Louis.« Sie schluchzte. »Wenn dir was zustößt,
werde ich allein sein.« Er streichelte ihr Haar. »Hab Vertrauen,
ich bin stark. Und wenn mir wirklich etwas zustößt, sind meine Brüder
für dich da.«
Als Khady einsah, dass er von seinem Plan nicht abzubringen war, gab sie ihm
100 Euro, alles, was sie hatte, und die gleiche Summe lieh sich Diop von seinem
älteren Bruder, einem Steuerbeamten. Den Rest hatte er selbst gespart.
Es war an einem Dezembermorgen gegen fünf Uhr früh, als Diop sich
über seinen schlafenden Sohn Daouid beugte, um ihn zum Abschied auf die
Stirn zu küssen. Dann brachte Khady ihn zur Tür. Sie schwiegen lange,
sahen sich an. Diop ging, ohne sich noch einmal umzudrehen.
Einer
hat das Drama kommen sehen. Stand er, Ricardo Melchior, Regierungspräsident
von Teneriffa, nicht vor neun Jahren in Brüssel und hat eine gemeinsame
Migrationspolitik gefordert? Hat er nicht längst schon in Madrid vor diesem
Ansturm gewarnt? Jetzt schaut die Welt auf seine Insel, und er kann nur noch
Zahlen herunterbeten: 9467 Afrikaner sind seit Januar auf den Kanaren angekommen,
5414 allein auf Teneriffa, weit mehr als im ganzen Vorjahr. Die jüngste
Welle war die heftigste, und Melchior muss sehen, wie er das Chaos in den Griff
bekommt.
Der Senegal habe sein Rücknahmeabkommen gekündigt, schreiben die Zeitungen,
Brüssel rührt sich nicht, Madrid schickt kaum Unterstützung,
und zu allem Überfluss gibt es Vorschläge, man könne die Immigranten
in Hotels einbuchen. Es gab schon angenehmere Stunden in Melchiors Amtszeit
als diesen Vormittag in Santa Cruz, der Inselhauptstadt, wo sie im Parlament
zusammenkamen, um über die Lage zu debattieren. Präsident Melchior
ist ein fülliger Mann von 60 Jahren, mit seinem grauen Haarkranz erinnert
er an einen Pastor. Im holzvertäfelten Saal des Regierungsgebäudes
sitzt er erhöht am Kopfende, vor ihm die voll besetzten Reihen der Opposition,
dahinter Kamerateams aus ganz Europa. Sein besorgtes Gesicht erscheint auf dem
Flatscreen über ihm, er spricht ins Mikrofon: »Die Insel hat 1500
feste Aufnahmeplätze, aber 6000 sind nun hier.« Polizei und Rotes
Kreuz seien am Ende ihrer Kräfte, fährt er fort. »Wir brauchen
Toiletten, Reisebusse, Hubschrauber.« Melchior nimmt einen Schluck Wasser,
dann meldet sich Angel Llanos, der jugendliche Abgeordnete der Volkspartei,
zu Wort.
»Diese Lawine«, dröhnt er, »ist der größte
Notstand in der Geschichte Teneriffas!«
Melchior straft ihn mit einem verächtlichen Blick. Diese Menschen wollten
nicht nach Teneriffa, kontert er, sie wollten nach Barcelona, Hamburg und Paris.
Dies sei nicht nur ein Problem der Kanaren. Es bedürfe eines strategischen
Plans der EU, fordert er, und sein Gesicht rötet sich. Der Strom müsse
in Afrika gebremst werden, man brauche Flugzeuge und Schiffe, Personal für
Patrouillen und zur Bekämpfung der
Schlepper-Mafia. In Mauretanien warten Zehntausende, im Senegal noch mehr, ihr
Weg wird immer brutaler. 3000 Menschen sind in den letzten Monaten gestorben,
der Atlantik ist ein Massengrab. Melchior hält ergriffen inne: Es ist eine
humanitäre Katastrophe. Er nimmt die Brille ab, stützt seinen Kopf
auf die Hände und blickt in die Ferne.
Am nächsten Morgen schreibt La Opinión, er sei ein Märchenerzähler,
ein untätiger Heuchler. »Sie schreiben, was sie schreiben müssen«,
sagt Melchior in seinem Büro, versunken in einer braunen Ledercouch, die
Krawatte schlängelt sich über das Massiv seines Bauches. Eigentlich
ist er Ingenieur, und als er noch in Aachen studierte, fuhr er einen VW Käfer.
Heute kämpft er auf der Insel für Solarkraft. Jacques Chirac hat ihm
mal einen Orden für bürgernahes Engagement verliehen. Aber was kann
er jetzt noch tun? Er hat in Madrid seinen Fünfpunkteplan für Afrika
vorgestellt und eine Dringlichkeitssitzung der EU-Außenminister beantragt.
»Man muss die Boote wohl erst nach Madrid vor den Regierungspalast fahren,
damit etwas passiert.« Er hebt die Hände. »Bisher kamen sie
lebend an, aber was, wenn das Wetter umschlägt?«
Im Leichenwaschraum
von Nouadhibou, er liegt auf dem Friedhof, kratzt Ahmad Ould Abdarahman
mit einem Schwamm die Spuren der vergangenen Wochen weg. Draußen liegt
die Sommerhitze schwer über den Gräbern, aber hier am Tisch ist es
gut auszuhalten. Schattig ist es, kühl und etwas muffig, aber das kriegt
Abdarahman nicht mehr mit. Er
nimmt den Gartenschlauch, presst den Daumen auf das Ende und fährt mit
festem Strahl über die braunen Schlieren auf den Kacheln. Es ist ein hartnäckiger,
klebriger Dreck, der ihm zu schaffen macht, Sand, den er aus schlaffen Körperfalten
schrubbte, Kleiderfetzen, Hautpartikel. Abdarahman ist ein kräftiger Mann
von 54 Jahren mit schnarrender Stimme. Er war schon bei der Müllabfuhr
und Türsteher beim Bürgermeister; und weil er es als städtischer
Angestellter kannte, versetzt zu werden, nahm er es gelassen hin, als man ihn
im vorigen September zu den Leichensammlern schickte.
Die zehn Mann, denen er vorsteht, rücken aus, wenn Angehörige den
Bestatter nicht bezahlen können oder es gar keine Angehörigen gibt.
Ein ruhiger Job, sagt Abdarahman, bis vor einem halben Jahr die Wasserleichen
kamen, obwohl er selbst nur jene Toten birgt, die schon gestrandet sind. Für
alles, was man aus dem Wasser ziehen muss, ist die Küstenwache zuständig.
Bei ihm, sagt er, seien es knapp über hundert, bei der Küstenwache
gehe es in die Tausende, und dabei müsse man sehen, dass die meisten gar
nicht aufgefunden würden. Sie kommen vom Kurs ab und treiben davon in Richtung
Karibik. Es gebe da draußen so einen Punkt, sagt er, von dem werde alles
Treibgut angesogen, er meint die Sargassosee.
Abdarahman legt den Schlauch beiseite, stiefelt zum Landrover, den sie aus den
Restbeständen einer mauretanischen NGO bekommen haben, kramt eine rote
Kladde aus dem Handschuhfach, setzt seine große, etwas schiefe Brille
auf und deutet mit dem Finger auf die Spalte mit den Flüchtlingszahlen.
Oktober: 0. November: 3. Dezember: 10. So langsam ging es los. »Wir dachten
erst, es müsse sich um ausländische Fischer handeln, deren Boote gesunken
sind. Eine Kette unglücklicher Zufälle. Wir haben weiter nicht darüber
nachgedacht.« Aber dann häuften sich die Fälle.
Erst waren es mehrere im Monat, dann mehrere die Woche. Immer junge Männer,
die Köpfe riesig, die Körper aufgedunsen. Häufig war die Kleidung
mit der Haut verwachsen, und manchmal, wenn die Haie sich an ihnen satt gefressen
hatten, fanden sie bloß Reste des Skeletts. Dann kam der 3. März.
An diesem schwarzen Dienstag hockte Abdarahman auf der Treppenstufe vor seinem
Büro, als der erste Anruf kam. Es seien vier, sagte der Mann, der sie gefunden
hatte. Abdarahman rief drei Mitarbeiter an. Dann nahm er die Spaten, die Handschuhe,
den Mundschutz und räumte alles in den Landrover. Sie fuhren an die Küste,
und die Männer, die sie auf die Trage hievten, schienen frisch zu sein.
Einen nach dem andern brachten sie zum Friedhof, wuschen sie, rieben sie mit
Blättern ab, wickelten sie in Leinentücher, dann legten sie sie in
die Grube, Kopf nach Mekka, und sprachen ein Gebet, alles so, wie Abdarahman
es in einem Seminar gelernt hat. Er sagt, ihm sei es wichtig, keinen Toten zu
bevorzugen. Allah werde ihn am jüngsten Tag dafür belohnen.
Dann kam der nächste Anruf. Wieder drei, weiter nördlich diesmal,
und so ging es fort bis zum nächsten Abend. Abdarahman notierte 48 Leichen,
und wenig später hörte er, dass Überlebende gefunden wurden.
Sie berichteten, ein Schiff der marokkanischen Küstenwacht habe sie zur
Umkehr gezwungen, bei diesem Manöver seien sie gekentert. Erst jetzt, sagt
Abdarahman, habe er begriffen, dass hinter all den Leichen ein System steckt.
Erst jetzt wurde ihm klar, was all die Ausländer aus den Nachbarstaaten,
die seit Dezember scharenweise kamen, hier suchten _ es sind 15000 in Nouadhibou
_ und warum sich vor den Western-Union-Schaltern diese Schlangen bildeten. Früher
kamen viele her, um in den Eisenminen anzuheuern, im Hafen oder als Boy in den
Familien. Heute kommen sie nicht mehr, um hier ihr Glück zu machen. Sie
kommen, um zu gehen.
Abdarahman findet das nicht gut. »Diese Leute bleiben ein paar Wochen,
verdienen ein paar Oughia, und wenn sie genug haben, verschwinden sie mit Kurs
auf die Kanaren. Sie nehmen uns die Arbeitsplätze weg.
Seit sie da sind, wird mehr eingebrochen, mehr gestohlen. Das Klima in der Stadt
wird rauer.«
Dem Leichensammler leuchtet es nicht ein, dass diese Männer aus der Heimat
fortgehen, aber vielleicht erwartet er auch weniger vom Leben. Er sagt, ihm
reichten eine gute Arbeit, eine liebe Frau, ein bisschen Zeit, um seinen alten
Vater zu besuchen. Dann stapft er zu den Gräbern hinaus und sammelt Autoreifen
ein, die überall herumliegen. Auf den meisten Gräbern stecken Schilder,
auf denen in schnörkeliger Schrift Geburtstage und Namen stehen. Dazwischen,
unter Steinhaufen, ruhen die namenlosen Ausländer, und wenn der Wind still
steht, dann hört man von der Friedhofsmauer her das sanfte Rauschen des
Atlantiks.
»Modo«,
flüstert Diop. »Modo, hörst du? Wir dürfen, wenn wir da
sind, keinen Unsinn machen.« Es ist Nacht auf dem Atlantik, die See ist
immer noch glatt, und Modo, der ein sauberes Französisch spricht, ist hier
der Einzige, dem Diop vertraut. »Verstehst du _ unserem Plan treu bleiben!
Jeder Cent für die Familie. Keine Drogen, nichts. Und zu niemandem ein
Wort.«
Diop hatte den Bus genommen nach Nouadhibou. 24 Stunden dauerte die Reise, und
als er am Senegal, dem Fluss, der beide Länder trennt, den Grenzbeamten
seinen Ausweis zeigte, ließ man ihn passieren. Er wusste, Mauretanien,
der Senegal und 15 andere Länder südlich der Sahara hatten dieses
Abkommen geschlossen, das ihm erlaubte, sich überall frei zu bewegen. Erst
nach der Grenze warf er seinen Ausweis weg. Es gab jetzt nichts mehr, was ihn
verraten konnte. Er trug kein Telefon bei sich und kein Adressbuch, kein Foto
von Khady und keines von Daouid. »Modo«, flüstert Diop, »zu
keinem auf diesem Schiff ein Wort. Wir dürfen keine Spuren hinterlassen,
sonst bleibt Europa nur ein Traum.«
Es ist
ein sonniger Morgen in den Bergen der Insel, als Europa ihr doch noch
seine Aufwartung macht. Der Präsident von Teneriffa empfängt es in
der Militärbasis von Hoya Fria, dem größten Flüchtlingslager
von Teneriffa. Er steht in einem Saal, am Revers das Wappen der Inselregierung,
vor ihm sitzt die achtköpfige Delegation der EU. Leute vom Roten Kreuz
haben sie durch das Lager geführt, dann hat der Regierungsdelegierte aus
Madrid gesprochen, jetzt hebt der Präsident an.
Er spricht über die 300 minderjährigen Flüchtlinge auf der Insel,
deren Versorgung jährlich sechs Millionen Euro kostet. Über die Männer,
die illegal auf den Plantagen schuften, die Frauen, die in der Prostitution
enden.
Er spricht zehn Minuten, distinguiert und ruhig, dann schließt er mit
einem Appell an eine gemeinsame europäische Kraftanstrengung. Die Leute
aus Brüssel nicken freundlich, aber ihr Interesse gilt den Standards von
Schlafstätten und Hygieneklos. Man habe große Pläne, sagt ein
Delegierter, man arbeite an einer EU-Richtlinie für Flüchtlingslager.
Dann müssen sie los.
»Reine Zeitverschwendung«, sagt der Präsident später in
seinem Büro.
Er hat andere Sorgen. Im Bergdorf La Montaneta sind Flüchtlinge mit Fußtritten
empfangen worden, jetzt wird die Herberge bewacht. Ein Schuppen in Arona, in
dem die Polizei die Flüchtlingsboote lagert, wurde dreimal angezündet.
In El Freile überfiel jemand mit der Machete eine Bank _ bis herauskam,
dass der Täter Spanier war, dachte jeder, es sei ein Afrikaner gewesen.
Die Stimmung droht zu kippen. Die Tourismusverbände werden langsam unruhig.
»Sehen Sie, eine Million Menschen leben auf Teneriffa, die Insel ist voll.«
Es stimme natürlich nicht, dass alle Immigranten ausgeflogen würden,
man müsse ja nur durch die Straßen laufen. Jeden Abend sickern sie
aus ihren Unterkünften in den Bergen in die Küstenorte, streifen um
die Tische an den Promenaden und bieten Sonnenbrillen an.
Manchmal redet der Präsident mit diesen Leuten. Neulich traf er im Lager
Los Rodeos einen jungen Marokkaner. Er kam das erste Mal mit 16, sie brachten
ihn zurück. Er kam wieder, sie flogen ihn wieder zurück, nun hat er
es zum dritten Mal geschafft. Er träume davon, Fußballer zu werden,
sagte er dem Präsidenten, und Melchior war beeindruckt. Er hat ihm zugeredet.
Ihm Mut gemacht. Von Jungen gesprochen, die von ganz unten kamen und es nach
ganz oben geschafft haben. Je
länger er spricht, desto gerührter wird er _ von sich selbst, den
Afrikanern, vom Zustand dieser Welt. Natürlich, sagt er, wollen die teilhaben
am Kuchen, der direkt vor ihrer Nase liegt: die doppelte Lebenserwartung, die
50-fache Rente, die 300-fache Lebensqualität. Man dürfe nicht vergessen,
auch Teneriffa sei durch die Devisen reich geworden, die seine Emigranten hierher
überwiesen hätten. »Afrika verdient die gleiche Chance. Vielleicht
sollte man sie einfach reinlassen, damit sie etwas in die Heimat schicken können.«
Vielleicht, denkt Melchior manchmal, wäre Wegsehen hier die bessere Entwicklungshilfe.
»Wegsehen«,
sagt Yahya Ould Mohammed Vall, der Gouverneur von Nouadhibou, »hilft
uns nicht. Wir sind nur Durchgangsland, kein Euro fließt zu uns zurück.«
Der Gouverneur, ein eloquenter Mann in Nadelstreifen, mit blank polierten Schuhen,
empfängt in seinem abgedunkelten Büro. Er fläzt sich auf die
schwarze Ledercouch und gähnt. Das große Referendum steht an, Vall
steckt mitten in den Vorbereitungen. Termine mit dem Bürgermeister, Termine
mit den Bürgern; erklären, warum die Verfassungsreform nötig
ist. Es gab einen Putsch voriges Jahr, bald sind Wahlen. »Da steht die
Sache mit den Flüchtlingen etwas hinten an.«
Andererseits ist Mauretanien mit seinen drei Millionen Einwohnern ein kleines
Land. »Wir wurden von der Flüchtlingswelle überrollt«,
sagt Vall. Während Europa den Marokkanern nach den Dramen von Ceuta und
Melilla mit 40 Millionen Euro half, muss er nun zusehen, wie er klar kommt.
Gerade mal eine spanische Delegation hat Vall seit März empfangen. Damals
haben die Spanier angekündigt, mit Schiffen auszuhelfen, aber davon ist
bislang nur eines eingetroffen. Ein Patrouillenschiff für mehr als tausend
Kilometer Küste!
Vall erklärte seinen Gästen, dass ihn die Versorgung aufgenommener
Flüchtlinge eine knappe Viertelmillion Euro koste, Geld, das er nicht habe.
Die Spanier schickten ihm Soldaten, die seinen Leuten zeigten, wie man ein modernes
Flüchtlingslager aus dem Boden stampft. Die Kassen aber blieben leer. Es
schien, als würden bloß Bedingungen geschaffen, um die Afrikaner
leichter abschieben zu können. 190 hat Spanien bisher ausgeflogen nach
Nouadhibou. Vall fragt: »Was haben wir zu tun mit diesen Leuten?«
Unter ihnen war vielleicht ein Dutzend Mauretanier. Ihm blieb nur, die Sache
selbst in die Hand zu nehmen. Er schickte seine Küstenwachenboote los,
er forderte die Fischer auf, verdächtige Bewegungen auf See zu melden,
und den Geheimdienst wies er an, die Suche nach den Hintermännern zu forcieren.
Es hat dazu geführt, dass sie jetzt jede Woche rund sechs Boote abfangen.
»Sechs Boote sind besser als nichts«, meint Vall. »Aber sie
schaffen das Problem nicht aus der Welt.«
Irgendwo finden sie immer ein Loch. Erst starteten sie von Marokko, dann von
Mauretanien, und wenn man hier die Lage kontrolliert, zieht die Karawane weiter
südlich, in den Senegal und nach Guinea-Bissau. Die Strecken werden länger
und die Boote immer größer. Bald, sagt Yahya Ould Mohammed Vall,
werden sie zu Hunderten auf ausrangierten Fischerkähnen kommen.
Eisiger
Nachtwind streicht übers Boot und frisst sich durch die Kleidung,
die klamm ist von der anbrandenden Gischt. Seit drei Tagen kämpft Mass
Diop mit der Erschöpfung, seit drei Tagen hockt er in derselben Haltung,
immer wieder nickt er ein. Bis auf das leise Wimmern vorn unter dem Dach ist
es gespenstisch still. Neben ihm am Ruder hält sich Modo aufrecht. Um Batterie
zu sparen, steuert er jetzt ohne
GPS. Ein Stern am Himmel zeigt den Weg. Diop verliert ihn immer wieder aus den
Augen. Sein Magen knurrt. Die Vorräte gehen zur Neige. Das Boot wird leichter
mit jedem ausgetrunkenen Kanister Wasser, mit jedem leeren Fass Benzin, das
über Bord geht. Sie nehmen Fahrt auf, immerhin.
Im Hotel Oasis Moreque beginnt das Abendprogramm. »Good evening, England«, ruft der holländische Animateur ins Mikrofon. »Bonsoir, la France.« Dann wendet er sich den Tischen der Schmittkes zu: »Guten Abend, Deutschland!« Durch die Gegend geht ein Raunen, Deutschland ist hellwach. Es gibt ein Quiz. Wolfgang hält es nicht auf seinem Stuhl. Eben hat er Lieder von Abba und Joe Cocker erraten, jetzt fragt der Animateur: »Wann hat Kolumbus Amerika entdeckt?« Wolfgang schiebt sich nach vorn. »1492!«, ruft er, und der Animateur drückt eine Hupe, die Leute klatschen. »Prost!«, schreit der Animateur und reicht Wolfgang ein Glas Sekt.
Einen
galligen Geschmack spürt Mass Diop auf der Zunge. Sein Mund ist
trocken, und am Horizont dämmert der Morgen, als vorn im Boot auf einmal
einer aufspringt.
»Land in Sicht!«, brüllt er. »Da ist Land!«
»Wie heißt du?«
»Mass Diop.«
»Wie alt bist du?«
»Dreiunddreißig.«
»Wo kommst du her?«
»St. Louis, Senegal.«
Der Mann ist glaubwürdig, dachte Luis Carrion, der Polizeichef von Los
Cristianos. Erschöpft nach vier Tagen auf See, aber gefasst. Und er hatte
ja auch keinen Grund, die Unwahrheit zu sagen, _ ohne Papiere konnte man ihm
ohnehin nichts nachweisen. Gegen Mittag hatten Carrions Leute ihn und 47 andere
am Strand gefunden, zitternd und zu müde, um allein aufzustehen.
Es war
Ende Dezember, Carrion saß an seinem Schreibtisch, neben ihm
die spanische Flagge, hinter ihm goldgerahmt der König. Dieser Immigrant
bereitete ihm Sorgen. Er hatte sich gierig auf das Essen gestürzt, und
jetzt krümmte er sich und übergab sich immer wieder. Carrion ließ
ihn ins Krankenhaus fahren, wo man ihn an einen Tropf legte. Die anderen aus
diesem Boot dirigierte er nach Fuerteventura.
Nach fünf Tagen im Krankenhaus brachte man Mass Diop in ein Militärcamp.
Hoya Fria war ein angenehmes Gefängnis. Er schlief in einem Vierbettzimmer,
aß in einer Kantine, und im Hof durften sie sogar Fußball spielen.
Am zwanzigsten Tag schenkte ihm jemand eine Telefonkarte. Er wählte mit
unsicheren Fingern, und nach einer halben Ewigkeit meldete sich eine Stimme.
»Mutter?«
»Mass? Bist du es?«
Er hörte sie weinen. Vier Tage nach seinem Aufbruch hatte Khady seiner
Mutter verzweifelt davon erzählt. Sie hatten angenommen, er sei tot. Mass
Diop lächelt, wenn er an seine Mutter denkt. Er sitzt in einem Café
in Arona, in den Bergen über Los Cristianos. Er trägt eine Camouflage-Mütze
und eine ausgeblichene Jeans aus dem Altkleider-Fundus des Roten Kreuzes. Vier
Monate sind vergangen, seit er entlassen wurde, seitdem lebt er hier in einer
Flüchtlingsherberge, einen weißen Kasten am Ortsende, über der
Tür das Rote Kreuz. »Es ist nicht schlecht«, sagt er und zündet
sich eine Zigarette an. Er kommt gerade vom Spanischunterricht, es geht voran,
er traut sich jetzt, die Baustellen in Los Cristianos abzuklappern, zu fragen,
ob sie Arbeit haben, aber bislang schickten sie ihn immer weg.
»Ohne Papiere? Vergiss es.«
Zweimal hat er bei der Kartoffelernte ausgeholfen, in den Bergen, er verdiente
35 Euro in acht Stunden. Ein anderes Mal gab ihm ein Bekannter aus Los Cristianos
seinen Bauchladen mit Sonnenbrillen. Diop quälte sich zwei lange Samstage
durch die Touristen. Er war zu schüchtern, diese Menschen anzusprechen,
die ihr Leben zu genießen schienen. Selbst die Alten, sagt er, tanzten
noch mit ihren Frauen auf der Straße. Eine einzige Brille hat Diop schließlich
verkauft, für sieben Euro.
Von dem Geld besorgte er sich eine Telefonkarte. Er rief Khady an. Sie fragte,
wann er heimkomme. »Hab Geduld«, sagte er ihr. »Es ist nicht
einfach, aber es wird aufwärts gehen, ganz bestimmt. Ich brauche nur diese
Papiere.«
Er sagt ihr nicht, dass er jetzt täglich eine Schachtel Zigaretten raucht.
Wie mühsam die Tage zerrinnen. Wie die Spanier auf der Straße durch
ihn hindurchschauen. In der Herberge sind sie zu fünft, alle ohne Arbeit,
alle »sin papeles«. Ohne Papiere. Sein Zimmer teilt sich Diop mit
Mor, einem 16-Jährigen von der Elfenbeinküste. Er sagt, der Junge
sei sehr ängstlich. Es ist schon seltsam, Diop verließ die enge Wohnung
in der Heimat, um seiner Familie ein Haus zu bauen, und jetzt lebt er hier mit
einem fremden Kind in einem fremden Zimmer.
Bis Juli darf er bleiben. Er weiß nicht, wie es weitergeht. Er sagt: »Ich
gehe dahin, wo es Arbeit für mich gibt. Nach Barcelona, nach Berlin, egal.«
Wenn er Glück hat, kriegt er irgendwann Papiere. Eine Stelle auf dem Bau
oder in den Gewächshäusern von Teneriffa. Wahrscheinlich aber wird
er ein Schattenleben führen wie so viele. Abtauchen und zusehen, dass er
der Polizei nicht in die Hände fällt. Auf keinen Fall aber kann Diop
zurück. »Ich würde mein Gesicht verlieren.«
An ihrem letzten Abend im Moreque sitzen Schmittkes auf der Terrasse und trinken noch ein Gläschen Rotwein. Sie wirken aufgewühlt. Als sie heute früh zum Frühstück herunterkamen, war der ganze Saal gesperrt. Überall Polizei, Sanitäter. Wolfgang Schmittke ging der Sache nach, und an der Rezeption erfuhr er, dass eine alte Frau gestorben sei. »Herzinfarkt«, sagt Christa Schmittke. »Am Buffet.«
DIE ZEIT, 20.07.2006 30/2006
FR,
21.2.2007
Schwelende
Unruhen in Guinea gefährden ganz Westafrika
Guineas Präsident Lansana Conté hat mit dem Ausnahmezustand die
Proteste gegen sich unter Kontrolle gebracht - vorerst. Ein Bürgerkrieg
könnte auf die labilen Nachbarländer übergreifen.
VON CHRISTINE D'ANNA-HUBER
"Wir sterben - und die Welt schaut gleichgültig zu", klagte ein Bewohner der guineischen Hauptstadt Conakry dem Sender BBC. Seit dem 12. Februar gilt im westafrikanischen Land ein von der Armee brutal überwachter Ausnahmezustand. Seit Beginn der Unruhen im Januar kamen mehr als 120 Menschen ums Leben, die meisten davon Zivilisten, auch Kinder. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wirft den Sicherheitskräften vor, das Kriegsrecht zu missbrauchen, um zu morden, zu plündern und die Bevölkerung zu terrorisieren.
Doch dass die Welt sich nicht kümmern würde, stimmt nicht. Das verhindern, so zynisch das ist, zuerst einmal ganz handfeste Geschäftsinteressen. Guinea mag für viele ein verlorener Winkel in Westafrika sein, doch auf dem Weltmarkt spielt das korrupte und für afrikanische Verhältnisse recht kleine Land eine wichtige Rolle: Hier liegen mehr als die Hälfte der Vorräte des Planeten am Aluminiumerz Bauxit. Der Rohstoffmarkt reagiert bereits mit Nervosität und steigenden Aluminiumpreisen auf die eskalierenden Unruhen in Guinea.
Doch vor allem fürchtet die internationale Gemeinschaft die Auswirkungen, die ein Bürgerkrieg in Guinea auf die ganze Region haben könnte. Der östliche Teil des Landes liegt eingekeilt zwischen Liberia, Sierra Leone und der Elfenbeinküste - alles Länder, die sich eben erst aus der Asche von Bürgerkriegen erheben. Die International Crisis Group warnt denn auch, dass ein Bürgerkrieg in Guinea für das fragile Gleichgewicht eine nicht zu unterschätzende Gefahr wäre.
Begonnen hatten die Unruhen in Guinea am 10. Januar mit einem Generalstreik. Die traditionell einflussreichen Gewerkschaften und die Oppositionsparteien protestierten gegen die sich zusehends verschlechternden Lebensbedingungen, gegen Inflation und Korruption. Trotz der vielen Bodenschätze leben rund 40 Prozent einer Bevölkerung von 9,4 Millionen unterhalb der Armutsgrenze. Die Wirtschaft liegt am Boden; Guinea gilt als korruptestes Land in Afrika.
Verantwortlich machen die Protestierenden dafür den autokratischen Machthaber, Präsident Lansana Conté. Der 73-Jährige ist schwer krank und oft zur ärztlichen Behandlung in der Schweiz. Er hatte sich vor 23 Jahren an die Macht geputscht und hegt nicht die geringste Absicht, diese vor seinem Tod abzugeben - auch wenn er kaum mehr fähig ist, die Regierungsgeschäfte wahrzunehmen: "Die andern müssen warten, bis sie an der Reihe sind", erklärte der Ex-General unlängst am Staatsfernsehen, "Gott allein verteilt die Macht".
Der alte Mann beschied zudem, "das Gesetz bin ich", ließ gegen den immer stärkeren zivilen Protest erst die Polizei brutal durchgreifen und hetzt nun die Armee auf sein eigenes Volk. Dieses aber dürfte ihn am Ende die Macht kosten, an die er sich mit allen Mitteln zu klammern versucht: Immer mehr Beobachter rechnen mit einer Machtübernahme durch das Militär. Das wiederum wäre, so schreibt die International Crisis Group in einem vergangene Woche veröffentlichten Bericht, "der Anfang einer Höllenfahrt, wie Guineas Nachbarländer sie im letzten Jahrzehnt bereits durchlebt haben".
Nach dringenden Appellen der Vereinten Nationen, der Afrikanischen und der Europäischen Union entspannte sich die Lage im Land Ende vergangener Woche etwas. Regierung und Gewerkschaften nahmen den Dialog wieder auf. Doch die Sorge bleibt: Noch immer herrscht der Ausnahmezustand, gilt für 20 Stunden täglich eine Ausgangssperre, sind Versammlungsfreiheit und Briefgeheimnis aufgehoben. Und während die internationale Gemeinschaft noch nach diplomatischen Lösungen sucht, hat Frankreich das Truppenlandungsschiff Sirocco losgeschickt und hält sich bereit, die rund 7000 in Guinea lebenden französischen, US-amerikanischen und libanesischen Staatsbürger im Bedarfsfall zu evakuieren.
Hautaufheller
auch bei Kindern
Einige afrikanische Eltern benutzen Cremes um die Haut ihrer Kinder aufzuhellen.
Diese Praxis wird durch ein ästhetisches Anliegen motiviert: eine Eitelkeit,
über die man schweigt, bis Komplikationen auftreten.
„Als Kind war ich sehr schwarz,“ erinnert sich Nathalie * aus Gabun,
34 Jahre alt und seit mehreren Jahren in Frankreich zu Hause. „Meine Mutter
hellte sich die Haut auf und ich unterschied mich stark von ihr. Auf der Straße
sagte man sogar: „das ist doch nicht ihre Mutter!“ Als ich ungefähr
8 Jahre alt war, begann sie, etwas Aufhellungscreme in meine Körpermilch
zu mischen. "
Das gleiche machte die Mutter für eine Cousine im gleichen Alter, die mit
ihr lebte. „Meine Mutter konnte es nicht ertragen, jemanden mit tiefschwarzer
Haut zu sehen“, sagt Nathalie, die seit 5 Jahren auf Hautaufheller verzichtet.
„Sie konnte nicht schlafen, bis wir uns nicht mit der Körpermilch
eingerieben hatten, die sie mit Halog versetzt hatte.“ Eine Creme mit
Kortikosteroiden, die zur Behandlung bei Entzünduneng und Juckreiz verwendet
wird.
Die Geschichte von Nathalie bekommt Isabelle Mananga-Ossey oft zu hören.
„Zahlreiche Mädchen erzählten mir, dass ihre Mutter es war,
die ihnen die erste Creme gegeben hat“, sagt die Präsidentin und
Gründerin des französischen Vereins „Label Black Beauty“.
„Aber diese Mütter wollten nichts Schlechtes tun: Sie sind sich einfach
nicht bewusst, dass die Produkte Stoffe beinhalten, die Krankheiten verursachen
können."
Undurchsichtige Praktiken
Wie viele Kinder werden künstlich depigmentiert? Es ist schwer auch nur
eine grobe Schätzung zu erhalten. In Frankreich spricht die Mehrzahl der
interviewten Experten von einem „marginalen“ Phänomen, während
andere angeben, davon noch nie in ihrer Praxis gehört zuhaben.
In Westafrika gibt es jedoch eine Vielzahl solcher Fälle, bestätigt
Dr. Fatimata Ly, Dermatologin und Präsidentin der Internationalen Vereinigung
zur Information über künstliche Depigmentierung (Senegal). Isabelle
Mananga-Ossey lässt keinen Zweifel: "Gabun, die beiden Kongos, Kamerun
und der Zentralafrikanischen Republik sind von diesem Übel befallen!"
Vor allem in Zentral- und in Westafrika verwenden viele Erwachsene gefährliche
Mischungen (Bleichmittel, Quecksilber, Hydrochinon, Kortikosteroide, zerstoßenes
Glas ...) und erleiden Verbrennungen, Streifen und andere Hautausschläge,
die entstellend wirken. Sind auch Kinder Opfer solcher Komplikationen? Eher
selten. Zum Beispiel hat Dr. Khadi Sy Bizet, Spezialistin für schwarze
Haut in Paris, nur einen Fall von kutanen Komplikationen bei einem Kind in zweiundzwanzig
Berufsjahre erlebt.
Körpermilch "Besonderes Kind"
"Hautprobleme sind bei Kindern weniger schwerwiegend, weil die Menge des
verwendeten Aufhellers geringer ist", sagt Dr. Fatimata Ly. Sie betont
jedoch, dass bei Missbrauch von Cortison die Hormonproduktion der endokrinen
Drüsen gestört werden kann. Und: „Neben-wirkungen bei Kindern
treten viel schneller ein als bei Erwachsenen, weil die Haut noch nicht ausgereift
ist", warnt Dr. Khadi Sy Bizet.
Um das Schlimmste zu vermeiden, verwenden einige Eltern teure Markenprodukte,
die weniger aggressive Aufhellungsmittel enthalten. Ein Trend, dem sich Marken
wie HT26 angepasst haben. Nathalie sagt in der Tat, dass sie zwischen 15 000
und 22 000 FCFA (zwischen 23 und 33 Euro) ausgab, um in der Apotheke oder im
Supermarkt eine große Flasche Körperlotion HT26 "Besonderes
Kind" zu kaufen.
Eine andere Strategie: den schwangeren Bauch mit Depigmentierungs-Produkten
zu massieren. „Die Haut-Kortikosteroide überwinden die Hautbarriere
und gehen ins Blut. Die künftigen Mütter sagen sich, dass durch diesen
Gebrauch das Kind mit einer helleren Haut zur Welt kommt“, sagt Isabelle
Mananga-Ossey. Man denkt nicht an das Risiko einer Fehlgeburt. Oder an die Auswirkungen
auf die Größe des Kindes bei der Geburt, bemerkt Dr. Antoine Mahe,
Dermatologe am Krankenhaus von Meaux und Autor des Buches Dermatologie der schwarzen
Haut.
Biologische
Auswahl
Eines ist sicher: wenn die Depigmentierung der Erwachsenen ein gut gehütetes
Geheimnis ist, ist die der Kinder geradezu ein Tabu, sowohl in Afrika als auch
in Frankreich, wo der Bürgermeister von Paris am 5. November eine Aufklärungskampagne
ins Leben gerufen über die Gefahren der Depigmentierung. "Ich habe
vor ein paar Jahren ein kongolesische Paar aus Brazzaville behandelt, das sich
die Haut aufgehellt hatte und ein wenig von dem Produkt ihrem Baby gegeben hatte.
Ich sagte ihnen, damit aufzuhören, und ich habe sie nicht wiedergesehen",
sagt Dr. Antoine Petit, Dermatologe am Krankenhaus Saint-Louis in Paris.
Es muss gesagt werden, dass in Zentral- und Westafrika der helle Teint ein Zeichen
der Schönheit und des sozialen Erfolg ist, in Frankreich dagegen hält
man ihn für eine Integrationserleichterung. "Es gibt einen großen
Konformitäts-Druck, um so Rassismus und Diskriminierung zu entgehen“,
analysiert Ezembe Ferdinand, Doktor der Psychologie.
Damit das Kind besserer Lebenschancen hat, versorgen sich die Eltern also mit
den Haut aufhellenden Cremes, besonders in Strasbourg-Saint-Denis und Chateau-Rouge,
zwei Pariser Vierteln mit einer hohen Konzentration von Afrikanern. Manche Frauen
gehen sogar noch weiter. "Sie üben biologische Auswahl aus",
meint Dr. Ferdinand Ezembe. “ Sie suchen Partner mit heller Haut und denken,
dass ihr Kind 50% mehr Chancen hat, im Leben erfolgreich zu sein."
* Der Name wurde geändert.
http://www.jeuneafrique.com/Article/ARTJAWEB20091202151213/-France-Afrique-enfant-cosmetique-Depigmentation-les-enfants-aussi-.html
Neue Gefilde
für Freibeuter
Die Piraterie breitet sich jetzt auch vor den Küsten von Westafrika aus
Von Johannes Dieterich
JOHANNESBURG. Experten warnten schon lange davor, dass die blühende Piraterie
vor der somalischen Küste anderswo Nachahmer finden könnte. Nun scheint
sich ihre Befürchtung zu bewahrheiten. Auch vor der westafrikanischen Küste
habe die Seeräuberei in diesem Jahr sprunghaft zugenommen, schlägt
das International Maritime Bureau (IMB) in London Alarm: Allein aus den Gewässern
Nigerias und Benins wurden in diesem Jahr 22 Überfälle von Freibeutern
gemeldet.
Besonders bedroht von der aufkommenden Seeräuberei ist der westafrikanische
Kleinstaat Benin, der 40 Prozent seiner Staatseinnahmen – jährlich
rund 15 Milliarden Euro – aus den im Hafen von Cotonou anfallenden Zöllen
und Gebühren bezieht. Cotonou gilt als regionaler Umschlagplatz für
Gebrauchtwagen aus Europa und als Verschiffungsort für Baumwolle aus ganz
Westafrika. „Immer mehr Schiffe meiden unsere Gewässer aus Angst
vor den Piraten", klagt Benins Marinechef Maxime Ahoyo. Die Ökonomie
des Kleinstaats leide unter Freibeutern. Der Londoner Versicherer Lloyd's stuft
die Gewässer am Golf von Guinea bereits in derselben Gefahrenkategorie
wie Somalia ein.
Bislang unterschied sich die Vorgehensweise der westafrikanischen Seeräuber
noch deutlich von der ihrer somalischen Kollegen. Die Freibeuter am Golf hatten
sich auf Diebstähle und „Hitand-Run"-Angriffe spezialisiert,
während Somalias Piraten ihre Beute oft monatelang vor der Küste festhalten,
um Lösegeld zu erpressen.
Inzwischen werden jedoch auch Westafrikas Piraten immer waghalsiger: Sie stehlen
manchmal ganze Tankerladungen mit Rohöl, das sie auf eigene Schiffe umladen.
Immer öfter nehmen sie auch Besatzungsmitglieder als Geiseln. Beunruhigt
sind Reeder und Schiffsbesatzungen auch wegen der Gewalttätigkeit der Westafrikaner:
Während die somalischen Piraten die Matrosen nicht vorsätzlich verletzen,
sind ihre Kollegen am Golf von Guinea äußerst brutal – mindestens
zwei Seeleute wurden schon getötet. Das IMB in London geht davon
aus, dass die Dunkelziffer der vor Westafrika gekaperten Schiffe wesentlich
größer ist als die Zahl der bekannten Fälle. Viele Kapitäne
meldeten die Vorfälle nicht, weil sie entweder selbst in dunkle Geschäfte
– etwa den Öldiebstahl in Nigeria – verwickelt seien oder Angst
vor einem starken Anstieg der Versicherungsprämien hätten, glaubt
IMB-Sprecher Cyrus Moody: „Wir appellieren an alle Schiffsbesitzer, uns
jeden Zwischenfall zu melden, damit wir ein realistisches Bild der Krise bekommen."
Experten vermuten, dass die meisten Piraten aus Nigeria kommen: Dort führen
bewaffnete Banden schon seit Jahren einen Kampf gegen die Ölgesellschaften,
denen sie die Zerstörung ihrer Lebensgrundlage im Niger-Delta vorwerfen.
Im Gegensatz zu Somalia, wo die internationale Gemeinschaft eine Anti-Piratenflotte
unterhält, muss Westafrika mit dem Problem bislang allein fertig werden.
FR 16.08.11